Schmecken soll es, gesund soll es sein und von den Kindern dauerhaft angenommen werden. Doch die Verpflegung an Schulen sieht manchmal anders aus. Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) wollen helfen und führen sogenannte Coachings an Schulen und Kindereinrichtungen durch. Zwei Schulen und ein Haus für Kinder aus dem Münchner Norden haben an einer dieser Aktionen teilgenommen. Die Erfahrungen, die sie damit gemacht haben, stehen, so die AELF Ebersberg-Erding, stellvertretend für viele andere Einrichtungen.
Unter den Teilnehmern befindet sich das „Haus für Kinder Sternschnuppe” im Harthof, eine Einrichtung des Bayerischen Roten Kreuzes, die 26 Kita- und 75 Kindergartenkinder betreut. „Wir haben jetzt einen optimalen Speiseplan für die Mittagsverpflegung und die Zwischenmahlzeiten”, sagt Hauswirtschaftsleiterin Martina Fottner. Die Einrichtung mit eigener Frischküche konnte neue Ideen schnell umsetzen und möchte künftig die Eltern noch stärker über das Verpflegungsangebot informieren. „Das Essen hat bei uns einen großen Stellenwert. Wir sind froh, dass wir beim Coaching mitmachen konnten.”
Einrichtungsleiterin Nermina Daniela Delevic berichtet, dass die Kita durch das Coaching auch die Bestätigung erhielt, bereits 65 Prozent gut gemacht zu haben. Optimiert wurden unter anderem die Kommunikation mit den Eltern bezüglich Speisezubereitung, der Kenntnisse über Inhaltsstoffe und darüber, was hausgemacht ist. So war es vielen bisher gar nicht bewusst, dass die Joghurtspeisen selbst zubereitet werden. Durch das Coaching wurden, so die Einrichtungsleiterin, auch die Pädagogen dafür sensibilisiert, was sie noch besser machen können. Nun setzen sie sich auch zu den Kindern an den Tisch und sprechen mit ihnen über das Essen. Außerdem hat man ein eigenes Verpflegungskonzept verfasst, das unter anderem die Eltern von neu angemeldeten Kindern informiert.
Auch das Gymnasium Feldmoching hat sich vom AELF beraten lassen. Dort essen hauptsächlich die Kinder zu Mittag, welche die Offene Ganztagesschule (OGTS) besuchen. Es kommen aber auch Kinder, die Nachmittagsunterricht haben. Das ganze Schuljahr hindurch wurde am Gymnasium das Coaching durchgeführt. Rund acht Personen aus sämtlichen Bereichen der Schule haben daran teilgenommen. „Das Coaching der Mittagsverpflegung war ein voller Erfolg. Deshalb wollten wir auch unsere Zwischenverpflegung unter die Lupe nehmen“, berichtet Josef Erbesdobler, Verpflegungsbeauftragter der Schule. Gemeinsam mit der Vernetzungsstelle wurden das Pausenangebot analysiert und die Schüler zu ihren Wünschen befragt. „Wir möchten künftig noch stärker auf regionale Lebensmittel setzen und haben durch die Umfragen wertvolle Hinweise erhalten“, sagt Erbesdobler und richtet einen großen Dank an das AELF. Die Teilnahme habe die Zufriedenheit der Schüler und der Eltern mit dem Essensangebot gesteigert. Dies lasse sich anhand von Umfragen sehen. Ein konkretes Ergebnis: Seit dem Coaching gibt es als drittes Mittagsgericht zur Auswahl täglich Nudeln mit Tomatensoße.
Auch der Cateringbetrieb nutzte das Coaching, um die Kommunikation mit Schülern und Eltern zu verbessern. „Uns ist bewusst geworden, dass vielen nicht bekannt war, dass wir zu 100 Prozent Bio-Lebensmittel verwenden und täglich frisch kochen“, berichtet Geschäftsführerin Yasmin Weidemeier. Mit einer Fotostrecke zur Herstellung beliebter Gerichte wird nun transparenter dargestellt, wie die Speisen entstehen.
Die dritte Einrichtung im Münchner Norden, die das Coaching des AELF in Anspruch genommen hat, ist die Grundschule Burmesterstraße in Freimann. Hier wurde die Mensa zum „Burmirestaurant” umgestaltet, ein Feedbacksystem mit Rückmeldungen von Kindern eingeführt und das Verpflegungskonzept hin zu mehr vegetarischen Gerichten und klaren Fleisch-Tagen weiterentwickelt. „Durch die strukturierte Begleitung konnten wir die Zusammenarbeit mit unserem Caterer deutlich verbessern”, sagt Verpflegungsbeauftragte Kathrin Koschella: „Wir würden jederzeit wieder teilnehmen.”
Martina Fink von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung am AELF Ebersberg-Erding zieht ein positives Fazit: „Das Coaching zeigt, dass oft schon kleine Veränderungen große Wirkung entfalten. Wenn Kinder, Einrichtungen und Caterer gemeinsam an einem Strang ziehen, entstehen Verpflegungskonzepte, die gesund sind, schmecken und dauerhaft angenommen werden.“
Seit 2009 gibt es das „Coaching Kita- und Schulverpflegung”, das die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kostenlos anbieten. Daran teilgenommen haben bisher mehr als 1.100 Einrichtungen aus ganz Bayern. Das Angebot hilft ihnen, die Verpflegung Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen dabei eine Speisenplanung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern („Catering-Betrieben”, auch einfach „Caterer” genannt), ein höherer Anteil von in der Region erzeugten Lebensmitteln sowie eine stärkere Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen.