Ein Platzl für Lola Montez

Giesingerin will Fläche an Ecke Zugspitzstraße/St.-Martin-Straße benennen

Der Platz an der Ecke St.-Martin-Straße/Zugspitzstraße gehörte heuer zu den "Sommerstraßen", einen Namen hat er aber offiziell nicht. Kleines Bild: Lola Montez, gemalt von Joseph Karl Stieler. Fotos: privat / gem

Der Platz an der Ecke St.-Martin-Straße/Zugspitzstraße gehörte heuer zu den "Sommerstraßen", einen Namen hat er aber offiziell nicht. Kleines Bild: Lola Montez, gemalt von Joseph Karl Stieler. Fotos: privat / gem

Obergiesing · Ein kleiner lauschiger Platz in Obergiesing hat im Prinzip alles, was ein Platz braucht. Zwei Bänke laden unter einem üppigen Ahornbaum zum Verweilen ein. Es gibt eine Kultur-Litfasssäule, einen Postbriefkasten und eine griechische Taverne. Doch eines fehlt: ein Name.

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Der besagte Platz an der Ecke Zugspitzstraße/St.-Martin-Straße gehört überdies bis Ende September zu den „Sommerstraßen“, zeitweise verkehrsberuhigten Zonen, die die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Vorstellungen beleben dürfen. Die Giesinger Autorin Katharina Schweissguth hat hier im August eine Poesie-Lesung moderiert – und fand es umständlich, die Gäste zur „Kreuzung Herzogstand-, Alpen-, St. Martins- und Zugspitzstraße“ einzuladen. So hat sie nun ein provisorisches Straßenschild aufgehängt. „Lola-Montez-Platzl“ soll der Ort nach ihrem Vorschlag heißen.

Auf die Idee zu diesem Namen kam Schweissguth bereits vorher, beim Schreiben ihres Romans „Der Liebesbriefkasten“, der demnächst in München vorgestellt wird.

Die Geschichte spielt im Umfeld von Lokalpolitik und Kulturszene. Schauplatz ist ein öffentlicher Platz in Giesing. Um etwaige Assoziationen zu lebenden Personen auszuschließen, gab sie ihm einen erfundenen Namen, der plausibel klingen soll: Lola-Montez-Platz.

Für die Namenswahl spricht, dass es immer noch recht wenig Straßennamen in München gibt, die nach Frauen benannt sind. Darüber hinaus war Lola Montez eine Tänzerin, Choreografin, praktizierende Feministin und Autorin, die sich außerdem sozial engagierte. Sie brachte Schwung in das steife kulturelle Leben der bayrischen Hauptstadt, ist in der Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg verewigt – und ihr Geburstag jährte sich heuer zum 200. Mal.

Dass Lola Montez bislang nicht mit einem Straßennamen bedacht worden ist, liegt wohl an ihrem schlechten Ruf. Als Geliebte Ludwigs I. war sie den Adligen zu bürgerlich, den Bürgern zu unmoralisch und den armen Leuten galt sie als Inbegriff adliger Verschwendungssucht.

Dabei hatte eine Frau im 19. Jahrhundert, die sich als darstellende Künstlerin etablieren wollte, kaum eine andere Wahl, als sich einen einflussreichen Mäzen zu suchen. Dass Ähnliches bis heute passiert, hat die //#metoo//-Debatte des 21. Jahrhunderts drastisch gezeigt. Dass eine heutige Würdigung der schönen Münchnerin aus der Giesinger Vorstadt kommt, ist folgerichtig, findet Katharina Schweissguth.

Fanden doch die verschwiegenen Treffen mit ihrem königlichen Liebhaber im Lola-Montez-Haus statt, das in der Menterschwaige liegt, also nicht weit von Giesing. "Heute hat der Name Lola Montez einen positiven charmanten Klang und würde schon deswegen sehr gut zu dem romantischen Platzl in Giesing passen", glaubt Schweissguth.

Für andere Namensideen, steht noch bis 30. September unter dem Schild eine gelbe Einwurfbox. Die Ideen können auch bis zu diesem Datum an die E-Mail-Adresse info@poesiebriefkasten.de geschickt werden. Die möglichen Ergebnisse will Schweissguth Anfang Oktober an den Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten weiterleiten.

Artikel vom 29.09.2021
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