Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden oder Sprachbarrieren: Zwischen München und Kamerun liegen rund 5.000 Kilometer oder zehn Stunden Flug. Doch die Probleme und Herausforderungen, vor denen Auszubildende in dem zentralafrikanischen Land stehen, sind einander manchmal ganz ähnlich.
In Douala, der größten Stadt Kameruns, leitet Philippe Leumbou Ngako das Bildungsprojekt „CODAS Caritas Douala“ („Diözesankomitee für soziale Aktivitäten – Caritas“), eine Partnerorganisation des Hilfswerks Misereor. In dieser Rolle begleitet er Azubis verschiedener Fachrichtungen. Damit beide Seiten sich austauschen und voneinander lernen können, war Ngako, der auf Einladung von Misereor in Deutschland ist, zu Gast im Münchenstift-Haus Allach.
Im Unternehmen unterstützt Sozialpädagoge David Strobel junge Menschen bei ihrer Ausbildung zur Pflegefachhilfe. Diese einjährige Zeit, so erklärte er, sei für viele Menschen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte eine gute Startmöglichkeit in die Pflege. Unter den Azubis bei der Münchenstift kämen 67 Prozent aus Ländern außerhalb der Europäischen Union.
Während zentrale Praxisanleiter, von der Pflege freigestellte Mitarbeitende, die Azubis der Münchenstift in der Praxis unterstützen und die Pflege lehren, sind Strobel und seine Kollegen Lotsen im manchmal schwierigen Alltag in einem fremden Land. Die jungen Auszubildenden müssten sich, neu angekommen in Deutschland, zurechtfinden, ein eigenes Konto eröffnen, Versicherungen abschließen und natürlich eine Wohnung finden. Gleichzeitig sorgten sie sich vielleicht um Freunde und Familie in der Heimat oder müssen Traumata bewältigen.
Strobel erklärte dem Gast auch, welche Möglichkeiten es zum Start in die Pflege gibt, vom FSJ bis hin zur Pflegeausbildung in der Generalistik. „In Deutschland wird jede Pflegekraft gebraucht“, sagte er. Denn die Gesellschaft wird immer älter. Anders ist das in Kamerun, wie Philippe Leumbou Ngako erzählte. Dort ist die Gesellschaft sehr jung, das Durchschnittsalter liegt bei 18 Jahren. In dem Land, in dem 70 Prozent Christen und 24 Prozent Muslime leben, werden neben Englisch und Französisch 230 verschiedene Sprachen gesprochen.
Die Hafenstadt Douala, in der Ngako heute lebt und arbeitet, liegt Westen des Landes. Sie ist mit fünf Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes und zieht Binnenflüchtlinge aus andern Teilen des Landes oder Geflüchtete aus anderen Ländern auf dem Kontinent an. Eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden, ist schwierig, und die Jugendarbeitslosigkeit hoch, berichtete der Gast. Gründe dafür seien hohe Kosten für Bildung und Ausbildung, eine unzureichende Qualität der Ausbildung und soziale Ungleichheit.
Deshalb möchte CODAS Caritas Douala jungen Menschen, viele von ihnen Binnenflüchtlinge, berufliche Perspektiven eröffnen und die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen. Das Projekt finanziert große Teile der Ausbildung, begleitet, berät und vernetzt die jungen Menschen ohne Ansehen von Religion, Geschlecht und Herkunft.
„Hier fängt Zukunft an“ lautet das Leitwort der Fastenaktion 2026 von Misereor. Das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit lädt unter diesem Motto dazu ein, sich gemeinsam mit Menschen in Misereor-Projekten in Kamerun für neue Zukunftsperspektiven und die berufliche Bildung der jungen Generation zu engagieren. Bei der Fastenaktion steht die Arbeit der Misereor-Partnerorganisation CODAS-Caritas Douala im Mittelpunkt.