Umstrittene Straßennamen: das Kolonialviertel in Waldtrudering

Diverse Straßennamen in Waldtrudering erinnern an die blutige deutsche Kolonialgeschichte. An einigen Straßenschildern gibt es Erklärungstafeln. (Foto: bas)
Diverse Straßennamen in Waldtrudering erinnern an die blutige deutsche Kolonialgeschichte. An einigen Straßenschildern gibt es Erklärungstafeln. (Foto: bas)
Diverse Straßennamen in Waldtrudering erinnern an die blutige deutsche Kolonialgeschichte. An einigen Straßenschildern gibt es Erklärungstafeln. (Foto: bas)
Diverse Straßennamen in Waldtrudering erinnern an die blutige deutsche Kolonialgeschichte. An einigen Straßenschildern gibt es Erklärungstafeln. (Foto: bas)
Diverse Straßennamen in Waldtrudering erinnern an die blutige deutsche Kolonialgeschichte. An einigen Straßenschildern gibt es Erklärungstafeln. (Foto: bas)

Von Kameruner Straße über Sansibarstraße bis Samoastraße gibt es in Waldtrudering diverse internationale Straßennamen. Hinter den scheinbar harmlosen Benennungen verbirgt sich jedoch die blutige deutsche Kolonialgeschichte.

Die Straßennamen im sogenannten „Kolonialviertel” südlich der Wasserburger Straße erinnern heute an die Schreckensherrschaft in den Kolonien des deutschen Kaiserreichs. Gleichzeitig fangen die Namen den Zeitgeist der 1920er- und 1930er-Jahre ein, als der deutsche Kolonialismus nostalgisch verklärt wurde. Denn Togostraße, Samoastraße oder Kameruner Straße sind keine Hommage an die heutigen Staaten: Benannt wurden die Straßen 1933, als Togo, Samoa und Kamerun noch längst nicht als unabhängige Länder existierten und das Ende der deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien keine 15 Jahre zurücklag.

1932 war Trudering nach München eingemeindet worden, ein Jahr später kamen die Nationalsozialisten an die Macht und benannten im Osten der Stadt zahlreiche Straßen um - und zwar nicht nur nach Regionen, Städten oder Bergen aus denen im Ersten Weltkrieg verlorenen deutschen Kolonien: Auch sogenannte „verdiente Kolonialpioniere” kamen dabei zu Ehren. Allein der Begriff „Kolonialisierung” sollte Assoziationen wie Unterdrückung und Gewalt auslösen - naheliegend also, dass die Namensgeber aus heutiger Sicht keine Menschenfreunde waren. Zwei Beispiele aus Waldtrudering stehen auf einer Liste von „Straßennamen mit erhöhtem Diskussionsbedarf”, die die Stadt München 2021 veröffentlicht hat. Inzwischen gibt es 49 Einträge.

Namensgeber mit grausamer Historie

So erinnern mitten in der Idylle von Waldtrudering die Von-Erckert-Straße und der Von-Erckert-Platz an Friedrich von Erckert. Er war Hauptmann der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika und beteiligt an der Niederschlagung der Aufstände der Herero und Nama 1904 bis 1908 im heutigen Namibia - einem Krieg, den die Bundesregierung heute als Völkermord bezeichnet. Ebenso ist die Von-Gravenreuth-Straße diskussionswürdig: Namensgeber Karl von Gravenreuth, ein Offizier und Kolonialbeamter, war während seiner Einsätze in Deutsch-Ostafrika und Kamerun für seine harte Vorgehensweise bekannt. Bei seinen sogenannten “Strafexpeditionen” wurden ganze Dörfer niedergebrannt und Einheimische vertrieben.

Straßenschilder mit Erklärungstafeln

Seit dem Jahr 2000 sind in München lediglich sechs Straßen wegen einer schwerwiegenden Belastung des Namensgebers umbenannt worden. Die Hererostraße in Waldtrudering hieß bis 2006 Von-Trotha-Straße. Generalleutnant Lothar von Trotha gilt als Verantwortlicher für den Völkermord an den Herero und Nama, bei dem rund 100.000 Menschen ums Leben kamen - erstaunlich genug, dass dieser Straßenname überhaupt bis ins 21. Jahrhundert Bestand hatte. Zahlreiche andere Menschen, deren sogenannte „Verdienste” in Wirklichkeit brutale Verbrechen waren, durften in München hingegen bis heute „ihre” Straße behalten.

Die kleinen Erklärungstafeln zum Thema „Kolonialgeschichte offenlegen”, die an einigen Straßenschildern in Waldtrudering angebracht worden sind, spiegeln wider, wie seit den 2000er-Jahren im Münchner Stadtrat, aber auch im Stadtteil selbst immer wieder mit der Frage gerungen wird: Wie wollen wir die Erinnerung an Deutschlands koloniale Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft gestalten?

Führung

Das Evangelische Bildungswerk München veranstaltet am Samstag, 26. September, von 14 bis 16 Uhr in Zusammenarbeit mit der Friedenskirche Trudering einen Spaziergang zum Thema „Truderings Kolonialstraßenviertel als Ort der Erinnerung”. Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht - wer auf die Warteliste aufgenommen werden möchte, schreibt eine E-Mail an service@ebw-muenchen.de.

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