Medizin-Nobelpreis geht (auch) nach Martinsried

Die beiden ehemaligen Max-Planck-Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel wurden zusammen mit dem US-Amerikaner Karl Deisseroth für die Entdeckung lichtempfindlicher Ionenkanäle mit dem diesjährigen Nobelpreis in Physiologie / Medizin ausgezeichnet. Das Max-Planck-Institut für Biochemie freut sich sehr, dass die Arbeit von Peter Hegemann, die er am Martinsrieder Institut in den 1980er und 1990er Jahren gemeinsam mit dem im Jahr 2022 verstorbenen Direktor Dieter Oesterhelt geleistet hat, mit dem Nobelpreis gewürdigt wurde. Diese Arbeit ist in ihrer Gesamtheit von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der neurobiologischen Forschung. Sie hat das Feld der Optogenetik bereitet.

Mit Licht untersuchen

Diese Optogenetik untersucht Nervenzell-Netzwerke im Gehirn nicht-invasiv mithilfe von Licht. Sie hat nicht nur die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung revolutioniert, sondern eröffnet auch der Medizin neue Wege.
„Mithilfe von Licht können Forschende heute einzelne neuronale Schaltkreise im Gehirn gezielt ein- oder ausschalten. Sie sind in der Lage, Erinnerungen wachzurufen, Gefühle zu erzeugen, Verhaltensweisen zu steuern und jene Neuronenarten zu untersuchen, die an verschiedenen psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen beteiligt sind”, begründete das Nobelpreiskomitee seine Entscheidung. Die Optogenetik verändere das Verständnis des Gehirns grundlegend.

Depressionen, Angst und Alzheimer besser verstehen

Dank der Optogenetik können Forschende heute genau ermitteln, welche Nervenzellen bestimmte Gehirnfunktionen steuern. So haben sie beispielsweise neuronale Schaltkreise identifiziert, die das Schmerzempfinden, Sozialverhalten, Durst, Nahrungsaufnahme, Belohnungsprozesse und Aufmerksamkeit regulieren.
„Die Hoffnung, dass die durch den Einsatz der Optogenetik gewonnenen Erkenntnisse zu neuen medizinischen Behandlungsansätzen führen, beginnt sich zu erfüllen”, so das Nobelpreis-Komitee. „ Die Methode hat zu einem tieferen Verständnis der spezifischen Merkmale psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen beigetragen – etwa bei Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie, Alzheimer und Parkinson.”
Zudem wurden erste Schritte unternommen, die Optogenetik als medizinische Behandlungsmethode einzusetzen. In laufenden klinischen Studien wird versucht, das Sehvermögen von Menschen wiederherzustellen, die aufgrund einer Retinitis pigmentosa – einer Erkrankung, bei der die Stäbchen und Zapfen im Auge zerstört werden – erblindet sind. Mithilfe einer speziellen Brille, die Licht aussendet, war die Person in der Lage, Gegenstände auf einem Tisch zu erkennen und zu greifen. Es bestehe zudem die Hoffnung, dass die Optogenetik dazu beitragen könnte, Cochlea-Implantate zu verbessern.

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