In ihrer ersten vollständigen Wettkampfsaison sorgen die Eisschwimmer der SG Stadtwerke München für Aufsehen: Weltmeistertitel, ein Weltrekord und zahlreiche Podestplätze zeigen, welches Potenzial in diesem neu gegründeten Team steckt.
Über dem Wasser hängt ein feiner Nebel, der Atem der Athleten wird zu kleinen Wolken in der frostigen Luft. Das Thermometer zeigt Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Wasseroberfläche liegt spiegelglatt – kaum vorstellbar, dass hier gleich ein Schwimmwettkampf stattfinden wird.
Die Schwimmer kommen aus dem Vorstartzelt auf die Plattform. Ein kurzer Blick ins Wasser, dann die Kommandos des Starters. „Take off your clothes!“: Die letzten warmen Schichten fallen. „Get in the water!“: Über eine Leiter steigen die Athleten zügig ins Wasser – ein Sprung wäre bei diesen Temperaturen zu gefährlich. Der Körper reagiert sofort auf den Kälteschock. „Take your marks!“: Stille. Dann das Startsignal. Und plötzlich brodelt das eiskalte Wasser. Willkommen beim Eisschwimmen!
Die eindrucksvollste Geschichte dieses Winters schrieb die Münchner Rettungsschwimmerin Mareike Förster. „Im Sommer erledige ich für die DLRG den Wachdienst am Fasaneriesee und im Winter bin ich dort, um zu trainieren“, erzählt sie. So gelang ihr mit nur wenigen Wettkämpfen der Sprung in die internationale Eisschwimm-Elite.
Der Höhepunkt des Winters war der Winter Swimming World Championship 2026 der International Winter Swimming Association (IWSA) in Oulu, Finnland. Bei -0,2 Grad Celsius Wassertemperatur errang sie bei ihrem erst vierten Eisschwimm-Wettkampf überhaupt den Weltmeistertitel über 200m, 100m und 50m Brust sowie Platz zwei über 200 m Freistil.
Und damit nicht genug: Über 200 m Brust schwamm Mareike Förster mit 2:56,69 Minuten zu einem neuen Weltrekord und lag damit deutlich unter der bisherigen Bestmarke der Polin Aleksandra Bednarek aus dem Jahr 2018 (3:00,53 Minuten).
Auch für Teamkollege Thomas K. Hamann entwickelte sich das Eisschwimmen zu einer neuen sportlichen Herausforderung. Beim Deutschland-Ice-Cup belegte er Platz zwei in der offenen Gesamtwertung – knapp hinter DSV-Kaderschwimmer Kilian Graef (SC Regensburg).
Eisschwimmen wird häufig mit dem derzeit populären Eisbaden verwechselt. Doch der Unterschied ist grundlegend. Während beim Eisbaden das passive Verweilen im kalten Wasser im Mittelpunkt steht, ist Eisschwimmen ein leistungsorientierter Wettkampfsport mit klar definierten Distanzen, Zeitmessung und internationalen Ranglisten – meist bei Wassertemperaturen von fünf Grad Celsius oder weniger.
Der Körper reagiert auf diese Bedingungen sofort: Atmung, Puls und Muskulatur verändern sich innerhalb weniger Sekunden. Wer hier erfolgreich sein will, braucht neben körperlicher Fitness vor allem mentale Stärke und Erfahrung im Umgang mit Kälte.
Nach dieser ersten vollständigen Wettkampfsaison steht fest: Die Eisschwimmer der SG Stadtwerke München können national und international mithalten. Und die Reise hat gerade erst begonnen. Das nächste große Ziel steht bereits fest: die IISA World Championships 2027 in Oradea, Rumänien.
Rund um die Trainingsgruppe, die sich regelmäßig an den Münchner Seen zur Akklimatisierung im kalten Wasser trifft, wächst inzwischen das Interesse an dieser besonderen Form des Schwimmsports. Die Einstiegshürde ist dabei niedriger, als viele glauben. Bis Ostern trifft sich die Gruppe weiterhin regelmäßig zum gemeinsamen Training im Freiwasser. Wer neugierig ist, kann einfach vorbeikommen. Vielleicht beginnt alles mit einem vorsichtigen Schritt ins kalte Wasser. Ein kurzer Atemzug. Und der Erkenntnis, dass man zu mehr fähig ist, als man vorher dachte. Denn Eisschwimmen beginnt im Kopf. Und wächst – Schritt für Schritt – im Team.
Infos findet man über Instagram unter munich_ice_swimmers.
„Das Schwimmen selbst war super. Nach zwanzig Minuten in der Sauna hatte das Zittern aufgehört”, sagte Thomas K. Hamann sagte nach seinem ersten 1.000-Meter-Rennen.