Am Sonntag, 15. März, findet wieder die Freiwilligenmesse statt - wieder im Neuen und Alten Rathaus am Marienplatz. Seit 20 Jahren ist die größte Plattform in München, die eine bunte Vielfalt an Engagement-Möglichkeiten zeigt. Hier erzählt Schulweghelfer Hermann Egbringhoff von seinem Engagement:
Was genau machen Sie in Ihrem freiwilligen Engagement? Was ist Ihre Aufgabe?
Hermann Egbringhoff: Ich bin als Schulweghelfer an der Grundschule an der Fürstenrieder Straße an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen, direkt an der Baustelle zur Tram-Westtangente, tätig. Meine Aufgabe ist es, Fußgängern und Radfahrern – vor allem aber natürlich Kindern – eine sichere Überquerung der Fahrbahn zu ermöglichen.
Was motiviert Sie, sich zu engagieren?
Hermann Egbringhoff: Das egoistische und rücksichtlose Verhalten von vielen erwachsenen Verkehrsteilnehmern. Ich musste meiner sechsjährigen Enkelin, die in Rotterdam wohnt, erklären, dass im Straßenverkehr hier oftmals das Recht des Stärkeren gilt und sie als schwächste Verkehrsteilnehmerin nicht unbedingt mit Rücksichtnahme von vielen Autofahrern, Radlern, Scooter-Fahrern und erwachsenen Fußgängern rechnen kann.
Was ist Ihr persönlicher, beruflicher Hintergrund?
Hermann Egbringhoff: Vor meinem Leben als Rentner habe ich Biologie / Biochemie studiert und war zuletzt als Leiter der Qualitätssicherung in einem Unternehmen der Lebensmittelbranche tätig.
Gab es ein besonderes Erlebnis, das Sie schildern möchten? Hat Sie ein Erlebnis besonders gefreut oder geprägt?
Hermann Egbringhoff: Es sind die banalen alltäglichen Dinge, die erfreuen: ein freundlicher Gruß von Eltern, Kinder berichten über ihren Geburtstag, ihren Wackelzahn, ihre Schulnoten, was die Überraschung im Adventskalender war und so weiter. Und nicht zuletzt ist es die Dankbarkeit der Kinder und auch von älteren Menschen.
Was möchten Sie als Botschaft weitergeben?
Hermann Egbringhoff: Ich möchte Vorbild sein. Wir Erwachsenen prägen das Verhalten von Kindern – ein respektvolles und regelkonformes Verhalten, das wir vorleben, wirkt nachhaltig. Außerdem möchte ich weitergeben, dass Rücksichtnahme – also langsamer fahren, an Übergangen anhalten und Ablenkung vermeiden – selbstverständlich sein sollte. Kleine Gesten haben oft eine große Wirkung. Und dabei rechtfertigt auch Zeitdruck kein Risiko. Ein paar Sekunden Geduld sollte jeder für andere Verkehrsteilnehmer übrighaben. Insgesamt bin ich überzeugt, dass Zusammenhalt die Gesellschaft stärkt. Wenn wir auf die Schwächsten achten, profitieren alle. Also kurz gesagt: Achtsamkeit, Toleranz und Rücksichtnahme im Alltag
Was haben Sie durch das freiwillige Engagement gelernt?
Hermann Egbringhoff: In den letzten Jahren als Schulweghelfer habe ich vieles gelernt – sowohl fachlich und persönlich als auch sozial: Ich habe zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein gelernt. Denn man übernimmt als Schulweghelfer aktiv Verantwortung für die Sicherheit von Kindern. Daneben habe ich auch Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gelernt; mein Blick für Gefahren im Straßenverkehr wurde geschärft. Gerade im morgendlichen Berufsverkehr lernt man als Schulweghelfer auch, ruhig und besonnen zu bleiben.
Und natürlich lernt man auch viel über Kommunikation: Wir müssen als Schulweghelfer klare Zeichen geben, freundlich, aber bestimmt auftreten und mit Kindern, Eltern, Radfahrern sowie Autofahrern gleichermaßen wertschätzend umgehen. In manchen Situationen ist auch Zivilcourage erforderlich. Wir müssen für Regeln und Sicherheit einstehen, auch wenn es unbequem ist. In der Zusammenarbeit mit anderen Schulweghelfern, Schulen und Behörden entwickelt sich außerdem auch die eigene Teamfähigkeit weiter, ebenso wie die Empathie beziehungsweise das Verständnis für die Bedürfnisse und Ängste von Kindern.
Über all dem steht aber vor allem das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, sich gesellschaftlich zu engagieren.