Am Sonntag, 15. März, findet wieder die Freiwilligenmesse statt - wieder im Neuen und Alten Rathaus am Marienplatz. Seit 20 Jahren ist die größte Plattform in München, die eine bunte Vielfalt an Engagement-Möglichkeiten zeigt. Hier erzählt Julian Ovidiu (Offenen Behindertenarbeit) von seinem Engagement:
Was genau machen Sie in Ihrem freiwilligen Engagement? Was ist Ihre Aufgabe?
Julian Ovidiu: Ich arbeite als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Café und als DJ in der Offenen Behindertenarbeit und im Kult9. Hinter der Theke verkaufe ich Getränke und bin an der Kasse. Aber vor allem unterstütze ich Ehrenamtliche mit Lernschwierigkeiten, die die Aufgaben noch nicht so gut können oder Probleme bei ihren Tätigkeiten haben.
Als DJ bin ich in der Disco tätig. Hier veranstalten wir Partys mit verschiedenen DJs, die ihre Musik auflegen. Dafür muss man die Technik der Musikanlage kennen und den Geschmack der Besucher treffen.
Was motiviert Sie, sich zu engagieren?
Julian Ovidiu: Ich möchte Menschen helfen und arbeite gerne mit unterschiedlichen Menschen zusammen. Mir macht es Spaß zu verstehen, warum Menschen so sind, wie sie sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Menschen mit Behinderung in der OBA und dem Kult9 viel „normaler“ sind als die Menschen „draußen“. Hier geht es nämlich nicht nur darum, wieviel Geld jemand hat und ob das Aussehen der Norm entspricht. Hier zählen die inneren Werte und das gefällt mir sehr. Ich empfinde die Menschen hier als ein Feuerwerk, das bunt explodiert.
Was ist Ihr persönlicher, beruflicher Hintergrund?
Julian Ovidiu: Ich bin 46 Jahre alt, komme aus Rumänien und bin in einem Kinderheim aufgewachsen. Dort wurde ich nicht gefördert und unterstützt. Ich habe eine körperliche Beeinträchtigung, die mir das Leben in diesem Heim noch schwerer gemacht hat, da ich mich z.B. nicht selbst waschen kann. Mit 18 Jahren bin ich in eine eigene Wohnung gezogen und haben angefangen mit dem Journalismusstudium. Einige Jahre später gab es einen Schüleraustausch mit Deutschland, ich bin geblieben und habe weiterhin meine Prüfungen in Rumänien abgelegt. Hier wohne ich allein und arbeite als Fotograf.
Gab es ein besonderes Erlebnis, das Sie schildern möchten? Hat Sie ein Erlebnis besonders gefreut oder geprägt?
Julian Ovidiu: Als DJ im Kult9 finde ich es großartig, wenn andere meine Musik gut finden und anfangen zu tanzen. Wir legen unterschiedliche Musikstile (ich mag eher so die moderne Sachen) auf und dann tanzen alle und haben Spaß. Das finde ich super!
Was möchten Sie als Botschaft weitergeben?
Julian Ovidiu: Es ist egal, ob jemand eine Behinderung hat, welche sexuelle Orientierung oder welche Nationalität er hat. Traut euch, allen Menschen eine Chance zu geben. Und bewertet nicht die Sachen, die derjenige nicht kann, sondern seht die Sachen, die dieser Mensch kann.
Was haben Sie durch das freiwillige Engagement gelernt?
Julian Ovidiu: Geduld. Eigentlich bin ich ein ungeduldiger Mensch. Aber dadurch, dass im Kult9 manche Ehrenamtlichen mit Behinderung unterschiedliche Sachen nicht können oder länger brauchen, habe ich gelernt geduldig zu werden. Ich habe zuerst viele Aussagen und Handlungen anderer Menschen in der OBA und im Kult9 als Provokation gesehen – das ist jetzt anders und diese Entwicklung hat mir sehr gut getan.