Veröffentlicht am 06.09.2026 10:21

Insolvenzverfahren: 1860-KGaA wird abgewickelt

Gescheiterte Beziehung: Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (mitte).  (Foto: Anne Wild)
Gescheiterte Beziehung: Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (mitte). (Foto: Anne Wild)
Gescheiterte Beziehung: Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (mitte). (Foto: Anne Wild)
Gescheiterte Beziehung: Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (mitte). (Foto: Anne Wild)
Gescheiterte Beziehung: Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (mitte). (Foto: Anne Wild)

Das Ende der im Jahr 2002 gegründeten TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA, der Profifußball-Gesellschaft, an der Hasan Ismaik mit seinem Beteiligungsunternehmen HAM International 60 Prozent der Anteile hält, sowie der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH ist besiegelt. Mit einem Beschluss des Amtsgerichts München wurde am 1. September 2026 das Insolvenzverfahren über die Gesellschaften eröffnet. Zum Insolvenzverwalter bestimmte das Gericht Dr. Max Liebig, der bereits im Insolvenzantragsverfahren als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig war.

Dies geht aus einer Pressemitteilung von Liebig vom Dienstag dieser Woche hervor. Die Gläubiger der KGaA – darunter Tausende Käufer von Dauerkarten für die nicht stattgefundene Drittligaspielzeit 2026/2027 – werden in Kürze Post erhalten und können ihre finanziellen Forderungen anmelden. Eine Gläubigerversammlung, wie sie bei Unternehmensinsolvenzen üblich ist, kündigte der Verwalter für den 1. Dezember dieses Jahres in der Kleinen Olympiahalle an.

Als erste Maßnahme nach der Verfahrenseröffnung setzte das Gericht einen vorläufigen Gläubigerausschuss ein. Dieser stimmte einem Angebot der neuen Spielbetriebs-GmbH sowie des Muttervereins zu, verschiedene Vermögenswerte aus dem Bestand der insolventen KGaA zu erwerben. Darunter die Rechte an verschiedenen, beim Deutschen Patent- und Markenamt registrierten Marken des TSV 1860 München, wie etwa dem berühmten Löwen-Wappen, die an den TSV München von 1860 e. V. gingen. Wesentliche Betriebs- und Arbeitsmittel der KGaA kaufte die neue 1860-Spielbetriebs-GmbH, die zu 100 Prozent dem Mutterverein gehört und das Spielrecht für die Regionalliga Bayern besitzt. Damit verbunden ist die Übernahme einzelner Beschäftigter, wie etwa Spieler, die noch bei der KGaA unter Vertrag standen.

„Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart“, heißt es in der Erklärung Liebigs. Weiter führt der Insolvenzverwalter aus: „Wir freuen uns, nach langen und umfangreichen Verhandlungen eine Einigung erzielt zu haben. Vor dem Hintergrund der bekannten, sehr herausfordernden Ausgangslage im Verfahren ist dies für alle Beteiligten ein bedeutender Erfolg.“ Während des gesamten Insolvenzantragsverfahrens seien intensive Gespräche mit mehreren Interessenten an der KGaA geführt worden, „wobei sich am Ende nur eine Lösungsmöglichkeit als umsetzbar erwiesen hat.“ Diese sei das nunmehr angenommene, verbindliche Angebot des Muttervereins und der neuen Spielbetriebs-GmbH gewesen.

„Wir sind dankbar für ein reges Interesse am Investorenprozess und viele sehr ernsthafte Gespräche, aus denen wir letztlich die Überzeugung gewinnen konnten, dass der nun gewählte Weg für die Gläubiger der KGaA das beste Ergebnis darstellt“, führt Liebig aus. Abschließend zu regeln seien noch offene Punkte bezüglich der Nutzung des Trainingsgeländes an der Grünwalder Straße 114. „Das macht die Einbindung Dritter notwendig, weswegen wir hier noch keine endgültige Lösung verkünden können.“ Damit dürfte die Stadt München gemeint sein, der das Gelände in Untergiesing-Harlaching gehört.

In einer eigenen Erklärung teilen der TSV München von 1860 e. V. und die TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH mit: „Der Löwe ist zurückgekehrt!“ Bis zur vollständigen Lösung aller Rechtsverhältnisse könne die kommerzielle Nutzung der 1860-Marken allerdings noch eingeschränkt sein. Abschließend stellt der Insolvenzverwalter fest: „Mit der erfolgreichen Übertragung des operativen Geschäftsbetriebs wird sich die weitere Verfahrensbearbeitung auf die Abwicklung der KGaA konzentrieren.“

Außer sich vor Wut über den Verlauf der Ereignisse ist Anteilseigner Hasan Ismaik. Er erhebt in verschiedenen Medien schwere Vorwürfe. „Meiner Ansicht nach wurde die Insolvenz von den Verantwortlichen von 1860 pflichtwidrig herbeigeführt“, behauptet der jordanische Unternehmer gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Dies sei „die Fortsetzung einer langjährigen und sorgfältig geplanten Strategie, die meinen Interessen geschadet hat und die, meiner Ansicht nach, Verstöße gegen das Gesellschaftsrecht beinhaltet.“ Ismaik ist überzeugt, es handele sich dabei um ein „sittenwidriges Vorgehen“ und stellt fest: „All diese Ungerechtigkeiten werden nicht unbeantwortet bleiben.“ Er droht: „Jeder, der daran beteiligt war, wird zivilrechtlich und strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden.“

In den Medien macht der Investor in einem Rundumschlag neben dem Insolvenzverwalter die neun Mitglieder des Verwaltungsrats des TSV München von 1860 e. V., Löwen-Präsident Gernot Mang und dessen drei Vizepräsidenten, außerdem KGaA-Aufsichtsrat Herbert Bergmaier und den KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula persönlich für die Entwicklung verantwortlich. Sollte Ismaik mit seinem Beteiligungsunternehmen HAM International Klage erheben, müsste ein Gericht klären, ob ein Anspruch auf Schadenersatz besteht. Sachverständige räumen ihm dabei nur geringe Chancen ein. Schließlich war er es selbst, der die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA durch seine Entscheidung, laufende Darlehen zu kündigen, in die Zahlungsunfähigkeit rutschen ließ. (as)

Quellen:
Mitteilung des TSV München von 1860 e. V.
Mitteilung der Kanzlei Liebig Insolvenzverwaltung Restrukturierung

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