Übergepäck wegen Spenden

Freundschaft zwischen Unterschleißheim und Ghana wird intensiver

Selbst anpacken lautet die Devise bei den Spendenaktionen für Ghana. Petra Halbig von »Friends without borders« e.V. organisiert und kontrolliert die Spenden.	Foto: privat

Selbst anpacken lautet die Devise bei den Spendenaktionen für Ghana. Petra Halbig von »Friends without borders« e.V. organisiert und kontrolliert die Spenden. Foto: privat

Unterschleißheim/Mafi Dadoboe · »Entwicklung benötigt kein Geld!« Unter diesem Motto ist es »friends without borders e.V.« ein großes Anliegen, bei bestimmten Themen eine allmähliche Verhaltensänderung herbeizuführen.

Das geschieht immer dann, wenn sich die ghanaische Dorfgemeinschaft von Mafi Dadoboe versammelt und diskutiert. Hier versucht Petra Halbig, die Bewohner dazu zu animieren, bestimmte Verhalten zu ändern, herkömmliche Abläufe zu überdenken. Ihrer Meinung nach beginnt Entwicklung und Veränderung im Kopf und jeder einzelne könne eine Veränderung machen. 

Wie kann eine Unterschleißheimerin afrikanischem Dorf helfen?

Halbig versucht, die Menschen mit Ideen, Anregungen und Beispielen zu motivieren, kleine Dinge in ihrem Alltagsleben zu ändern und eine positive Wirkung für ihre Situation herbeizuführen. Laut Halbig sollen den Menschen lediglich Ideen gegeben werden, die sie umsetzen können: aber nicht müssen. Sie sollen selbst entscheiden, was das Beste für jeden einzelnen ist, wie viel und wie die Anregungen umgesetzt werden.

Das Schwierigste an dieser Arbeit ist, so sagt sie, sich als Deutscher auf die dortigen Standards, die Kultur und Traditionen einzulassen und oftmals nur in ganz kleinen, einfachen Schritten zu denken. »Dazu benötigt man Erfahrung, viel Geduld und Toleranz«, äußert sie sich. »Entwicklung in die ghanaischen Dörfer zu bringen, hat eben nicht notwendigerweise etwas mit Geld, mit baulichen Strukturen oder Sachspenden zu tun. Oft gehen beide Hand in Hand oder ergänzen sich. Aber das Wichtigste sind die Menschen, denen man Alternativen anbietet und die allmählich neue Wege wagen.« Gerade deshalb sei ihrem Verein die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sehr wichtig. Sie ist aber stets realistisch: »Hoffen wir, dass zumindest einige Familien Vorteile aus der Zusammenarbeit mit unserem Verein ziehen können. Dann haben wir unser Ziel erreicht: Die Lebenssituation in Ghana zu verbessern.«

Lehrmaterial und Fußballausrüstung

Jüngst reiste Halbig nach Ghana, um den nächsten Schritt bei der Renovierung des Kindergartens in Mafi Dadoboe zu verfolgen. In dieser Zeit wurden Fensterläden und Türen angebracht. Damit ist die lange Zeit zu Ende, in der die Kinder in Räumen Unterricht hatten, die weder durch Fensterläden noch Türen geschützt waren. »friends without borders e.V.« finanzierte das Material. Für die Herstellung der Fensterläden und Türen wurde Holz in der ca. 70 Kilometer entfernten Regionshauptstadt Ho gekauft und dort auf die benötigte Größe zugeschnitten. Zwei Schreiner aus dem Dorf stellten aus den Holzlatten selber Fensterläden und Türen her, die jeweils individuell auf die Rahmengrößen angepasst waren.

Das Gebäude wirkt nun von außen schöner und die Türen ermöglichen, dass die aus Unterschleißheim gespendeten Spielsachen für den Kindergarten dort auch geschützt und sicher gelagert werden können. Vorbei ist auch die Zeit, in der die Kinder beim täglichen Unterricht Sonne, Wind, Sand und Regen ausgesetzt waren. Die Kids sind laut Halbig glücklich und freuen sich schon auf den nächsten Schritt: Farbe an den Wänden.

Die Schulen in Mafi Dadoboe und Mafi Wute erhielten auch neuartige Lehrmaterialen: englischsprachige Bücher und Zeitschriften mit Audio-CDs. Die Kombination von Text und Audio-CD war neu, sowohl für die Schüler als auch die Lehrer. Was für uns normal ist, ist eine Neuheit für die Ghanaer.

Die Fußballabteilung des SV Lohhof hat erneut gespendet: T-Shirts, Hosen, Socken und Torhüterausrüstungen.

Übergepäck wegen Spenden

Ein Anlass für Petra Halbig, bei ihrer jüngsten Reise Übergepäck zu buchen. Mit dem Material konnten jeweils drei Schulmannschaften aus den ghanaischen Ortschaften ausgerüstet werden. Die Schüler waren stolz auf das neue Outfit, weil sie so beim nächsten Turnier gegen andere Schulmannschaften in einem einheitlichen Dress auflaufen können.

Die Briefe, die die Schüler der Mittelschule Unterschleißheim an die Kinder in Mafi Dadoboe und Wute geschrieben haben, begeisterten die Lehrer. Die Kinder waren überaus gespannt, was die deutschen Schüler geschrieben haben. Die Antworten aus Mafi Dadoboe inklusive Bildern der Verfasser sind schon in Unterschleißheim - die aus dem Nachbardorf Wute wurden nun mit der Post nach Deutschland geschickt. Die Aktion dient vor allem dem besseren Verständnis der jeweils anderen Kultur. Gerade die junge Generation soll die Lebenssituation des anderen Landes kennenlernen und mit den Briefen das Wissen über das andere Land erweitern.

Trikots, Briefe und eine Kochstelle

Der Bauplan für eine von einem deutschen Ingenieur entworfene Kochstelle aus Lehm wurde ebenfalls nach Ghana gebracht. Gekocht wird in den ländlichen Gebieten Ghanas am offenen Feuer. Diese ist wegen der starken Rauchentwicklung sehr gesundheitsschädlich und der Holzverbrauch dabei sehr hoch, was einen hohen Zeitaufwand zum Sammeln des Feuerholzes bedeutet. Mit Hilfe eines jungen Schülers, der geschickt im Umgang mit Ton ist, konnten die Bewohner sehen, dass die neue Kochstelle weitaus weniger Holz verbraucht und aufgrund der eingebauten Kamine kaum Rauch entsteht. Vor allem aber hat sie die viel kürzere Kochzeit überzeugt. Nun soll dieser Prototyp nachgebaut werden, so dass diese Neuerung bei vielen Familien Einzug findet.

Nähere Infos über den Verein und seine Projekte sind auf www.friends-without-borders.de abrufbar.

Artikel vom 09.09.2018
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