„Die wievielte Ausstellung das genau ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Ich habe aber viele meiner Ausstellungen dokumentiert”, sagt Frau Schweer lächelnd und reicht ein dicht bedrucktes DIN A 4 Blatt über den Tisch, auf dem Daten von 1982 an bis 2014 stehen. Bis nach Morges, in der französischen Schweiz, sind einige ihrer Bilder gereist und auch verkauft worden. Am Samstag, 14. März, wird Frau Schweer, die in der Seniorenresidenz Westendstraße lebt, nicht so weit reisen müssen. Die Vernissage findet in ihrer „alten Heimat” Neuhausen statt, im Seniorentreff in der Leonrodstraße 14 b. Die ehemalige Neuhauser Bezirksausschussvorsitende Ingeborg Staudenmeyer wird die Ausstellung um 15 Uhr mit einer Laudatio eröffnen, und für den passenden musikalischen Rahmen sorgt das Salonorchester „Horst Jandl”.
Zu sehen ist ein Querschnitt von Marieluise Schweers Lebenswerk: Darunter naive Bilder aus ihrer Anfangsphase, perspektivische Acrylbilder mit den verschiedensten Motiven – von idyllischen Szenen bis hin zu technischen Apparaturen. Außerdem leuchtende Farbverlaufbilder, die sie mit einer besonderen Tuschtechnik herstellt, abstrakte Werke, die nur mittels Vierkantholz und Acrylfarben entstehen, sowie stilistische Blumenbilder, die erst im letzten halben Jahr entstanden sind.
Wenn Marieluise Schweer mit viel Humor über ihr bewegtes Leben spricht, nimmt man ihr kaum ab, dass sie Jahrgang 1920 ist und heuer ihren 95.Geburtstag gefeiert hat. Kurz nach Ende des Kriegs war sie als junge Mutter auf sich allein gestellt und aus dieser Notlage heraus entwickelte Frau Schweer eine Geschäftsidee, mit der sie sich und ihre zwei erstgeborenen Töchter durchbrachte und zugleich den Grundstein für ihre künstlerische Karriere setzte: Sie zeichnete im „Germanischem Museum Nürnberg” alte Muster, wie sie zum Beispiel auf Bauernmöbel zu finden sind, ab, ließ sich aus Holzbrettern von einem Schreiner Teller, Schalen und Eierbecher drechseln, bemalte diese, brachte sie zu einem Kunstgewerbegeschäft, wo sie dann als Geschenke verkauft wurden.
„Eigentlich hatte ich ja Kindergärtnerin werden wollen, aber dann habe ich als Stenotypistin angefangen”, berichtet Frau Schweer weiter. Viele Jahre hat die dreifache Mutter in München bei Mercedes Benz als Disponentin gearbeitet. „In dieser Zeit war ich voll mit Beruf und Familie ausgelastet”, erzählt die alte Dame, die sich auch noch als Mitglied des Betriebsrates und im Moosacher Bezirksausschuss engagiert hat. Zeit zum Malen blieb da nicht, aber, wie sie versichert, hat es ihr auch nicht gefehlt. „Die Dinge im Leben habe ich nie gesucht, sie sind auf mich zugekommen”, sagt sie und strahlt große Zufriedenheit aus.
Direkt nach dem Ausscheiden aus dem Beruf hat Frau Schweer, inspiriert durch naive Bilder, die sie in der „Sammlung Holzinger” am Hofgarten entdeckte, wieder mit dem Malen angefangen. Die Motive für ihre Bilder, die sie am Küchentisch mit Aquarellfarben malte, fand sie schon damals immer von selbst. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Ab 1982 wurden ihre Bilder regelmäßig ausgestellt und fanden Käufer. „Ich habe nie nachgemalt, sondern immer aus meinen eigenen Ideen geschöpft”, so Schweer. „Mein eigener Wille ist mir wichtig und ich wollte auch nie so sein wie alle anderen.” In ihrer weiteren künstlerischen Entwicklung begann sie sich von der naiven Malerei zu lösen, malte perspektivisch und landete über das Experimentieren mit Deckfarben letztendlich bei der Acrylmalerei. Aber auch mit Tuschen arbeitet sie, und diese leuchtenden Farbflächen stellt sie mit einer eigens entwickelten Technik her.
„Da ist mir nichts eingefallen, was ich malen könnte. Also habe ich einfach meine Handtasche umgestülpt”, kommentiert Frau Schwer schmunzelnd einen Druck in ihrer dicken Mappe, in der sie unzählige Kopien ihrer so unterschiedlichen Werke aufbewahrt. Die Malerei ist längst nicht die einzige Kunst, die Frau Schweer ausübt. Sie hat, neben ihrer Lebenschronik, auch eine Vielzahl von Gedichten verfasst. Darunter sogar eines an „James”, ihren Rollator, von dem es in der Ausstellung auch ein Bild zu sehen geben wird. Für die lebhafte Frau, die außerdem auch noch Beiträge für die Hauszeitung schreibt und sich im Bewohnerbeirat der Seniorenresidenz Westendstraße engagiert, ist Langeweile ein Fremdwort. Und am Ende des Interviews entpuppt sie sich auch noch als Philosophin: „Auf manche Dinge im Leben gibt es keine Antwort”, sagt sie lächelnd und zieht genüsslich an ihrer Zigarettenspitze.