In Bayern erlebt gerade ein regionaler Brauch in den Gegenden um Landshut, Mühldorf, Ebersberg und darüber hinaus eine Renaissance: das Pfingstrosensammeln. „Er gehört zu den Bräuchen, die offenbar schon fast ausgestorben waren, nun aber neu erblühen und sich auch durch mediale Aufmerksamkeit weiter verbreiten”, sagt Dr. Daniela Sandner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege.
Das Pfingstrosensammeln in Bayern diente ursprünglich dazu, junge unverheiratete Menschen im Dorf miteinander in Kontakt zu bringen und Begegnungen zu ermöglichen. Heute ziehen wieder Gruppen junger Frauen an Pfingsten, häufig im Dirndl,von Haus zu Haus oder von Station zu Station. Dort werden sie von jungen Männern empfangen, die ihnen Pfingstrosen überreichen und gemeinsame Feiern mit Musik und kleinen Brotzeiten organisieren.
Historisch gesehen steht der Brauch im Zeichen der sozialen „Verkuppelung”. Pfingsten bot in ländlichen Räumen einen Anlass, Kontakte zwischen Ledigen zu ermöglichen und potenzielle Paare zusammenzubringen, vergleichbar mit einer frühen Form der Partnersuche im Dorfgefüge. „Heute hat sich die Bedeutung verändert. Im Vordergrund stehen nicht mehr Partnersuche oder feste Paarbeziehungen, sondern Gemeinschaft und lockere Geselligkeit”, sagt Daniela Sandner.
Die Pfingstrose blieb dabei als Symbol für Liebe und Zuneigung und den Frühling im Allgemeinen erhalten. Die genauen Ursprünge des Pfingstrosensammelns in Bayern sind nicht eindeutig überliefert. Ältere Menschen in den Dörfern erinnern sich aber häufig noch lebhaft daran.