Neue Ehre: Bayerns „liebenswürdigster Schwarzbau” kommt in Denkmalliste

Ein Idyll mitten in der geschäftigen Großstadt: Väterchen Timofejs Häuschen und Garten – aus Kriegsschutt und ohne Genehmigung errichtet – sind nun in die Liste der Bayerischen Baudenkmäler aufgenommen worden.  (Foto: Christina Greifenstein, Ost-West-Friedensgarten)
Ein Idyll mitten in der geschäftigen Großstadt: Väterchen Timofejs Häuschen und Garten – aus Kriegsschutt und ohne Genehmigung errichtet – sind nun in die Liste der Bayerischen Baudenkmäler aufgenommen worden. (Foto: Christina Greifenstein, Ost-West-Friedensgarten)
Ein Idyll mitten in der geschäftigen Großstadt: Väterchen Timofejs Häuschen und Garten – aus Kriegsschutt und ohne Genehmigung errichtet – sind nun in die Liste der Bayerischen Baudenkmäler aufgenommen worden. (Foto: Christina Greifenstein, Ost-West-Friedensgarten)
Ein Idyll mitten in der geschäftigen Großstadt: Väterchen Timofejs Häuschen und Garten – aus Kriegsschutt und ohne Genehmigung errichtet – sind nun in die Liste der Bayerischen Baudenkmäler aufgenommen worden. (Foto: Christina Greifenstein, Ost-West-Friedensgarten)
Ein Idyll mitten in der geschäftigen Großstadt: Väterchen Timofejs Häuschen und Garten – aus Kriegsschutt und ohne Genehmigung errichtet – sind nun in die Liste der Bayerischen Baudenkmäler aufgenommen worden. (Foto: Christina Greifenstein, Ost-West-Friedensgarten)

Als Kind war sie mit ihren Eltern öfter dort. Väterchen Timofej, damals bereits ein alter Mann, war im Garten, lächelte und ließ jeden, der es wollte, seine selbst gebaute Kirche besuchen. „Voller Ikonen war das Timofej-Kirchlein im Olympiapark”, sagt Tanja Beetz aus dem Münchner Norden. Ein besonderes Kleinod mit silbern glänzender Decke und Teppichen am Boden. 2023 ist der Anfang der 1950er-Jahre errichtete Sakralbau abgebrannt. Timofej Prochorow, der nach einer Marienerscheinung aus Russland gefüchtet war, hatte ihn zusammen mit einem Wohnhäuschen, Nebengebäuden und einer Kapelle auf dem damaligen Schuttberg an Oberwiesenfeld errichtet. Die Einsiedelei daneben, wie das Kirchlein aus Kriegsschutt errichtet, steht noch. Das ganze Ensemble wurde später „legalisiert” und beim Bau des Olympiageländes mussten seinetwegen sogar die Reitanlagen in den Osten der Stadt verlegt werden.

Zeugnis von Flucht, Vertreibung und Wohnungsnot

Väterchen Timofejs „Ost-West-Friedenskirche”, sein Wohnhäuschen, der Garten und die Nebengeäude gelten heute als Zeugen von Flucht und Vertreibung und der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg. Neben der 2014 nachträglich erteilten Baugenehmigung wird dem Eremiten, der bis zu seinem Tod 2004 mit seiner Frau Natascha auf dem Gelände gelebt hat, nun eine weitere posthume Ehre zuteil: Kürzlich wurde nämlich die ganze Einsiedelei am Spiridon-Louis-Ring in die Liste der Bayerischen Baudenkmäler aufgenommen. Vor Ort waren neben Oberbürgermeister Dominik Krause auch Altbürgermeister Christian Ude und der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Professor Mathias Pfeil. Auch Elena Keck, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ost-West-Friedensgarten, war dabei.
Mathias Pfeil verglich das „Ost-West-Friedensgarten” genannte Gelände – in Anspielung auf den bekannten Comic – mit einem „gallischen Dorf im Herzen unserer Landeshauptstadt“. Eine vergleichbare erhaltene Anlage aus der von Wohnungsnot geprägten Nachkriegszeit gebe es in Bayern nicht. Christian Ude sprach von einem „wunderbaren Happy End“ für Münchens „liebenswürdigsten Schwarzbau“.

Münchens kulturelles Erbe ist vielfältig

Was das bei dem Brand völlig zerstörte Kirchlein betrifft, setzt sich der Verein „Ost-West-Friedensgarten” für eine möglichst originalgetreue Wiederherstellung ein. Oberbürgermeister Dominik Krause betont: „Die Einsiedelei von Väterchen Timofej ist ein Kleinod, das in München einzigartig ist. An diesem besonderen Ort verbinden sich Geschichte, Spiritualität und bürgerschaftliches Engagement. Mit der Eintragung als Baudenkmal würdigen wir nicht nur die architektonische und historische Bedeutung dieses Ortes, sondern auch die Menschen, die ihn über viele Jahre mit großem Einsatz bewahrt haben und die sich nach dem verheerenden Brand weiterhin für seinen Erhalt und eine mögliche Wiederherstellung einsetzen. Es ist wichtig, dass solche besonderen Zeugnisse der Stadtgeschichte erhalten bleiben und auch kommenden Generationen zugänglich sind. Die Einsiedelei erinnert uns daran, wie vielfältig und lebendig das kulturelle Erbe Münchens ist. Es war ein langer Weg vom Schwarzbau zum Baudenkmal, aber er zeigt, dass Wille manchmal Berge versetzen kann.”

Besuch möglich

Das von Timofej Prochorow errichtete Gelände befindet sich am Spiridon-Louis-Ring 100 und kann zu folgenden Zeiten besichtigt werden:
Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag sowie während des Tollwood Sommer-Festivals (Juni) täglich.
Unter der Adresse www.ost-west-friedenskirche.de/ erfährt man mehr über den Bau und seinen Erbauer und findet eine Möglichkeit für die Wiedererrichtung des abgebrannten Kirchleins zu spenden.

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