Anlässlich des 25. Todestages von Habil Kılıç hat am Samstag eine stille Kranzniederlegung an der Gedenktafel in der Bad-Schachner-Straße 15 stattgefunden. Bürgermeisterin Mona Fuchs hat so an das vierte Opfer der NSU-Mordserie erinnert.
Habil Kılıç wurde im Jahr 2001 in seinem Obst- und Gemüseladen in Ramersdorf von Terroristen des rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ ermordet. Er wurde 38 Jahre alt und war Vater von drei Kindern.
Habil Kılıç ist das vierte von insgesamt zehn Opfern des NSU-Terrors, der zwischen 2000 und 2006 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordete. Bei Habil Kılıç wurde – wie auch bei den anderen Morden des NSU – zunächst im Umfeld des Opfers ermittelt, obwohl die Angehörigen früh auf einen rechtsextremen Hintergrund hinwiesen. So wurden die Opfer und ihre Familien durch das Ermittlungshandeln zusätzlich stigmatisiert.
Bürgermeisterin Fuchs betonte die bleibende Verantwortung der Stadt: „Der Mord an Habil Kılıç schmerzt auch mehr als zwei Jahrzehnte später. Er war Münchner, Familienvater und Geschäftsmann. Am 29. August 2001 wurde er aus rassistischen Motiven ermordet und gewaltsam aus unserer Stadtgesellschaft gerissen. Wir erinnern an ihn als Menschen und als Teil unserer Stadt – und wir erinnern daran, wohin Rassismus und Rechtsextremismus führen, wenn ihnen nicht entschieden widersprochen wird. München trägt im Komplex des sogenannten NSU eine besondere Verantwortung. Zwei Menschen wurden hier in unserer Stadt ermordet, hier haben sich zwei Untersuchungsausschüsse mit den Taten und auch mit dem Versagen der Behörden beschäftigt und hier fand über Jahre der NSU-Prozess statt. Das Urteil hat bei vielen Angehörigen Enttäuschung und offene Fragen hinterlassen, die bis heute bitter nachwirken. Wir werden Habil Kılıç und die anderen Opfer des NSU nicht vergessen. Ihre Namen, ihre Geschichten und das Leid ihrer Familien gehören zu unserer Erinnerung als Stadt. Daraus erwächst ein klarer Auftrag: Rassismus und Rechtsextremismus dürfen niemals relativiert, verharmlost oder hingenommen werden. Ihnen entgegenzutreten ist eine dauerhafte Aufgabe unserer demokratischen Stadtgesellschaft.“
Die Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München unterstreicht die politische Dimension des Gedenkens: „Auch 25 Jahre nach diesem Mord ist klar: Rechtsterrorismus ist keine Randerscheinung, sondern eine reale Bedrohung für unsere Demokratie. Wir müssen wachsam bleiben und entschieden gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vorgehen.“