Ismaning wird „Ort der Demokratie in Bayern“

Ismaning ist vom Landtag als ein „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt worden. Demnächst soll es eine Gedenkstele geben. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag/Matthias Balk)
Ismaning ist vom Landtag als ein „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt worden. Demnächst soll es eine Gedenkstele geben. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag/Matthias Balk)
Ismaning ist vom Landtag als ein „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt worden. Demnächst soll es eine Gedenkstele geben. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag/Matthias Balk)
Ismaning ist vom Landtag als ein „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt worden. Demnächst soll es eine Gedenkstele geben. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag/Matthias Balk)
Ismaning ist vom Landtag als ein „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt worden. Demnächst soll es eine Gedenkstele geben. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag/Matthias Balk)

Das Präsidium des Bayerischen Landtags hat die Benennung von Ismaning als neuen „Ort der Demokratie in Bayern“ beschlossen. Erinnert wird damit an die „Freiheitsaktion Bayern“ (FAB) am 28. April 1945. Insgesamt erweitert der Landtag die Liste der Orte von besonderer Bedeutung für die Demokratie um sieben weitere Schauplätze im Freistaat.

„Achtung, Achtung! Sie hören den Sender der Freiheits-Aktion Bayern. Beseitigt die Funktionäre der Nationalsozialistischen Partei. Die FAB hat heute Nacht die Regierungsgewalt erstritten”, hieß es am 28. April 1945 ab sechs Uhr morgens im Radio. Der letzte Satz entsprach zwar nicht den Tatsachen, jedoch stellte sich eine Gruppe von rund 440 Soldaten kurz vor Kriegsende offen gegen das NS-Regime - und forderte die Hörer auf, es ihnen gleich zu tun. Die FAB hatte dazu zwei Sendeanlagen des „Reichssenders München” in Ismaning und Freimann sowie das Münchner Rathaus und eine Zeitungsredaktion besetzt. Von der Sendelage im Ismaninger Moos, über die sonst die Propaganda der Nationalsozialisten ausgestrahlt wurde, erreichten die Widerstandskämpfer zwischen sechs und elf Uhr morgens Hörer im einen Radius von über 100 Kilometern.

„Freiheitsaktion Bayern“ aus Ismaning

Angeführt wurde die „Freiheitsaktion Bayern“ von Rupprecht Gerngross, einem Hauptmann aus Deisenhofen südlich von München. Das Ziel war es, mit einer Übergangsregierung und einem Waffenstillstand Bayern kampflos an die Alliierten übergeben, um weiteres Blutvergießen und sinnlose Zerstörung zu verhindern sowie später den Rechtsstaat wiederaufzubauen. Dem Aufruf der FAB per Rundfunk folgten um die 1.000 Menschen in fast 80 voneinander unabhängigen Widerstandsaktionen in ganz Südbayern: Diese reichten vom Hissen weißer Fahnen über die Zerstörung von Panzersperren bis hin zur Verhaftung von lokalen NS-Funktionären.

Doch die „Freiheitsaktion Bayern“ scheiterte: Schon am Vormittag des 28. April 1945 eroberten SS-Truppen den Sender Ismaning zurück. Den meisten Aktivisten gelang die Flucht. Bei eskalierten Auseinandersetzungen sowie Vergeltungsmaßnahmen des NS-Regimes kamen im Rahmen der Aktion insgesamt 58 Menschen ums Leben. Am 30. April 1945 übernahmen dann US-amerikanische Soldaten die Sendeanlage Ismaning. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 wurde bereits ab dem 12. Mai aus dem Ismaninger Moos wieder Radioprogramm gesendet, nun im Auftrag der US-Militärregierung.

„Beherztes Handeln der Menschen”

„Mit der „Freiheitsaktion Bayern“ am 28. April 1945 zeigten die Bürgerinnen und Bürger von Ismaning mutigen Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft und setzten sich für Freiheit und Demokratie ein”, sagt Landtagspräsidentin Ilse Aigner: „Vom beherzten Handeln der Menschen vor Ort bis hin zur Rolle der Medien, die Aufklärung und Öffentlichkeit unterstützten, zeigt sich hier eindrucksvoll: Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen aktiv verteidigt und gelebt werden.” Dass Ismaning nun als „Ort der Demokratie in Bayern“ ausgezeichnet wird, sei Anerkennung dieses besonderen historischen Engagements und zugleich Auftrag für die Zukunft, ergänzt Aigner.

Gedenktafel zum 80. Jahrestag

In Erinnerung an die „Freiheitsaktion Bayern” erhielt die „Münchner Freiheit” in Schwabing, ein Platz, der einst Feilitzschplatz und ab 1933 Danziger Freiheit geheißen hatte, Ende 1946 seinen neuen Namen. Danach geriet der Widerstand weitgehend in Vergessenheit: Erst zum 80. Jahrestag der Aktion im April 2025 ließ der Bayerische Rundfunk eine Gedenktafel auf dem Gelände der Sendeanlage Ismaning anbringen. Die Initiative für die Tafel kam vom Verein „Ismaning bleibt bunt”, der sich für Vielfalt, Demokratie und Toleranz einsetzt. Im Rahmen des Projekts „Orte der Demokratie in Bayern” soll in Ismaning künftig auch eine Gedenkstele an die Freiheitsaktion erinnern. Dabei wird ein goldfarbener Würfel, der auf einer Steinsäule thront, aus fünf gleich großen Tafeln zusammengesetzt. Jede Seite des Würfels greift einen anderen, wichtigen Aspekt auf, so sind rundherum verschiedene, in die Platte vertiefte Schriftzüge zu lesen.

Die Auswahl der neuen Orte der Demokratie (weitere siehe Infobox) erfolgte auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats unter dem Vorsitz von Staatsminister a.D. Ludwig Spaenle und Professor Ferdinand Kramer. Der überparteiliche Beirat begleitet das Projekt seit Beginn mit fachlicher Expertise aus Wissenschaft, politischer Bildung, kommunalen Spitzenverbänden und der Heimatpflege. Insgesamt gibt es nun 20 „Orte der Demokratie in Bayern“.

Weitere neue „Orte der Demokratie in Bayern“

  • München: Auszeichnung für die Frauenstimmrechtsbewegung um 1900, deren Forderung mit der Bamberger Verfassung von 1919 erfüllt wurde. Die Prinzensäle im Café Luitpold waren Versammlungsort des Frauenstimmrechtskongresses von 1912.
  • Nürnberg: Volksbegehren „Mehr Demokratie in Bayern“ für Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Zum ersten Treffen kam es im Jugendzentrum für politische Bildung in der Nürnberger Altstadt.
  • Tutzing: Die 1957 gegründete Akademie für Politische Bildung steht stellvertretend für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie.
  • Mödlareuth: Das ab 1949 durch die Grenze zwischen Diktatur und Demokratie geteilte oberfränkische Dorf („Little Berlin“) wurde zum Symbol der deutsch-deutschen Teilung und hält die Erinnerung daran seit 1990 wach.
  • Traunreut: Vertriebenenintegration, Würdigung der Integration und des Aufbaus eines kommunalen Gemeinwesens als bedeutendes Ereignis für die Demokratiegeschichte Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Wunsiedel: Vorbildliches zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus (Rudolf-Heß-Gedenkmärsche), aus dem 2005 die Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt“ entstand.

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