Im historischen Bahnhofsgebäude in Deisenhofen ist jetzt die Inklusionsgaststätte „3sine“ feierlich eröffnet worden. Betreiberin ist Wiesn-Wirtin Katharina Inselkammer. Rund 60 Prozent der Beschäftigten sind Menschen mit Beeinträchtigung. Das Haus vereint Gastronomie, Hotel und Ausbildung.
Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1875 stand lange leer. Vor zwölf Jahren kaufte die Gemeinde Oberhaching den Bahnhof. Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) sprach bei der Eröffnung von einer schnellen Entscheidung - eigentlich um den Bürgerwunsch nach öffentlichen Toiletten umzusetzen. Die Idee für ein Inklusionsprojekt entstand später im Gemeinderat. Nach einem Besuch in einem Inklusionshotel in Freiburg fiel die Entscheidung, auch in Deisenhofen ein solches Konzept umzusetzen.
Zur Finanzierung gründete die Gemeinde gemeinsam mit der Karl-Hopfner-Stiftung eine gemeinnützige Gesellschaft. An der „Bahnhof Deisenhofen GmbH“ sind die Gemeinde Oberhaching mit 49 Prozent sowie die Karl-Hopfner-Stiftung des ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München und seiner Frau mit 51 Prozent beteiligt. Diese übernahm das Gebäude im Erbbaurecht und verpachtete es an die Betreiber-GmbH von Inselkammer. Das historische Bahnhofsgebäude wurde grundlegend saniert – vom Keller bis zum Dachgeschoss. Sanierung und Umbau kosteten rund sechs Millionen Euro. Alle öffentlich zugänglichen Bereiche sind barrierefrei erreichbar.
Das „3sine“ bietet eine Gaststätte, sechs Gästezimmer sowie Veranstaltungsräume. Im Obergeschoss gibt es eine Wohngemeinschaft für einen Teil der Mitarbeitenden. Ein Kiosk soll im Sommer folgen. Der Name verweist auf die Draisine – das Fahrzeug auf Schienen, das nur durch gemeinsamen Einsatz vorankommt.
Im Betrieb arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Sie können hier eine Ausbildung im Service, in der Küche und im Hotelfach absolvieren. Inselkammer knüpft damit an ihr Münchner Projekt „Kunst Werk Küche“ an. „Dass wir hier auch im Hotelfach ausbilden können, war schon immer mein Traum“, sagte sie. Die „3sine“ nennt sie ihr „Herzensprojekt“.
Bei der Eröffnung würdigten mehrere Redner das Konzept. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) sprach von einem stimmigen Gesamtprojekt. Man merke, wie viel Herzblut in dem Projekt stecke. Es ermögliche Menschen, einen eigenen Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu gehen. Landrat Christoph Göbel (CSU) betonte die gesellschaftliche Bedeutung. Das Haus könne Vorbild für weitere Projekte sein.