Der Landkreis Ebersberg hat zum dritten Mal mit einem zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die Gedenkfeier samt musikalischer Umrahmung wurde in diesem Jahr von den Schülerinnen und Schülern des Franz-Marc-Gymnasiums in Markt Schwaben in der vollbesetzten Aula des Gymnasiums ausgerichtet. Im Mittelpunkt stand dabei die Biografie von Arnold Wachtel, dessen erschütternder Leidensweg von Berlin bis in den Landkreis Ebersberg über vier Konzentrationslager führte. Mit 18 Jahren wurde er im September 1939 ins KZ Oranienburg deportiert. Von dort wurde er in die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau und Dachau verbracht, wo er schließlich im Außenlager Mühldorf landete. Arno Wachtel gelang schließlich als Insasse des sogenannten „Todeszugs aus Mühldorf”, der am 27. April 1945 Station in Poing machte, die Flucht. Nach der Befreiung durch die Amerikaner blieb Arno Wachtel in Markt Schwaben, wo sich allerdings im Juli '46 jede Spur von ihm verliert. Die Schüler stellten seine Lebensgeschichte vor und gestalten eine szenische Lesung aus der Briefkorrespondenz mit Wachtels Bruder Leo sowie mit seiner Mutter Regine.
Landrat Robert Niedergesäß betont in seiner Rede: „Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist nicht angenehm, sie ist schmerzhaft. Aber genau dieser Schmerz ist notwendig. Denn wenn wir aufhören hinzuschauen, beginnt das Vergessen - und Vergessen war schon einmal der erste Schritt auf einem gefährlichen Weg. Die Vorgänge wiederholen sich nicht eins zu eins, aber sie zeigen auch aktuell erschreckende Parallelen, wenn einfache Feindbilder aufgebaut werden, wenn Schuldige politisch gesucht und ungerechtfertigt benannt werden, wenn Ausgrenzung politisch legitimiert wird.”
Der 27. Januar ist seit 1996 ein bundesweit gesetzlich verankerter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit dem Jahr 2024 begeht der Landkreis Ebersberg diesen Gedenktag bewusst als zentralen Gedenktag im Landkreis - als gemeinsamen Moment des Innehaltens, des Erinnerns und des Mahnens. „Unsere Verantwortung endet nicht beim Erinnern”, so Landrat Niedergesäß weiter. „Gerade junge Menschen müssen befähigt werden, Manipulation, Hass und Ausgrenzung zu erkennen. Wissen ist in diesem Fall eine demokratische, eine schützende Macht.”