Veröffentlicht am 29.01.2026 16:24

Chance oder Risiko

Auf dem Grundstück, auf dem derzeit die Container stehen, soll das Pflegeheim gebaut werden. Links der Haderner Steg, der die Autobahn quert. (Foto: job)
Auf dem Grundstück, auf dem derzeit die Container stehen, soll das Pflegeheim gebaut werden. Links der Haderner Steg, der die Autobahn quert. (Foto: job)
Auf dem Grundstück, auf dem derzeit die Container stehen, soll das Pflegeheim gebaut werden. Links der Haderner Steg, der die Autobahn quert. (Foto: job)
Auf dem Grundstück, auf dem derzeit die Container stehen, soll das Pflegeheim gebaut werden. Links der Haderner Steg, der die Autobahn quert. (Foto: job)
Auf dem Grundstück, auf dem derzeit die Container stehen, soll das Pflegeheim gebaut werden. Links der Haderner Steg, der die Autobahn quert. (Foto: job)

Am Haderner Steg, zwischen Clearinghaus und Bezirkssportanlage, will die Stadt auf einem eigenen Grundstück ein neues Pflegeheim bauen lassen und schreibt das Projekt nun aus, um einen Investor zu finden. Das städt. Sozialreferat war seit langem auf der Suche nach einer geeigneten Fläche für eine solche vollstationäre Pflegeeinrichtung in Hadern, um dort dem mehrfach ermittelten hohen Bedarf an Pflegeplätzen zu begegnen. Uneinig war sich der Stadtrat indes, wieviele Wohnungen man in dem Gebäude planen sollte.

80 und 135 Pflegeplätze

Zwischen 80 und 135 vollstationäre Pflegeplätze und zusätzlich eine Tagespflegeeinrichtung will die Stadt an dieser Stelle. betreut werden sollen hier u.a. Menschen mit Demenz, schwerst pflegebedürftiger, sterbende Menschen und Pflegebedürftige mit Behinderungen. Auch Kurzzeitpflegeplätze werden vorgesehen.
Das Haus soll auch zur Quartiersentwicklung vor Ort beitragen: Eine Cafeteria, unter anderem mit einem Mittagstisch und weiteren nutzbaren Räumen, soll vernetzend ins Viertel wirken und ein offenes Angebot für die älteren Menschen des Stadtteils bieten.

Zusätzlich sollen in dem viergeschossigen Bau zwischen zehn und 13 Personalwohnungen (zehn 25-m²-Appartements und drei 55-m²-Wohnungen) entstehen. Die Erstvermietungsmiete ist begrenzt auf 15 Euro/m² (kalt). Außerdem möchte die Stadt, dass der Investor im Betreuten Wohnen Wohnungen für ältere Münchner Bürger baut (35 m² bis zu 55 m²). Ob dies möglich ist, ist derzeit aber völlig offen.

CSU/FW hoffen auf bis zu 100 Wohnungen

Auf bis zu 100 weitere preisgünstige Wohnungen hatte die CSU/FW-Fraktion im Stadtrat gehofft und dazu die Aufstockung des Pflegeheims vorgeschlagen. Der Standort des geplanten Baus liege an der Autobahn, unweit befindet sich das Augustinum mit 13 Stockwerken, so dass sich ein größeres Pflegeheim sich in die Umgebung einfügen würde. Um ein solches höheres Gebäude zu ermöglichen, müsste die Stadt planungsrechtlich einen neuen Bau-Vorbescheid erlassen und Befreiungen aus dem Bebauungsplan von 1985 zulassen. Für diesen Vorschlag fand die CSU/FW-Fraktion im Stadtrat aber keine Mehrheit. Auch ihr Vorschlag, dass Gebäude zumindest so zu planen, dass eine spätere Aufstockung unkompliziert möglich wäre, fand keine Zustimmung..

„Der Wohnungsmangel in München ist riesig, die Bau-Bilanz der Münchner Wohnen unterirdisch. Nun hätten wir die Möglichkeit, etwa 100 zusätzliche Wohnungen zu bauen – aber Grüne und SPD weigern sich”, zeigte sich Stadtrat Andreas Babor (CSU) enttäuscht. „Das ist städtebauliches und politisches Versagen. In München gibt es kaum noch Flächen, die bebaut werden können. Wir sollten die vorhandenen Flächen klug nutzen und, wo es möglich ist, in die Höhe bauen.” Am Haderner Steg eigne sich die Umgebung sehr gut für ein höheres Gebäude. „Die Stadt hat hier die seltene Chance, auf einem eigenen Grundstück günstigen Wohnraum zu schaffen und diesen dann zum Beispiel an Pflegekräfte zu vergeben”, so Babor, „diese Chance wurde verschenkt – ein weiterer Tiefpunkt der grün-roten Wohnungspolitik.“

SPD und Grüne wollen keine Verzögerungen riskieren

Die Änderungswünsche der CSU könnten allerdings zu mehrjährigen Verzögerungen für das Pflegeheim führen, so die Einschätzung des städt. Sozialreferats. „Bei einer Auslastung der Münchner Pflegeheime von gut 98 Prozent ist das ein Risiko, das die SPD nicht eingehen möchte”, erklärte SPD-Sprecher Anton Fitz.

„Wir wollten die Ausschreibung nicht von vornherein komplizierter machen. Es ist ohnehin schwer, geeignete Träger zu finden, die Altenheime bauen”, äußerte sich Stadträtin Sofie Langmeier (Grüne). „Deswegen war uns wichtig, dass wir schnell ausschreiben können, damit die dringend benötigten Altenheimplätze umgesetzt werden können. Jede Änderung an den aktuellen Vorgaben würde eine Verzögerung bedeuten, die wir nicht wollen.” Für die von der CSU angeführte Zahl 100 gebe es keine Grundlage: „Die CSU behauptet diese Zahl einfach. Gerechnet ist sie nicht. Ich bezweifle auch, dass es annähernd so viele Wohnungen werden können - außer man geht wirklich von Mini-Apartments aus.” Die Tür zu den Wohnungen sei indes noch offen: Man könne im späteren Prozess immer noch Wohnraum an diesem Ort schaffen, zum Beispiel indem man das Haus aufstockt.

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