Ein familiärer Verein

TSV Moosach-Hartmannshofen setzt auf die Jugend

Voller Einsatz für den TSV Moosach-Hartmannshofen: Steffen Wieners (links) und Stefan Sedlmeier trainieren Jugendmannschaften und planen den Moosach Cup 2022. Foto: bs

Voller Einsatz für den TSV Moosach-Hartmannshofen: Steffen Wieners (links) und Stefan Sedlmeier trainieren Jugendmannschaften und planen den Moosach Cup 2022. Foto: bs

Moosach · Bundesliga, Champions League, Weltmeisterschaft sind nett anzuschauen, aber der große Fußball wäre nichts ohne die Basis. In jedem Münchner Stadtviertel gibt es sie, die Fußballvereine, die sich vor allem der Jugendarbeit verschreiben und bei denen die Stars von morgen ihre ersten Schritte auf dem Fußballplatz machen. Zu ihnen gehört auch der TSV Moosach-Hartmannshofen.

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Ganz im Westen des Stadtbezirks, da, wo Moosach an Untermenzing angrenzt, liegt die eigene Anlage des Vereins, der 1938 entstand, als sich der Turnverein Moosach und der SV Hartmannshofen zusammenschlossen. Später kamen noch die Fußballer von Blau-Weiß Moosach hinzu. Eingerahmt vom idyllischen Grün des Hartmannshofer Parks, verfügt der TSV heute über einen Naturrasenplatz, einen Kunstrasenplatz und mehrere Tennisplätze. Die Fußballabteilung stellt aktuell zwölf Jugendmannschaften von der U8 bis zur U18, dazu drei Herren-Mannschaften, eine für die Damen und zwei für Senioren. Eine Mädchenmannschaft ist geplant, ein paar Mädchen spielen bisher bei den Jungs mit.

Praktisch alle Mannschaften sind in der Kreisliga oder tiefer zu finden. Die C-Junioren haben es mal in die Bezirksoberliga geschafft, größere überregionale Erfolge sind in der Chronik nicht vermerkt. Die Beispiele von Patrick Ziegler, der für den SC Paderborn 07 in der 1. Bundesliga und später in Australien spielte, oder Andreas Scheidl, der Stammspieler beim Regionalligisten Wacker Burghausen ist, zeigen aber, dass man es von Hartmannshofen aus in den Profifußball schaffen kann.

Der sportliche Erfolg oder gar das Heranziehen von Top-Talenten stehen an der Lechelstraße aber nicht im Vordergrund. Vielmehr ist es der Spaß am Sport – und die Gemeinschaft. "Wir sind ein familiärer Verein, bei dem man nicht nur eine Nummer ist", sagt Stefan Sedlmeier. Er ist seit über zehn Jahren Jugendtrainer beim TSV, seit anderthalb Jahren leitet er zusätzlich die dritte Herrenmannschaft an. Neben dem sportlichen Aspekt sei es wichtig, den Kindern und Jugendlichen eine Anlaufstelle neben der Schule zu bieten, meint Sedlmeier. Ein Mannschaftssport fördert zudem Kompetenzen wie Zusammenhalt und Verantwortung übernehmen.

Viel Engagement – doch Trainer fehlen

Das Miteinander und das Menschliche hebt auch Steffen Wieners hervor. Er hat früher Handball gespielt, auf den Fußballplatz ist er durch seinen Sohn gekommen, als der beim TSV anfing. Jetzt trainiert Wieners die U9-Junioren. "Die Spieler sind inzwischen Freunde geworden", berichtet er. Nicht nur die Kinder, sondern auch einige Eltern identifizieren sich mit dem Verein und engagieren sich, ergänzt Wieners: "Wir haben viele helfende Hände, die mit anpacken." Schwierig wird es jedoch, wenn es um das Besetzen der Trainerposten geht, betonen Wieners und Sedlmeier einhellig. Denn für dieses Ehrenamt, das neben Training und Spiel am Wochenende auch viel Organisation und Verantwortung mit sich bringt, wollen die wenigsten Zeit und Motivation aufbringen. Neue Trainerinnen und Trainer sind daher immer willkommen.

Von ihrem Höchststand mit 21 Jugendmannschaften ist die Fußballabteilung des TSV weit entfernt. Gerne würde man wieder wachsen – doch ohne Trainer geht es eben nicht. Die Corona-Pandemie habe zudem mit sich gebracht, dass vor allem in den älteren Jahrgängen mancher Spieler absprang, berichtet Stefan Sedlmeier: "Wir stehen halt in Konkurrenz zur Playstation." Als die Sportvereine monatelang mit diversen Einschränkungen umgehen mussten, waren es vor allem die Trainer, die viel Engagement und Kreativität bewiesen: Sie steckten zum Beispiel kleine Felder ab, in jedem Feld stand ein Kind mit einem Ball. So wurden die Mindestabstände gewahrt – und die Buben und Mädchen konnten sich dennoch gemeinsam bewegen.

Geflüchtete aus der Ukraine integriert

Nachdem in Sachen Corona das Schlimmste überstanden scheint, hat auch die russische Invasion in der Ukraine die Sportvereine betroffen, das zumindest positiv. Drei Geflüchtete spielen inzwischen in den Fußballmannschaften des TSV Moosach-Hartmannshofen mit, sowohl in der Jugend als auch bei den Erwachsenen, berichtet Wieners: "Sie haben eine schwere Zeit hinter sich, sie mussten schließlich flüchten." Fußball kann zumindest ein wenig von den schrecklichen Erlebnissen im Kriegsgebiet ablenken und bei der Integration helfen – sogar ohne jegliche Sprachkenntnisse. "Wir sind offen für alle", bekräftigt Stefan Sedlmeier.

Um den Mitgliedern etwas zu bieten, aber auch um bei den Bürgern aus Moosach, Hartmannshofen und Untermenzing sichtbarer zu werden, planen Wieners und Sedlmeier derzeit akribisch den "Moosach Cup 2022" – ein dreitägiges Jugendturnier mit großem Sommerfest, Livemusik und Foodtrucks. Vom 9. bis 11. September spielen 88 Jugendmannschaften mehrere Turniere aus. Neben vielen Vereinen aus dem näheren Umkreis wird die U17 des ehemaligen Zweitligisten Wacker Burghausen vertreten sein. Geplant ist zudem ein Spiel einer Auswahl des TSV Moosach-Hartmannshofen gegen den FC Bello – für die Freizeitmannschaft traten schon ehemalige Nationalspieler wie Benny Lauth, Jens Lehmann und sogar Weltmeister Miroslav Klose an. Für die musikalischen Höhenpunkte sollen die Bands "Saxndi" und "Alpen Casanovas" sorgen. Benjamin Schuldt

Artikel vom 04.05.2022
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