Bühne ohne Heimat

Verein "Theater in der Au" auf der Suche nach neuer Spielstätte

"Königinnen? Sprachfehler! und more" heißt die neueste Produktion des Theaters in der Au. Das Stück läuft vom 2. bis 4. Mai in der kleinen Herberge. Im Pfarrsaal am Hergottseck sieht der Theaterverein nach einem Pächterwechsel keine Zukunft. F: Verein

"Königinnen? Sprachfehler! und more" heißt die neueste Produktion des Theaters in der Au. Das Stück läuft vom 2. bis 4. Mai in der kleinen Herberge. Im Pfarrsaal am Hergottseck sieht der Theaterverein nach einem Pächterwechsel keine Zukunft. F: Verein

Au/Giesing · Spielt das Theater in der Au bald nicht mehr in der Au? Seit über 60 Jahren ist der Verein im Viertel beheimatet, doch derzeit suchen die Schauspieler eine neue Bühne. Im Moment weichen sie nach Giesing aus - eine Dauerlösung soll das aber nicht sein.

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Heimatlos zu sein, ist für den Theaterverein in seiner Geschichte kein neues Phänomen. Gegründet im März 1956, sollte die Bühne bald ihre Heimat in der Entenbachstraße finden. Hier machte sich das Theater in der Au einen Namen, spielte Bauernschwänke, Komödien, Lustspiele, gründete mit den "Bühnenflöhen" auch eine Nachwuchsgruppe. Doch im Frühjahr 1991 musste das Theater seinen Saal in der Entenbachstraße verlassen und auf Wanderschaft gehen.

Mit dem Pfarrsaal am Hergottseck, gleich gegenüber des Mariahilfplatzes, fand sich nach zwei Jahren ein neuer Spielort. Die Bedingungen für den Aufbau der Bühnentechnik und die Bestuhlung waren dort optimal. Der Theaterverein konnte bis zu 130 Zuschauer zu seinen Vorstellungen begrüßen. "Wir fühlten uns beheimatet", erklärt Vereinssprecherin Hanna Schnelle. Doch die Geschichte sollte sich wiederholen: Der kirchliche Eigentümer verpachtete das Gebäude, in dem sich ein Hotel und eine Gaststätte befinden, im Jahr 2017 an einen Münchner Großgastronomen.

Zwar versprach der neue Pächter, dass das Theater in der Au weiter im Saal spielen dürfe. Doch zunächst standen erst einmal größere Umbaumaßnahmen an. Dabei sei nicht geklärt worden, welche Bedingungen der Verein für seine Vorstellungen brauche, sagt Schnelle. Nach der Neueröffnung des Gastronomiebetriebs sei kaum noch Platz für die Bühnentechnik. Der Theaterverein erhielt die Zusage, den Saal an manchen Terminen nutzen zu dürfen, "für das Dreifache der Miete", erläutert Hanna Schnelle, die aber Verständnis zeigt: "Der Pächter hat schließlich Millionen investiert."

Nach einem Bittschreiben des Theaters bot der Unternehmer schließlich an, die Miete zu senken. "Wir würden es gerade noch gestemmt kriegen", meint Schnelle. Die Suche nach alternativen Räumlichkeiten hat der Verein dennoch gestartet - in einem zentralen Stadtviertel wie der Au kein leichtes Unterfangen. Teilweise müssten Säle in München schon ein bis zwei Jahre vorher reserviert werden, meint Schnelle. Jedoch ist das Theater in der Au ein Laientheater.

Alle Beteiligten sorgen ehrenamtlich und neben ihrem Broterwerb dafür, dass regelmäßig Vorstellungen stattfinden. "Manches läuft da nicht ganz so professionell ab, manchmal bleibt wenig Zeit zum Üben", erklärt die Sprecherin. Verbindliche Zusagen soweit im Voraus seien daher schwierig. Bezahlbar muss die neue Spielstätte ohnehin sein.

Intime Vorstellung vor nur 40 Leuten

Sein aktuelles Stück "Wenn Du geredet hättest, Desdemona" zeigt der Theaterverein nun am 26. und 27. April im Kulturzentrum Giesinger Bahnhof, das schon öfters als Ausweichspielstätte gedient hat. Anfang Mai gastiert das Theater in der Au dann in der Herberge (Am Hergottseck 2), einem kleinen Raum der Pfarrgemeinde, in dem nur rund 40 Zuschauer Platz finden. "Hier kann man sehr intim spielen, das hat auch seine Reize", sagt Schnelle. Der Wunsch nach einem neuen, größeren Saal bleibt. Die Bühne sollte den technischen Anforderungen genügen, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein - und in der Au oder angrenzenden Vierteln liegen, sagt Hanna Schnelle: "Wenn das Theater in der Au in Wolfratshausen spielt, ist es halt nicht mehr das Gleiche." B. Schuldt

Artikel vom 17.04.2019
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