Am Sonntag, den 11. Oktober sind wir den Spielen und dem Spielzeug der Urgroßeltern auf der Spur. Wie jedes Jahr sind wir mit diesem Programm Teil des Schlierseer Kulturherbsts und veranstalten Kinderspiele wie vor 100 Jahren.
Heute gehört das Spielen ganz selbstverständlich zur normalen Freizeitbeschäftigung der Kinder. Wir wissen sogar, dass es wichtig für die Entwicklung bestimmter Fähigkeiten ist, wie etwa Geschicklichkeit, Fantasie und Sozialverhalten.
Auch früher haben die Kinder natürlich immer schon gespielt. Doch der Stellenwert, den die Freizeit für die Kinder damals hatte, war ein anderer.
Wie ich im Beitrag über die Schule schon geschrieben habe, war nicht einmal der Besuch einer Bildungseinrichtung selbstverständlich, denn Kinder wurden als billige Arbeitskräfte gebraucht. Wie sollte man da das Spielen als wichtige Beschäftigung ansehen?
Doch vor allem die kleinen Kinder durften ungestört spielen und entwickelten dabei viel Kreativität, denn Spielzeug war eher Mangelware. Mädchen besaßen oft eine Stoffpuppe und vielleicht ein paar Kleider dazu, das musste genügen. Und die Buben spielten eher mit Figuren, wie etwa einfachen, selbst geschnitzten Tierfiguren. Ab dem 16. Jahrhundert wurde dann Spielzeug in Heimarbeit gefertigt und in größerer Zahl hergestellt. Erschwinglich war das aber meist nur für den Adel oder reiche Bürger.
Die Kinder auf dem Land mussten sich anders behelfen. So konnte ein alter Radreifen aus Metall wunderbar mit einem Stock vor sich hergetrieben werden. Hatte man zwei davon, konnte man sogar ein kleines Wettrennen veranstalten. Murmeln oder Schusser, wie wir in Bayern sagen waren ebenfalls ein beliebtes Spielzeug.
Dazu kamen einfache Brettspiele und alles mögliche, was man aus Holz selbst leicht herstellen konnte, wie etwa Stelzen, Kegel oder Steinschleudern.
Beim Kinderkulturherbst können die Kinder bei uns im altbayerischen Dorf das alles ausprobieren. Also alles, bis auf die Steinschleuder! Aber geworfen werden darf trotzdem, nämlich auf leere Konservendosen. Und auch beim Ringewerfen können die kleinen Besucher ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen.
Im Holzbrunnen warten Fische beim Angelspiel darauf geangelt zu werden, und auch ein paar historische Brettspiele können gespielt werden. Zudem steht unsere historische Kegelbahn für eine Partie bereit. Wer einfach nur toben will, der kann im Kinderstadel im Heu hüpfen!
Für viele Lacher sorgt Kasperls Spuikistl, das beliebte Kasperltheaterensemble, das die Kinder mitnimmt auf spannende Abenteuer. Übrigens war dieses Vergnügen früher den Erwachsenen vorbehalten. Heutzutage wird Kasperltheater aber eher für die Kleinen gespielt. Keine Angst, selbstverständlich dürfen auch junggebliebenen Kasperlfreunde gerne zuschauen.
Für das leibliche Wohl sorgt unser altbayerisches Wirtshaus mit deftigen Schmankerln und süßem Gebäck. Aus der Museumsbrauerei versorgen wir Sie mit selbstgebrautem Bier und für die kleinen Gäste empfehle ich die hausgemachte Kräuterlimonade als passendes Getränk zum Kinderkulturherbst.
Erleben Sie Kinderspiele wie vor 100 Jahren und verbringen Sie dabei einen unvergesslichen Tag auf den Spuren der Urgroßeltern im Freilichtmuseum am Schliersee.
Ich freue mich auf Ihren Besuch!
Ihr Markus Wasmeier