Wenn ein Mensch nach langer Zeit plötzlich wieder sehen kann, ist das wie ein Wunder. Solche Wunder haben die Bürgerinnen und Bürger von Gauting allein im vergangenen Jahr rund 1.808-mal bewirkt. Insgesamt 54.240 Euro haben sie an die Christoffel-Blindenmission (CBM) gespendet. Das sind 2,55 Euro pro Einwohner. Damit ist Gauting eine der wundervollsten Städte in Bayern, denn in kaum einer anderen Stadt war das Pro-Kopf-Spendenaufkommen für die CBM so hoch wie hier. Dafür sagt die CBM Danke.
Weltweit sind mehr als 17 Millionen Menschen durch Grauen Star erblindet. Schuld ist eine Trübung der Augenlinse. Um diese Trübung zu beseitigen, braucht es durchschnittlich nur 15 Minuten – und 30 Euro in den CBM-unterstützten Projekten. Doch viele Betroffene in Afrika, Asien und Lateinamerika können sich selbst das nicht leisten. Ein Arzt oder eine Ärztin im CBM-geförderten Projekt sowie die Spenderinnen und Spender in Gauting machen das Unglaubliche trotzdem möglich.
So war es auch bei Asha aus Sansibar. Still saß sie neben ihrem Großvater und lauschte dem gleichmäßigen Rattern seiner Nähmaschine. Früher hätte sie ihm aufmerksam zugesehen, doch nach und nach konnte Asha immer schlechter sehen, mit der Zeit nur noch Schatten erkennen. Vor anderthalb Jahren verlor die 23-Jährige fast vollständig das Augenlicht. Mit ihrem Sehvermögen schwand auch ihre Lebensfreude. Früher neugierig und voller Pläne, zog Asha sich immer mehr zurück. Besonders schmerzlich war, dass sie ihren Traum aufgeben musste, als Henna-Künstlerin zu arbeiten. Sie hatte bereits begonnen, die kunstvollen Muster zu erlernen. Ihre Tante brachte Asha ins CBM-geförderte Mnazi Mmoja Hospital. Dort wurde endlich die Ursache erkannt: Grauer Star, vermutlich eine Folge ihres unbehandelten Diabetes.
Zunächst musste ihr Blutzucker eingestellt werden, denn ihre Werte waren viel zu hoch. Erst danach stand der Operation nichts mehr im Weg. Bei dem Eingriff wurden ihre getrübten Augenlinsen durch klare künstliche Linsen ersetzt.
Der entscheidende Moment kam am Tag nach dem Eingriff. Als die Verbände entfernt wurden, kehrte langsam ihr Sehvermögen zurück. „Zuerst habe ich den Arzt gesehen und dann meine Tante“, erzählte Asha bewegt. „Ich habe vor Freude geweint.“
Heute blickt Asha hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie zeichnet wieder Henna-Muster und möchte ihre Ausbildung fortsetzen und auch das Schneiderhandwerk ihres Großvaters erlernen. Mit ihrem Augenlicht hat sie nicht nur ihre Sicht zurückgewonnen, sondern auch ihren Mut und ihre Träume. Für Asha ist ein Wunder wahr geworden.
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2025 förderte die CBM 385 Projekte in 35 Ländern. Mehr unter www.cbm.de.