Vor kurzem besuchten alle 12. Klassen der Ausbildungsrichtung Sozialwesen der Beruflichen Oberschule Erding die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) im Science Congress Center Garching. Insgesamt 79 Schülerinnen und Schüler nahmen gemeinsam mit den betreuenden Lehrkräften Clarissa Bachmeier und Andreas Nagy teil. Die passgenau für Schüler konzipierte Vorlesungsreihe bot einen kompakten Überblick über aktuelle Themen der Humangenetik – von Diagnostik und Beratung bis hin zu Big Data im Laboralltag. Die Freude über die reibungslose Organisation und die inhaltliche Dichte war in der gesamten Gruppe spürbar; der Vormittag zeigte eindrucksvoll, wie eng sich naturwissenschaftliche Forschung und soziale Berufe berühren können.
Die Veranstaltung eröffnete Prof. Juliane Winkelmann (TU München) mit der kurzen Einführung „Warum Genetik unsere Zukunft prägt“. Die renommierte Neurologin ging unter anderem auf die Verantwortung im Umgang mit sensiblen Daten ein – ein wichtiges Thema für angehende Fachkräfte im Sozialwesen.
Anschließend veranschaulichte Priv.-Doz. Dr. Michael Zech (TU München) den Weg von klassischen Vererbungsregeln zur modernen Diagnostik. Dabei wurde diskutiert, wie bei Genanalysen Familien in Entscheidungsprozesse einbezogen werden können.
Unter der Leitfrage „Was kann man sich unter einer genetischen Beratung vorstellen?“ gab Dr. Gunda Schwaninger von der Universität Innsbruck einen Einblick in das anspruchsvolle Schnittfeld von Medizin, Ethik und Psychologie. Im Fokus standen die alltagspraktischen Aspekte: von der Gesprächsführung über die Bewältigung emotionaler Belastungen bis zu sozialrechtlichen Fragen.
Nach einer kurzen Pause folgte „Alles Genetik: Volkskrankheiten“ mit Prof. Markus Nöthen (Universität Bonn). Er zeigte, wie polygenetische Risiken, Umweltfaktoren und Lebensstil zusammenwirken.
Einen Blick hinter die Kulissen bot Dr. Holger Prokisch (München), der konkret auf die Aufgabenbereiche von Biologen und Bioinformatikern einging. Der Vortrag spannte, am Beispiel der vielen Erkrankungen Beethovens, den Bogen von der Probenaufbereitung über Sequenziertechnologien bis zur computergestützten Auswertung.
Zum Abschluss führte Prof. Christian Schaaf (Heidelberg) durch „Medizinische Rätsel“: Der Mediziner und Humangenetiker nutzte ein Fallbeispiel, um gemeinsam Hypothesen zu entwickeln und diagnostische Wege nachzuvollziehen. Für die Schülerinnen und Schüler bot das Format die Chance, nachzufragen, mitzuraten und die zuvor vermittelten Konzepte unmittelbar anzuwenden – ein motivierender Ausklang, der wissenschaftliche Neugier und Praxissinn verband.
Die Berufliche Oberschule Erding dankt der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik und den Referentinnen und Referenten für die zielgruppengerechte Gestaltung. Der Tag in Garching hat gezeigt, wie bedeutsam genetische Gesundheitskompetenz auch für Berufe im Sozialwesen ist – von Beratungssituationen in Familien bis zur Begleitung chronisch kranker Menschen. Viele Impulse werden in den Fachunterricht zurückfließen; zugleich hat die Veranstaltung Horizonte für mögliche Studien- und Berufswege geöffnet. Clarissa Bachmeier und Andreas Nagy zogen ein rundum positives Fazit: Ein gelungener Brückenschlag zwischen Spitzenforschung und schulischer Bildung.