Wieso rede ich vom Biergarten, wo wir doch gerade die sogenannte Schafskälte erleben? Ganz einfach, weil wir es schon fast überstanden haben, dieses ungemütliche Wetterphänomen. Aber es ist ein gutes Beispiel, wie sich Wetterbeobachtungen über Jahrhunderte bestätigt haben und bis heute eine bestimmte Gültigkeit besitzen. Denn manchmal wird es im Juni einfach noch einmal kurz kalt, weil das Sommerwetter noch nicht stabil genug ist. Und weil die Schafe früher in der Regel direkt nach den Eisheiligen im Mai geschoren wurden, war es denen dann besonders kalt und deshalb spricht man von der Schafskälte. Aber wir wollen lieber über Biergartenwetter sprechen denn schon an diesem Wochenende schwenkt das Wetter um. Dann kann man wieder im Freien Brotzeit und Bier genießen, in den zahlreichen Biergärten, die in ganz Bayern zu finden sind.
Die Biergärten besitze eine besondere Geschichte in Bayern. Denn im 19. Jahrhundert gab es noch keine Kühlmaschinen und untergäriges Bier konnte nur bei Außentemperaturen unter zehn Grad gebraut werden. Deshalb arbeiteten die Brauer im Winter vor und mussten dann das Bier für den Sommer einlagern. Dafür bauten die Brauer, vor allem in München tiefe Lagerkeller etwa in die Hochufer der Isar. Die tiefen Keller waren von selbst schon kühl, um sie aber noch weiter vor der Sonne zu schützen, pflanzte man meist Kastanien darauf. Diese habe dichte Blätter und wurzeln nicht so tief.
Und weil es unter den Kastanien ganz schön gemütlich war, begannen die Brauer, das Bier direkt vor Ort auszuschenken. Man kann sich vorstellen, dass das den Leuten gut gefallen hat und der Zuspruch immer größer wurde. Das verärgerte natürlich die Wirte, sie hatten Angst um ihre Kundschaft. Sogar der König musste eingreifen und Maximilian I. regelte die Sache mit einem Erlass. Und dieser Erlass setzte fest, dass die Brauer zwar weiterhin Bier im Freien verkaufen durften, aber keine Speisen. Die Wirte waren besänftigt.
Daher kommt es übrigens, dass in traditionellen Münchner Biergärten bis heute in bestimmten Bereichen die Brotzeit selbst mitgebracht werden darf. Als Carl von Linde dann Mitte des 19. Jahrhunderts die Kältemaschine erfunden hatte, war es auch möglich, Bier im Sommer zu brauen. Die Bierkeller verloren ihre Funktion, die Biergärten sind Gott sei Dank geblieben!
Übrigens, wer sich für die Erfindungen, die Ende des 19. Jahrhunderts das Leben erleichterten interessiert, findet viele interessante und kuriose Fakten in unserer Stromausstellung, die sich mit der Elektrifizierung Bayerns beschäftigt. Wer sich mehr für den Biergarten interessiert, der ist in unserem altbayerischen Wirtshaus „Zum Wofen“ genau richtig. Zudem haben wir auch eine eigene Brauerei in der wir unser Museumsbier herstellen und nicht ganz so tief wie die Bierkeller in München aber ebenfalls in den Hang hineingearbeitet befindet sich unser Lagerkeller, in dem unsere Biere langsam reifen.
Im Biergarten mitten im altbayerischen Dorf können Sie dieses Bier auch probieren und sich damit erfrischen. Denn die Schafskälte ist bald vorbei!
Ich freue mich auf Ihren Besuch!
Ihr Markus Wasmeier