Ein klares Zeichen setzen

Poing macht sich auf den Weg hin zur "Gemeinde mit Courage"

Poing will eine "Gemeinde mit Courage" werden - gemeinsam mit den Bürgern. Die Auftaktveranstaltung in der Dominik-Brunner-Realschule stieß auf großes Interesse. Foto: bs

Poing will eine "Gemeinde mit Courage" werden - gemeinsam mit den Bürgern. Die Auftaktveranstaltung in der Dominik-Brunner-Realschule stieß auf großes Interesse. Foto: bs

Poing · Weniger Rauchen, mehr Sport, mehr Zeit für die Familie: Mögliche Ziele für das neue Jahr gibt es viele. Auch die Gemeinde Poing hat sich ein Ziel gesetzt: Als erste Kommune in Bayern will sie künftig als "Gemeinde mit Courage" firmieren, was nicht nur ein Titel, sondern ein klares Statement gegen Rassismus, Ausgrenzung und Intoleranz sein soll. Gelingen kann und soll dies nur mit Hilfe der Bürger.

Der Weg hin zur "Gemeinde mit Courage" ist freilich viel mehr als ein Vorsatz für 2019, sondern eine Zielsetzung für die kommenden Jahre. "Wir haben uns eine schöne Aufgabe gestellt. Jetzt wollen wir sie ohne Zeitdruck lösen", betonte Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) bei der Auftaktveranstaltung, die kurz vor Weihnachten in der Dominik-Brunner-Realschule stattfand. Gekommen waren über 50 Personen, viele davon repräsentierten Vereine.

Dass Poing eine "Gemeinde mit Courage" werden soll, hatte der Gemeinderat Ende Oktober einstimmig beschlossen. Wie Hingerl bekräftigte, gehe es hierbei aber nicht um ein Zertifikat. Vielmehr gelte es, ein Zeichen gegen die wachsende Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu setzen, die Bürger zu sensibilisieren und den Zusammenhalt im Ort zu stärken.

"Es ist selten, dass eine Gemeinde vorausschaut", lobte Nicola Hieke von der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus, die bayernweit Strategien gegen rechte Tendenzen, Ausgrenzung und Diskriminierung entwickelt. Sonst seien sie und ihre Kollegen meist vor Ort, wenn Neonazis aufmarschieren oder es anderweitige Probleme mit rechten Gruppierungen gibt, meinte Hieke: "Poing hat Zeit zu agieren, statt nur zu reagieren. Es ist eine Riesenchance, etwas zu entwickeln."

Als Vorbild dienen der Gemeinde zwei örtliche Schulen: Sowohl die Dominik-Brunner-Realschule als auch das Sonderpädagogische Förderzentrum Seerosenschule tragen bereits die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die in mehreren europäischen Ländern vergeben wird. Lehranstalten, die das Label erhalten möchten, müssen sich in einer Selbstverpflichtung mehrheitlich darauf einigen, aktiv gegen Rassismus vorzugehen.

Was die Schulen können, könne eine ganze Gemeinde auch, lautet nun also der Tenor. "Wir wollen eine Wertegemeinschaft schafften", erklärte Albert Hingerl – gemeinsam mit den Bürgern, also aus der Mitte der Gesellschaft und nicht von oben herab. Der Rathauschef selbst, der im Vorfeld der Landtagswahl deutliche Kritik an AfD-Wahlplakten übte, weshalb die Partei eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn einreichte, steht gerne beratend zu Seite.

Als Sprecher der Initiative werde er aber nicht auftreten, sagte Hingerl. Eine Arbeitsgruppe aus rund 20 Personen wird den Prozess hin zur "Gemeinde mit Courage" künftig gestalten, begleitet von der Landeskoordinierungsstelle. Damit sich die ehrenamtliche Mitglieder der Arbeitsgruppe auf Inhalte konzentrieren können, soll die Koordination in den Händen der Gemeindeverwaltung liegen.

Essenziell sei es, die Menschen mit ins Boot zu holen, die am meisten von Rassismus betroffen sind, erläuterte Nicola Hieke: Poinger mit Migrationshintergrund, vor allem Geflüchtete.

Rechtsextreme Denkweisen und rassistische Vorfälle werden auch in einer "Gemeinde mit Courage" nie ganz verschwinden. "Es geht aber nicht darum, die Probleme wegzumachen, sondern eine Gegenposition zu schaffen", sagte Hieke. So könnte es in Poing bald Aktionswochen geben, die unter ein Motto gegen Rechts gestellt werden. Besser als wegschauen wäre dies allemal. B. Schuldt

Artikel vom 09.01.2019
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