Seit den Osterferien sind zwei Bienenvölker an der Gautinger Paul-Hey-Mittelschule zu Hause. „Es vergeht kein Tag, dass ich nicht zwei, drei Minuten nach den Bienen schaue“, erzählt Rektor Udo Wiese. Seit 22 Jahren ist er bereits Rektor in Gauting. „Ich bin stets ein Verfechter von Projekten, einfach weil die Schüler dabei nachhaltig lernen.“ Die Bienen seien fast das nachhaltigste Projekt von allen, meint er weiter. „Hier lernen die Schüler viel Wissenswertes und Softskills, wie Verantwortung, Teamgeist, Rücksichtnahme. Und darüber hinaus ist von der anfänglichen Skepsis unter Schülern und Kollegen, wie das mit den Bienen wird, nichts mehr übrig. Das freut mich persönlich sehr.“
Veronika Bichler, Klassenlehrerin der 7a und Umweltbeauftragte der Schule brachte die Bienenidee an. „Privat habe ich auch seit einem Jahr Bienen und bin begeisterte Hobbyimkerin. Ich glaube, ich habe meine Schüler mit dieser Begeisterung angesteckt“, kommentiert sie lachend. „Wir lernen gemeinsam. Das ist ganz wunderbar.“ Wenn früher die Kinder kreischend das Weite gesucht haben, wenn sich Insekten in die geöffneten Klassenzimmerfenster verirrten, so reckten die Schüler nun die Hälse, um die Insekten genauer zu beobachten. Auch ihre Schüler schauten am Morgen zuallererst, was die Bienen machen.
„Da wächst ganz nebenbei ein ökologisches Bewusstsein, ein Bewusstsein fürs große Ganze und die Zusammenhänge der Welt. Etwas Schöneres kann ich mir für die Schüler gar nicht wünschen“, freut sich Bichler. Die Bienen und das Material seien eine Spende vom Imkerverein in Starnberg. „Alles Weitere haben wir gemeinsam erledigt. Rahmen spannen, Kästen bemalen, Drähte und Mittelwände verlöten, Schlupflöcher ausfeilen. Hier sitzt jeder Handgriff. Da sind einige Schüler auch nach dem Unterricht noch schwer beschäftigt gewesen“, meint sie anerkennend.
Rauch verwendet Bichler während der Bienenbetreuung übrigens nicht, denn bei den Gautinger Mittelschulbienen handle es sich um eine „sehr gelassene Kärntner Art“, wie sie anführt. Im Moment werden die Bienen wöchentlich mit Stärkungssirup gefüttert, denn die beiden Völker sind im Wachstum. „Deswegen schleudern wir auch noch keinen Honig. Vielleicht beginnen wir damit im nächsten Schuljahr.”
Ab September können auch Schüler aus anderen Klassen zum Bienenwächter und -pfleger werden. „Wir planen eine Arbeitsgemeinschaft für alle“, bestätigt auch Wiese. „Bis jetzt profitiert schon die ganze Schule von den Bienen. Das wollen wir weiter fördern. Vielleicht gründen wir neben unserem Pausenverkauf auch eine zweite Schülerfirma, die sich ausschließlich um die Bienen kümmert. Schließlich steckt sehr viel Arbeit darin. Und irgendwann haben wir sicherlich viel Honig zum Verkaufen.“
Die Kinder aus der 7a wollen von Honigverkauf aber noch nichts wissen. „Der Honig, der im Moment in den Bienenstöcken ist, gehört den kleinen Bienen“, bestätigt Siebtklässler Kevin mit Sachkenntnis. „Später ist vielleicht etwas übrig“, so sein Klassenkamerad Furkan. „Aber den allerersten Honig, den wollen wir selber essen. Das wird ein leckeres Frühstück!“