Veröffentlicht am 05.01.2009 14:02

Uland Spahlinger wird Bischof in der Ukraine

Vor neuen Herausforderungen: Pfarrer Uland Spahlinger und seine Frau Christine. (Foto: job)
Vor neuen Herausforderungen: Pfarrer Uland Spahlinger und seine Frau Christine. (Foto: job)
Vor neuen Herausforderungen: Pfarrer Uland Spahlinger und seine Frau Christine. (Foto: job)
Vor neuen Herausforderungen: Pfarrer Uland Spahlinger und seine Frau Christine. (Foto: job)
Vor neuen Herausforderungen: Pfarrer Uland Spahlinger und seine Frau Christine. (Foto: job)

»Es ist Zeit für einen Wechsel«, erzählt Uland Spahlinger: Am 1. Januar hat er sein 15. Jahr als Pfarrer der Simeonsgemeinde in Kleinhadern vollendet und kurz davor feierte er seinen 50. Geburtstag. Was Pfarrer Spahlinger einen »Wechsel« nennt, ist für ihn und seine Frau Christine ein vollständiger Neuanfang und führt die beiden in die ukrainische Millionenstadt Odessa. In der Metropole am Schwarzen Meer wird der Pfarrer aus Kleinhadern für die nächsten fünf Jahre das Bischofsamt der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) übernehmen. Am 22. Oktober ist Uland Spahlinger bereits in das Amt als bischöflicher Visitator der DELKU eingeführt worden; seither bereitet er sich intensiv auf seine neuen Aufgaben vor und steht per Mail und Telefon nahezu täglich in Kontakt mit der Kirchenkanzlei in Odessa. Sein künftiges Bistum hat Uland Spahlinger bei einigen Besuchen bereits etwas kennengelernt. Nach einem sechswöchigen Russisch-Kurs wird er im April seinen Dienst in der Ukraine antreten und von der dortigen Synode im Herbst zum Bischof gewählt. Bayerische Pfarrer helfen seit 1991 beim Aufbau der kleinen evangelischen Kirche in der Ukraine, die erst nach dem Ende der UdSSR wiedererstand. In der Ukraine (sie ist das zweitgrößte Land Europas und doppelt so groß wie die Bundesrepublik) trägt Spahlinger die Verantwortung für alle 35 Gemeinden der DELKU. »Ich werde viel unterwegs sein«, meint der künftige Bischof, denn er möchte zumindest einmal im Jahr jede seiner Gemeinden besuchen. Die liegen über das gesamte riesige Land verstreut und sind oft sehr klein. Es gibt Gemeinden, die nur 30 bis 50 Mitglieder zählen. Im ganzen Land gehören der DELKU rund 5.000 Gläubige an (die Kleinhaderner Simeonsgemeinde zählt 3.000). Unter Spahlingers Leitung versehen hier 15 Pastoren ihren Dienst; einen neuen Pastor aus Polen hat er dieser Tage in sein Amt eingeführt. Für das Amt des ukrainischen Bischofs hat die bayerische Landeskirche einen Pfarrer gesucht, der Erfahrungen in der Ökumene, im Ausland und mit Leitungsaufgaben hat. Über all das verfügt Uland Spahlinger. Ehe er 1994 nach Kleinhadern kam, war er vier Jahre lang Pfarrer in Papua-Neuguinea. Im Dekanat München war er zuletzt Ökumenebeauftragter. Diese Erfahrungen werden ihm in der von den orthodoxen Kirchen geprägten Ukraine (fast 50 Prozent der Ukrainer sind orthodoxe, aber nur weniger als drei Prozent evangelische Christen) hilfreich sein. Vor der DELKU-Synode unterstrich Uland Spahlinger, es gehe ihm als Bischof in erster Linie um Respekt und Offenheit gegenüber den in der Ukraine vorhandenden Traditionen. An diese will er anknüpfen und der ukrainischen Kirche helfen, ihr eigenes evangelisches Profil zu entwickeln. Die Herausforderungen, vor denen Spahlinger und die von ihm betreuten Gemeinden stehen, sind vielfältig: Verfallene Kirchen müssen wieder aufgebaut werden, kirchliche Strukturen sind zu festigen, Theologen und Mitarbeiter müssen ausgebildet werden und die diakonische Arbeit ist weiterzuentwickeln, damit die Kirche Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen kann. Zudem ist Spahlinger als Bischof in Odessa Ansprechpartner für die staatlichen Stellen, die Öffentlichkeit und die anderen Kirchen. Die Ukraine erlebt Uland Spahlinger als »ein Land in einer volkswirtschaftlich labilen Zeit.« Die meisten Menschen leiden unter der galoppierenden, dramatischen Inflation, die politischen Spannungen sind mitunter deutlich spürbar. »Das alles macht sich bemerkbar und macht für die Menschen, die ohnehin nicht viel haben, das Leben sehr schwierig«, erzählt Spahlinger, »die Schere zwischen Armen und Superreichen öffnet sich rasant!« In den Gemeinden ist das Bewusstsein, dass man caritativ tätig sein muss, daher ausgeprägt. Gleichwohl können die Gemeinden selbst ohne Unterstützung nicht überleben. »Es gibt viel Not im Land«, weiß Pfarrer Spahlinger (AIDS ist nur eines der großen Probleme) und entsprechend groß sind die Aufgaben der Kirche. »Die evangelische Kirche versteht sich seit jeher als Kirche, die sich mit anderen Weltsichten auseinandersetzt und die sich in die kulturelle, politische und diakonische Arbeit einbringt«, erklärt der künftige Bischof: »Wir wollen als Kirche im Rahmen unserer Möglichkeiten eine konstruktive Rolle spielen.« Die Arbeit vor Ort ist für den Seelsorger in der Ukraine daher im Grunde nicht anders als in Kleinhadern. »Der Unterschied ist«, meint Uland Spahlinger schmunzelnd, »dass man Kleinhadern mit dem Fahrrad bereisen kann!« Christine Spahlinger wird ihrem Mann im Sommer nach Odessa folgen und ihren Beruf als Lehrerin ebenso wie ihr Mandat im Bezirksausschuss Hadern aufgeben. In die Aufbruchsstimmung mischt sich bei den Spahlingers natürlich auch Wehmut: »Wir lassen viele berufliche und menschliche Beziehungen in München zurück, aber wir hoffen, dass viel davon erhalten bleibt!«

Deutsche Kirche in der Ukraine

Nachdem Zarin Katharina II. das nördliche Schwarzmeergebiet von den Osmanen erobert hatte, lud sie ausländische Siedler in das Steppenland ein. Ab 1787 kamen auch deutsche Einwanderergruppen über Odessa nach »Neurussland.« Vor allem entlang der Schwarzmeerküste entstanden etliche ev.-luth. Gemeinden, die ihre Gottesdienste in deutscher Sprache feierten. In der Sowjetzeit wurde diese von den Deutschen gegründete ev.-luth. Kirche völlig ausgelöscht. Als mit dem Ende der UdSSR Städtepartnerschaften zwischen der Ukraine und Deutschland geknüpft wurden, brachten sich auch die ev. Gemeinden ein. 1990 übernahm die bayerische Landeskirche (in der EKD) den Aufbau der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU). Aus den anfangs vier kleinen Gemeinden sind inzwischen gut 35 kleinere und größere in der ganzen Ukraine gewachsen. Die Synode in der Ukraine hat sich ausdrücklich für die Beibehaltung des Namens »Deutsche Evangelische-Lutherische Kirche in der Ukraine« ausgesprochen - nicht als Plädoyer für die Kirche einer nationalen Minderheit, sondern als Bekenntnis zu einer Tradition, in der sich die Frömmigkeit der Schwarzmeerdeutschen mit den neuen Möglichkeiten eines gelebten Glaubens in einer modernen Welt verbindet.

Verabschiedung am 15. Februar

Am Sonntag, 15. Februar, verabschiedet die Simeonsgemeinde ihren Pfarrer Uland Spahlinger. Der Gottesdienst wurde dazu auf den Nachmittag verlegt und beginnt um 15 Uhr.

north