Bereits Ende 2011 verkündeten die im Regionalwerk zusammen geschlossenen Gemeinden Gauting, Krailling und Planegg: „Es gibt uns als Regionalwerk. Das ist ein gewaltiger Schritt in Richtung Unabhängigkeit unserer Kommunen”, meinte damals die Bürgermeisterin von Gauting, Brigitte Servatius. Mit 51 Prozent der Anteile sind die drei Mehrheitseigner, Partner des Konstrukts sind die Münchner Stadtwerke. Seit 1. April 2012 vertreibt das Regionalwerk Würmtal (RW) seinen eigenen Strom.
Nun, zwölf Monate und knapp 2.000 Kunden später, hat das RW insgesamt eine Leistung von sieben Millionen Kilowattstunden erbracht. „Unser Ziel ist bis zum Ende dieses Jahres eine Leistung von 13 Millionen Kilowattstunden“, erklärt RW-Geschäftsführer Peter Michalek. „Damit liegen wir sehr gut im Rennen.” Das RW sei erfolgreicher als geplant, freut er sich.
Erklärtes weiteres Ziel der Gemeinden ist die Übernahme des gesamten Stromnetzes vom vormaligen Konzessionsbetreiber E.On Bayern AG. „Die Gesetzeslage ist eindeutig“, betont RW-Pressesprecherin Charlotte Rieboldt, „wenn der Altnetzbesitzer die Konzession nicht mehr wiedererlangt, ist er verpflichtet, das Netz an seinen Nachfolger abzugeben.“
Eigentlich sollte das Netz schon Anfang 2013 in die Hände der Gemeinden übergehen. Dies verhinderte allerdings die E.On-Klage. Der Energieriese fechte das angeblich wenig transparente Vorgehen bei der Konzessionsvergabe durch die drei beteiligten Gemeinden an und sehe darin unrechtmäßige Absprachen, wie Rieboldt zusammenfasst. Außerdem halte das Energieunternehmen die Erfolgsgarantien durch die Stadtwerke München für unzulässig.
„Wir denken, dass sich dieser Rechtsstreit noch bis Herbst hinziehen wird“, so Rieboldt. Inzwischen gab es eine weitere Klage von E.On. „Wir hatten eine Unterlassungsforderung auf dem Tisch.“ Demnach forderte E.On, Beratung und Vertrieb von Strom in den Rathäusern und dem Bürgerbüro Stockdorf durch gemeindeeigene Mitarbeiter zu unterlassen. „Das Regionalwerk Würmtal musste dieser Forderung in einer Güteverhandlung am 21. März stattgeben“, so Michalek.
Bei den Bürgermeisterinnen der beteiligten Gemeinden, Christine Borst, Brigitte Serbvatius und Annemarie Detsch kam dieser neuerliche E.On-Vorstoß nicht gut an. „Das ist eine extrem bürger- und kundenunfreundliche Haltung“, schimpfte Detsch. „Die Gemeinden sind schließlich mehrheitlich am Regionalwerk beteiligt. Warum sollen wir dann nicht unser Geschäftsmodell selbst betreiben?“
Um die laufenden Geschäfte nicht ins Stocken geraten zu lassen, entschied sich das RW für die Güteverhandlung. „Nun werden wir uns als Gemeinden zusammensetzen und geeignete Wege finden, die Beratungen vor Ort mit externen Mitarbeitern zu regeln“, erläutert Detsch.
Insgesamt seien die Gemeinden sehr zufrieden mit dem erfolgreichen ersten RW-Jahr. „Die Kundenentwicklung der vergangenen Monate hat uns schon sehr positiv überrascht“, so Detsch weiter. Die knapp 2.000 RW-Kunden kämen natürlich vorwiegend aus dem Würmtal. Doch auch aus Gräfelfing mit rund 80 Kunden und aus weiter entfernten Orten wie Attenkunstadt, Prien, Bad Griesbach, Weilheim, Unterammergau, Bad Bayersoien oder Wolfratshausen kämen Kunden.
„Wir merken deutlich, dass die Menschen den regionalen Gedanken der Stromversorgung begrüßen“, sagt Detsch. „Energie ist eine wichtige Daseinsvorsorge, die gehört auch in regionale Hand, wie wir meinen.“ Vor allem weil spätere Erlöse direkt in die Gemeindekassen fließen und vor Ort ausgegeben werden können. „Unsere Kunden unterstützen genau diese Idee. Das freut uns sehr.“