Während Grund- und Mittelschulen bei ausfallenden Lehrern auf eine mobile Reserve zurückgreifen können, müssen Realschulen und Gymnasien selbst sehen, wie sie mit dem Problem fertig werden. Denn hier herrscht das Fachlehrerprinzip. Wenn also wie derzeit in Germering ein Mathematik- und Physiklehrer fehlt, dann kann dieser nur durch einen mathematisch versierten Vertreter ersetzt werden. „Oft kann ein Lehrerausfall aber durch Mehrarbeit der vorhandenen Lehrer kompensiert werden“, erklärt Christoph Breuer, Schulleiter der Realschule Unterpfaffenhofen. Falls absehbar ist, dass eine Lehrkraft länger als vier Wochen ausfällt, könne beim Ministerialbeauftragten ein Ersatz angefordert werden. Die Schule kann sich auch selbst um Aushilfen kümmern. Oft werden ehemalige Lehrer wieder verpflichtet oder andere für den Unterricht geeignete Personen gesucht. „Das ist ganz von den Fächern abhängig“, erklärt Breuer.
Falls es ganz eng wird, werden an der Realschule schon mal kleine Lerngruppen zusammengelegt. Normale Klassen können allerdings nicht kombiniert werden. „Das wären dann bis zu 60 Schüler in einem Klassenraum. Das geht schon allein aus räumlichen Gründen nicht“, meint Breuer, außerdem muss auch die Sicherheit der Schüler gewährleistet werden.
Falls an der Realschule Unterpfaffenhofen Lehrer ausfallen, versucht die Schule in den betroffenen Klassen Lehrer einzusetzen, die die Kinder bereits kennen und die in ihrem Stoff weitermachen können. Darüber hinaus gibt es allgemeine Themen, die von allen Lehrern unterrichtet werden können. Das sind beispielsweise die Sicherheitserziehung oder die Leseförderung. „Freistunden gibt es nur als allerletzte Notlösung“, betont Breuer.
Die ausfallenden Unterrichtsstunden sind an seiner Schule immer wieder Thema. Deswegen hat die Schule im letzten Schuljahr zwischen Januar und Juli eine Statistik geführt. Insgesamt hätten die 33 Klassen mit insgesamt 900 Schülern 1235 Unterrichtsstunden pro Woche gehabt. Bei 270 Unterrichtsstunden gab es Änderungen vom Stundenplan, davon wurden 193 Stunden vertreten. Bei weiteren 21 Stunden konnten kleine Klassengruppen (z.B. Religion) zusammengefasst werden, so dass unterm Strich tatsächlich nur wenige Stunden ganz ausfallen mussten. „Wenn man die Zahl im Verhältnis zur Gesamtstundenzahl betrachtet, dann ist das nicht viel“, meint Breuer.
Wichtig sei es die Ursachen für den Stundenausfall zu hinterfragen. Meist seien sie nicht ein „kranker Lehrer“, sondern „organisatorische Gründe“. Da ist ein Lehrer auf Fortbildung oder es finden besondere Projekte an der Schule statt, mal stehen Klassen-Exkursionen auf dem Programm oder Referenten kommen an die Schule.
„Wir wollen die Außenwelt in die Schulen holen“, betont Breuer. Das gehe aber nur, wenn man vom Stundenplan abweiche. Die 65 Lehrer an der Realschule versuchen meist das Problem zu lösen, indem sie freiwillig Stunden übernehmen. „Wenn meine Lehrer zu sehr und zu lange zusätzlich belastet werden, dann werden sie krank“, befürchtet Breuer. Außerdem hätten einige Teilzeitkräfte zuhause kleine Kinder oder betagte Eltern zu betreuen und könnten nicht Überstunden ohne Ende schieben. Es sei aber fast schon die Regel, dass die Lehrer insgesamt bis zu 100 Stunden in der Woche zusätzlich arbeiteten, bedauert Breuer. Wie das Problem des „Stundenausfalls“ gelöst werden könnte, darüber hat sich Breuer bereits Gedanken gemacht. Sein Vorschlag wäre es Fachlehrer in den Kernfächern als eine Art mobile Reserve vorzuhalten. Dafür könnten der Schule beispielsweise zwei bis drei zusätzliche Lehrerstunden in den Kernfächern gewährt werden. „Das würde viel Druck aus unserem Alltag nehmen“, so Breuer.