Veröffentlicht am 19.05.2011 09:06

„Wir bleiben selbstständig“

Frisch vermählt: Der 88-jährige Günter Mellinghaus und seine 87-jährige Frau, die Malerin Gisela Dabbert. (Foto: sb)
Frisch vermählt: Der 88-jährige Günter Mellinghaus und seine 87-jährige Frau, die Malerin Gisela Dabbert. (Foto: sb)
Frisch vermählt: Der 88-jährige Günter Mellinghaus und seine 87-jährige Frau, die Malerin Gisela Dabbert. (Foto: sb)
Frisch vermählt: Der 88-jährige Günter Mellinghaus und seine 87-jährige Frau, die Malerin Gisela Dabbert. (Foto: sb)
Frisch vermählt: Der 88-jährige Günter Mellinghaus und seine 87-jährige Frau, die Malerin Gisela Dabbert. (Foto: sb)

Es ist wie die Geschichte der Königskinder, die nie zusammen gefunden haben. Zumindest fast. Gisela Dabbert und Günter Mellinghaus kennen sich seit 1944, waren damals ein Paar und wollten heiraten. Ihre Geschichte könnte ein ganzes Buch füllen. In Kürze lässt sich ihr Leben ungefähr so darstellen: Die Beiden haben sich nach dem Krieg aus den Augen verloren. Jeder lebte sein Leben. Mellinghaus hat geheiratet und ist Vater von fünf Kindern. Dabbert hat zwar nicht geheiratet, „das heißt aber nicht, dass ich solo durchs Leben gegangen bin“, erzählt die gebürtige Berlinerin lachend. Das Happy End gab es am 10. März diesen Jahres. An diesem Tag sind sie nun doch noch den Bund fürs Leben eingegangen – mit 87 beziehungsweise 88 Jahren.

„Wir hatten in all den Jahren keinen Kontakt“, erzählt Mellinghaus. Bis auf eine Ausnahme: 1983 hatte der heute 88-Jährige beruflich in der Landeshauptstadt zu tun und lud Dabbert, die sich auch als Landschaftsmalerin einen Namen gemacht hat, zum Abendessen ein. „Über Giselas Mutter wusste ich, dass sie in München lebt und habe sie einfach angerufen“, erinnert er sich. „Ein schöner Abend“, sagt Dabbert. „Irgendwann hat Günter seine Brieftasche hervorgeholt und mir ein Foto gezeigt. Von damals, als wir zusammen waren. Er hatte es all die Jahre immer dabei.“ Trotzdem haben sich die Beiden danach wieder aus den Augen verloren.

Erst 2005, Mellinghaus‘ Frau war mittlerweile verstorben, kamen die beiden endgültig zusammen. Ein Jahr später zog der Pädagoge von Reutlingen nach München. „Wir haben uns erstmal wieder kennen gelernt und wussten, dass wir zusammenbleiben“, erzählt er. Trotz Heirat habe man aber getrennte Wohnungen, sagt Dabbert. „Wir sind beide selbstständig und bleiben das auch.“ Weit voneinander entfernt wohnen sie aber nicht, denn die beiden trennt nur ein Hauseingang. „Wenn es regnet oder schneit, können wir in Hausschuhen durch den Keller gehen“, erzählt Mellinghaus. Die Beiden sind viel unterwegs, reisen oft oder verbringen Zeit mit Freunden oder der Familie. „Um den Geist frisch zu halten, spielen wir viel, zum Beispiel Backgammon, Scrabble oder Triomino“, erzählt die 87-jährige Malerin.

Gisela Dabbert und Günter Mellinghaus – Zwei, die sich nach vielen, vielen Jahren wieder gefunden haben und ihr Glück nun gemeinsam leben. „Oft ist es zwischen uns so, dass wir uns gar nichts sagen müssen und trotzdem Bescheid wissen“, sagt Mellinghaus. Obwohl beide sehr verschieden seien. Seine Frau bringt die Sache auf den Punkt: „Wir haben uns eben einfach gern.“

north