Die genaue Vorstellung von einem Schokoriegel macht nicht dick, kann aber satt machen. Wer nur ausführlich genug an Essen denkt, bekommt nach amerikanischen Forschungsergebnissen nicht mehr Appetit, sondern weniger. Bislang war die Auffassung weit verbreitet, dass man beim Denken an zum Beispiel einen Braten auch Appetit auf einen solchen bekommt. Nach den Ergebnissen der Wissenschaftler ist es aber komplizierter: Zwar macht der flüchtige Gedanke an eine Speise Appetit, je detaillierter man sich jedoch vorstellt, sie zu essen, umso stärker schrumpft der Appetit. Die Resultate zeigen, dass es grundsätzlich verkehrt ist, die Gedanken an begehrte Speisen zu unterdrücken, um seinen Appetit zu zügeln. Die Wissenschaftler hatten einige Probanden gebeten, sich das Essen von Schokoladendragees vorzustellen. Andere sollten an das Einwerfen von Münzen denken, jeweils mit unterschiedlicher, aber genau festgelegter Anzahl. Anschließend wurden allen die Bonbons angeboten - wer sie vorher schon in Gedanken gegessen hatte, griff jetzt weniger zu. Die Forscher rechnen das der Gewöhnung (Habituierung) an den Appetitreiz zu. Habituierung ist einer der fundamentalen Prozesse, die bestimmen, wie viel wir konsumieren, wann wir aufhören, und wann wir dazu übergehen, etwas anderes zu konsumieren. Zu einem gewissen Grad ist die reine Vorstellung einer Erfahrung ein Ersatz für tatsächliche Erfahrung. Der Unterschied zwischen mentaler Vorstellung und tatsächlicher Erfahrung mag sehr viel kleiner sein als bisher angenommen.