Veröffentlicht am 17.08.2010 09:53

Vorfahrt für Radler im Westend

Die Gollierstraße zwischen Bergmann- und Schießstättstraße soll „Fahrradstraße” werden. (Foto: tg)
Die Gollierstraße zwischen Bergmann- und Schießstättstraße soll „Fahrradstraße” werden. (Foto: tg)
Die Gollierstraße zwischen Bergmann- und Schießstättstraße soll „Fahrradstraße” werden. (Foto: tg)
Die Gollierstraße zwischen Bergmann- und Schießstättstraße soll „Fahrradstraße” werden. (Foto: tg)
Die Gollierstraße zwischen Bergmann- und Schießstättstraße soll „Fahrradstraße” werden. (Foto: tg)

Radler sollen künftig besser und sicherer durchs Westend kommen als das bislang der Fall ist. Um das zu erreichen, sind im Viertel Fahrradstraßen geplant. Auf etlichen Einbahn-Straßen und Radwegen soll der Radverkehr in beiden Richtungen möglich sein. Der Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe (BA 8) reichte dafür, angeregt durch das Kreisverwaltungsreferat (KVR), konkrete Vorschläge ein. Das Amt wird jetzt in Zusammenarbeit mit dem Bau- und Planungsreferat prüfen, ob und in welcher Weise die Vorschläge umzusetzen sind. Die Vorsitzende des Unterausschusses Verkehr im BA, Myriam Schippers (Grüne), schlug vor, die Gollierstraße zwischen Bergmann- und Schießstättstraße als eine solche Fahrradstraße zu beschildern. Ebenso die Schwanthalerstraße zwischen Ganghofer- und Schießstättstraße. Das kommentierte Gerhard Mayer (SPD) mit: „Das ist sinnvoll.“

Mayer regte an, überdies „Zwei-Richtungs-Fahrradwege“ einzurichten. Und zwar auf der Westseite der Trappentreustraße zwischen Tulbeck- und Westendstraße. Auch der Abschnitt der Schwanthalerstraße zwischen Ganghofer- und Ligsalzstraße, der eine Einbahnstraße ist, soll für den Zwei-Richtungs-Verkehr gekennzeichnet werden. Geht’s nach dem Lokalparlament wird der Radweg am Oda-Schäfer-Weg in Richtung Hans-Fischer-Straße – also auf der der Wiesn zugewandten Seite – ebenfalls in zwei Richtungen zum Radeln freigegeben werden.

Zeichen 244 StVO „Fahrradstraße“

Die Schwanthalerhöhe profitiert – falls die Vorschläge in die Tat umgesetzt werden – von einem Grundsatzbeschluss des Stadtrates, den der im Jahr 2009 gefasst hat. Er soll den Radverkehr in München fördern und sicherer machen. Zu den dafür nötigen „Maßnahmen” zählt das Anlegen von Radfahrstreifen, Radwegen und Abstellplätzen ebenso wie das Öffnen von Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr und das Einrichten von Fahrradstraßen. In München wurden bisher 16 Fahrradstraßen ausgewiesen – vor allem in Tempo-30-Bereichen. Vorschläge für Fahrradstraßen, die von Bezirksausschüssen und aus der Bevölkerung kommen, sollen demnächst auf ihre Eignung geprüft werden.

„Fahrradstraßen” sind Wege, die durch das in der Straßenverkehrsordnung (StVO) unter der Nummer 244 geführte Verkehrsschild gekennzeichnet sind. Sie sollen „vor allem dem Radverkehr vorbehalten” bleiben. Der Verkehr mit anderen Fahrzeugen ist auf Fahrradstraßen nur dann erlaubt, wenn das durch entsprechende Zusatzzeichen ausdrücklich gestattet wird. Fahrzeuge, die Fahrradstraßen benutzen, dürfen höchstens mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern fahren. Die Radler dürfen weder gefährdet noch behindert werden. Falls notwendig, muss das Tempo von „Kraftfahrzeugen” entsprechend verringert werden. Die Vorzüge des neuen Typs der Straße beschreibt das Kreisverwaltungsreferat (KVR) so: „Fahrradstraßen sind aufgrund dieser Verkehrsqualitäten insbesondere für Hauptverbindungen des Radverkehrs beziehungsweise bei hohem Radverkehrsaufkommen geeignet.”

765 verletzte Radler im ersten Halbjahr 2010

München wolle die „Radlhauptstadt Europs” werden, so jedenfalls tönt es aus dem Rathaus. Schon jetzt seien 14 Prozent der Verkehrsteilnehmer Radler, mehr als in jeder anderen deutschen Großstadt, erklärte kürzlich Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne). Das mit der Radlhauptstadt wird wohl noch etwas dauern. Zum Vergleich: Kopenhagen hat eine Radler-Quote von 40 Prozent. Und das westfälische Münster mit seinen 275.000 Einwohnern hat ein bestens ausgebautes Radwegenetz und am Bahnhof das Fahrradhaus „Radstation Münster” mit Fahrradwaschanlage. Von den täglich etwa 1,3 Millionen Fahrten in Münster werden etwa 40 Prozent mit einem Fahrrad bewältigt. Im Jahre 2007 wählten die Leute von Münster das Fahrrad am häufigsten als ihr Verkehrsmittel. Das Radwegenetz der Landeshauptstadt München, von dem gesagt wird, es erstrecke sich über 1200 Kilometer, soll „noch” dichter werden.

Der jüngste Marketingeinfall fürs Image als Stadt der Radfahrer ist ein sogenannter Radl-Joker. Der soll „Radl-Rambos” aufspüren. Die Figur soll helfen, Radlern klar zu machen, dass Vorschriften beachtet und auf die schwächeren Fußgänger Rücksicht genommen werden muss. Damit liegt in der Radl-Hauptstadt in spe einiges im Argen. Allein im ersten Halbjahr 2010 zählte die Polizei 898 Radunfälle. 765 Radler wurden verletzt, zwei getötet. Häufigstes Fehlverhalten: Sie missachten das rote Licht von Ampeln. Und – nur 20 Prozent aller Münchnerinnen und Münchner die radeln, tragen dabei einen Helm.

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