Veröffentlicht am 18.07.2019 16:42

„Die Hoffnung ist illusorisch”

Das Sicherheitskonzept zur „Selbstrettung“ beim Starnberger B2-Tunnel verdient den Namen nicht: Diesen Vorwurf erhebt die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung - Contra Amtstunnel“. Es gelte das Prinzip „Rette sich wer kann“, so ihr Sprecher Georg Stahl. Dies dürfte den allerwenigsten im Katastrophenfall gelingen, mit Sicherheit nicht Kindern, alten Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Rettung über Rettungsschächte mit „haushohen“ Treppenhäusern werde seit Jahren beim Bau von Verkehrstunneln abgelöst durch befahrbare Rettungsstollen / Rettungsröhren, die parallel zum Tunnel laufen und mit diesem durch Querstollen als Fluchtweg verbunden sind.

„Unlösbare Probleme”

Stahl verweist darauf, dass das Sicherheitskonzept der zweiten S-Bahn-Stammstrecke grundlegend geändert werden müsse, obwohl das Projekt ohnehin zwei getrennte Richtungstunnels aufweise. Doch das Rettungssystem über Schächte müsse „wegen unlösbarer Probleme ersetzt werden durch eine dritte, befahrbare Rettungsröhre.” Die Umplanung sei spektakulär, weil die neue S-Bahn-Stammstrecke bereits im Bau ist.

BI und WPS haben seit Baugenehmigung des B2-Tunnels im Jahr 2008 das Sicherheitskonzept „Selbstrettung“ mit Rettungsschächten heftig kritisiert und im Januar 2011 einen Antrag im Stadtrat gestellt, „das veraltete und nicht behindertengerechte Sicherheitskonzept des B2-Entlastungstunnels durch die Forderung nach einem sicherheitstechnisch zeitgemäßen und parallellaufenden befahrbaren Rettungsstollen nachbessern zu lassen“.

Der Antrag wurde von der Mehrheit der Stadträte abgelehnt, weil man befürchtete, das ganze Projekt könnte damit gefährdet werden. Dabei sei die Sicherheit das oberste Gebot, wenn es um Menschenleben geht. Die schrecklichen Unfälle, die sich immer wieder in Straßentunnels ereignen, zeigen die konkrete und nicht nur herbeigeredete Lebensgefahr. Jeder Stadtrat trage hier eine große Verantwortung.

Nach Anhörung der Starnberger Feuerwehr sowie des Gutachters der Stadt Dr. Dirk Schneider seien die geplanten Rettungsschächte mit Treppenhäusern über mehrere Stockwerke auch in Starnberg ein bisher ungelöstes Problem. „Wir meinen, das gesamte Sicherheitskonzept muss abgeändert werden, zumal noch weitere Risiken des einröhrigen B2-Tunnels mit Gegenverkehr hinzukommen, wie fehlende Trennwand zwischen den Richtungsfahrbahnen, unüberwindbare Längsneigung des Tunnels für Rollstuhlfahrer oder schmalste Gehsteige entlang der Fahrbahn”, so Stahl.

„Geisterbahn mit Gegenverkehr”

Die Hoffnung der Tunnelfreunde, die Hauptstraße würde entlastet und zu einer Idylle werden, sei illusorisch. Man müsse nicht klaustrophobisch veranlagt sein, wenn man den B2-Tunnel, sollte er denn kommen, wie eine 2.000 m lange „Geisterbahn mit Gegenverkehr“ meide und „oben umfährt“. Die Politik sollte mehr auf die Technik hören, so die BI: Das Projekt sei eine Fehlplanung! Das Wort „B2-Entlastungs-Tunnel“ sei von der Technik längst gestrichen. Mit der Westumfahrung werde die Stadt bereits zu 50 % vom Durchgangsverkehr befreit. „Ergänzen wir diese geduldig mit einer Nordumfahrung, dann ist die 100% Entlastung der Stadt auch auf den Staatsstraßen komplett”, so Stahl. „Von dieser Baustelle würden die Starnberger genauso wenig beeinträchtigt werden wie vom Bau der Westumfahrung.”

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