In dieser Villa am Ortsrand von Berg wurde Musikgeschichte geschrieben, auch wenn es keine Erinnerungstafel dazu gibt. Dass Arnold Schönberg 1911 in der Seeshaupter Straße 14 die Sommerfrische verbrachte und an seinen wegbereitenden Werken der Moderne arbeitete, hat der Söckinger Musikwissenschaftler Christian Lehmann herausgefunden. Dank seiner akribischen Recherchen förderte er zu Tage, dass der Komponist sich bei der Familie des Zimmerermeisters Widl einquartierte, die dort Fremdenzimmer an Sommergäste vermietete.
Schönberg ist der Erfinder der berühmten Zwölftonmusik. In Berg hat er das Musikdrama „Die glückliche Hand“ komponiert, wie er seinem Schüler Alban Berg in einem Brief berichtete. Überliefert ist ein weiteres Ereignis von historischem Interesse. Während seines Ferienaufenthalts lud Schönberg einen befreundeten Revolutionär der malenden Zunft zu sich nach Berg ein: Wassilij Kandinsky. Der in Murnau lebende Künstler nahm am 29. August 1911 den Zug nach Tutzing und stieg dort in den Dampfer um. Schönberg erwartete ihn am Steg in Berg.
Kaum ist dieser Beitrag zur Musikhistorie entdeckt, hat das Haus die längste Zeit Geschichte geschrieben. Die ehemalige Sägerei in der Seeshaupter Straße steht seit längerem leer und ist schon sichtlich heruntergekommen. Es wurde an eine Immobiliengesellschaft verkauft, die es abreißen und stattdessen vier Reihenhäuser mit insgesamt 24 Wohnungen errichten will. Möglich ist das, weil das Haus nicht unter Denkmalschutz steht.