Nur wenige Orte haben einen solchen Reichtum an schönen alten Villen, Bauernhöfen, Geschäfts- und Fischerhäusern vorzuweisen wie Tutzing. Auch das Schloss und das Kloster gehören dazu. Ein neuer Katalog verzeichnet fast 80 Baudenkmäler. Auf fünf Spaziergängen lassen sich die historischen Gebäude erkunden.
Es war eine schöne Feierstunde im Tutzinger Rathaus. Bürgermeisterin Marlene Greinwald konnte viele Eigentümer persönlich begrüßen und würdigte deren Engagement, ihre Häuser zu renovieren und für die nachfolgenden Generationen zu bewahren: „Sonst gäbe es viele vielleicht schon gar nicht mehr.“ Eigentlich hatte sie auch den ehemaligen Kreisheimatpfleger Gerhard Schober begrüßen wollen, der den Katalog namens „Denkmalgeschützte Häuser in Tutzing“ aus der Taufe heben sollte, doch dieser war kurzfristig erkrankt. In seinem Grußwort unterstrich er die Bedeutung des historischen Erbes für das Tutzinger Ortsbild.
Entstanden ist die Idee zum Katalog zur 1275-Jahr-Feier letztes Jahr. Elke Schmitz und Stefanie Knittl vom ortsgeschichtlichen Arbeitskreis gaben den Anstoß für eine Ausstellung aller unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, wer sie geplant und gebaut hatte, wie sie früher aussahen, wem sie im Lauf der Zeit gehörten und wie sie heute genutzt werden. Wegen der begeisterten Resonanz auf „Häuser als Denkmäler - Erinnerung und lebendige Gegenwart“ entschloss man sich den nächsten Schritt zu gehen, und die Fotos der schönen alten Häuser zusammen mit ihrer Geschichte in einem Katalog zusammenzustellen. Beim Recherchieren half Gemeindearchivarin Roswitha Duensing. Alte und neue Fotos (von Heidi Gläsener) erlauben den Vergleich zwischen früher und heute.
„Er soll kein Prestigewerk fürs Bücherregal werden, sondern ist bewusst schlicht gehalten und dient zum Nachschlagen“, hob Kulturreferentin Brigitte Grande hervor.
Enthalten ist auch ein Ortsplan mit fünf Routen, so dass man sich die 79 Häuser erwandern und den Katalog dazu einstecken kann.
In Tutzing haben viele bedeutende Persönlichkeiten gelebt, die architektonische Spuren hinterlassen haben. Johannes Brahms (Brahmshaus) wohnte hier, ebenso wie das Sängerehepaar Therese und Heinrich Vogl („Fischkäufl“), die Kinderbuchautorin Maria Thudichum (Thudichum-Villa). General Ludendorff hatte in der Mühlfeldstraße seinen Alterssitz. Die 1922 errichtete Villa wurde 2010 unter Denkmalschutz gestellt. Die Geschichte der Gebäude reicht mindestens bis ins 19. Jahrhundert zurück, das älteste Haus aber ist das Vetterlhaus aus dem 17. Jahrhundert, wo einst Hirten und Arme wohnten. Entlang der Hauptstraße reihte sich schon früher die Geschäftswelt Tutzings. Der Dorfbader Eckerl frisierte im gleichnamigen Haus (heute Parfümerie) seine Kundschaft, im 1895 errichteten Tutzinger Hof traf man sich zum Bier und Schweinsbraten. Die Gaststätte ist allerdings bereits im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt und war unter Namen wie „Gasthof zum Löwen“ und „Fiederer“ bekannt.
Häuser mit Geschichte
Das Midgard-Haus, eine beliebte Ausflugsgaststätte, hat eine lange und sehr bewegte Geschichte. 1853 wurde es als Gästehaus zum Schloss erbaut. Später gehörte es illustren Schriftstellern wie dem Heimatdichter „Waldschmidt“ und einem als „Papyros Ebers“ bekannten Ägyptologen. 1954 kaufte die Villa die Gemeinde Tutzing. In den 1970er Jahren sollte das Midgardhaus abgerissen und durch Eigentumswohnungen ersetzt werden, was verhindert wurde.
Engelbert Schnell war der wohl meistbeschäftigste Architekt im Tutzing der Jahrhundertwende. Er baute nicht nur für sich selbst die Schnell-Villa in der Bahnhofstraße, sondern auch die benachbarte Thudichum-Villa, den Tutzinger Hof und den Guggerhof (1911) in der Hauptstraße sowie das 1904 fertiggestellte neue Kloster der Missionsbenediktinerinnen.
Der Katalog ist unter anderem in den Tutzinger Buchhandlungen erhältlich.