Veröffentlicht am 12.02.2018 10:49

Nächster Halt: Seeanbindung

Der Kompakttunnel: Alles, was orange ist, könnte Seepromenade sein. (Foto: Luftbild Bertram, Vega-Janssen)
Der Kompakttunnel: Alles, was orange ist, könnte Seepromenade sein. (Foto: Luftbild Bertram, Vega-Janssen)
Der Kompakttunnel: Alles, was orange ist, könnte Seepromenade sein. (Foto: Luftbild Bertram, Vega-Janssen)
Der Kompakttunnel: Alles, was orange ist, könnte Seepromenade sein. (Foto: Luftbild Bertram, Vega-Janssen)
Der Kompakttunnel: Alles, was orange ist, könnte Seepromenade sein. (Foto: Luftbild Bertram, Vega-Janssen)

Oberirdische Gleisverlegung, Tunnels oder nur etwas Kosmetik rund um den Bahnhof? In einer Sondersitzung zum Thema „Seeanbindung“ schaute sich der Starnberger Stadtrat alle Ideen an, fasste aber noch keinen Beschluss. Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, quasi mit einem Crashkurs in das umstrittene Thema einzusteigen.

Zunächst referierte Bürgermeisterin Eva John die Ergebnisse des Arbeitskreises Seeanbindung, die noch nicht allen Stadträten offiziell vorgelegen waren: Die oberirdische Gleisverlegung verursacht Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro, auch nach Grundstücksverkäufen zur Finanzierung würden Schulden von 50 bis 80 Millionen bleiben.

Janssen: Kompakttunnel

Bereits in der November-Sitzung wurde der „Walther“-Tunnel mit je einer Röhre für Gleise und Straße diskutiert. In der Sondersitzung stellte Lutz Janssen seinen „Kompaktbahntunnel“ anhand von annähernd 50 Folien bis ins Detail durchdacht vor. Der pensionierte Ingenieur, der für die Verkehrsforschung bei BMW arbeitete, macht sich für die Verlegung der Gleise in einen Tunnel mit Tiefbahnhof stark. Vier Gleise sieht er vor, die äußeren für die S-Bahn, die inneren für Regionalbahn und ICE, die die Bahn mit 80 Sachen durch den Bahnhof fahren lassen will, weil der Seebahnhof als Haltestation entfällt. Für Janssen ist der Tunnel die einzige sinnvolle Lösung, da es einen „freien Zugang zum See ohne Gleisbarriere“ gibt. Der Ingenieur schwieg sich über Kosten aus, ließ aber durchblicken, dass sich der Tunnel mit dem Verkauf der frei gewordenen Bahnflächen finanzieren lässt.

Schöner zum See: Bahnhofssanierung

Die Gleisverlegung, ob oberirdisch oder im Tunnel, längst abgeschrieben hat dagegen der Verein „Schöner zum See“. Er plädiert für die Sanierung des Bahnhofs und die Verkehrsberuhigung zwischen Hotel Bayerischer Hof und Kaiser-Wilhelm-Straße. Vereins-Vize Günther Krawitz und Architekt André Perret setzen ganz auf den historischen Charme des denkmalgeschützten Bahnhofs, wenn der erst mal sein Schmuddelimage losgeworden und barrierefrei ist. Sie wollen die nostalgischen gusseisernen Säulen erhalten und die Dächer am Bahnsteig erneuern. Die Bauten zwischen denkmalgeschütztem Bahnhof und Bahnmeisterei (Taschengeschäft) sollen entfallen, der Platz großzügiger werden. Kosten: etwa 25 Millionen Euro.

Gleise trennen Stadt und See

Die Seeanbindung ist der größte Zankapfel in der Stadt und spaltet den Stadtrat. Viele Bürger haben angesichts der zigfachen Berichterstattung schon längst den roten Faden verloren. Hintergrund des Problems ist, dass die vor 160 Jahren gebaute Bahnlinie die Stadt vom See trennt. Wunsch ist, dass die Stadt wieder näher ans Wasser kommt und die Seepromenade an Fläche gewinnt. 1987 schlossen die Stadt und die Bahn einen Vertrag zur Neuordnung des Bahnareals. 30 Jahre passierte dann, salopp gesagt, nicht viel. Auch ein preisgekrönter Entwurf aus einem Städtebauwettbewerb verschwand wieder in der Schublade. Mittlerweile gibt es viel Streit darum, ob die mittlerweile abgelaufenen Verträge mit der Bahn bindend sind oder nicht. Eine Mediation zwischen Stadt und Bahn soll’s richten.

north