Gute Schüler werden keine Lehrer. Das hat vor kurzem eine Studie gezeigt. Dass angehende Lehrer ein schlechteres Abitur haben als andere Akademiker. Warum das so ist? Weil Lehrer für alles verantwortlich gemacht werden, wo andere versagt haben. Problemkinder, Gewalt, Drogen, familiäre Schwierigkeiten im Zweifelsfall ist der Lehrer schuld. Sobald Defizite auftauchen, sucht die Gesellschaft reflexartig die Ursachen in der Schule.
Ein Lehrer ist Wissensvermittler, Freizeitgestalter, Sozialarbeiter, Seelsorger und Elternersatz in einem kurz: ein pädagogisches Multitalent! Aber dem Beruf fehlt trotz immenser Zusatzaufgaben die Anerkennung der Gesellschaft. Unsere Lehrer seien zu alt, zu faul, zu unmotiviert, denkt die Bevölkerung. Das schreckt potenzielle Kandidaten ab. Wer ergreift schon freiwillig einen Beruf mit so schlechtem Image? Es geht nicht nur um Beamtenstatus und um die angeblich viele Freizeit, sondern um eine überaus verantwortungsvolle Aufgabe. Statt öffentlicher Lehrerbeschimpfung ist es an der Zeit, sich zu fragen, wie unsere Lehrer entlastet werden können. Denn wenn Lehrer sein wieder eine reizvolle Aufgabe sein soll, dann müssen wir dem Beruf das zollen, was er verdient: Respekt. So seh ich das.