Bei den Zuschussvergaben und deren turnusmäßigen Erhöhungen waren die Giesinger in den beiden letzten Jahren erheblich zu kurz gekommen. Beispielhaft hatte Vereinsvorstand Horst Walter, der gleichzeitig auch dem örtlichen Bezirksausschuss Obergiesing vorsteht, allein für 2008 eine »Ungleichbehandlung« ausgemacht. Damals hätten vergleichbare Einrichtungen 27.000 beziehungsweise sogar 34.000 Euro an Nachschlägen erhalten, während man sich am Giesinger Bahnhof mit vergleichsweise überschaubaren 4.000 Euro bescheiden musste. »Mit größter Überraschung und Enttäuschung« hatte Walter zudem erkannt, dass auch 2009 diese Ungleichbehandlung zulasten der Giesinger Einrichtung nicht widerrufen wurde. Zwar wurden die Zuschüsse erneut um 14.000 Euro erhöht, damit jedoch rangiert das Giesinger Zentrum weiterhin in der städtischen Rangliste der geförderten Einrichtungen weit hinten. Beim Verein ist man deshalb sauer und zog jetzt die Konsequenzen. Vonseiten der Stadt und des zuständigen Kulturreferates um seinen Referenten Hans-Georg Küppers verlangten die Freunde Giesings einen umfangreichen Fördergeldernachschlag und drohen andernfalls mit einer deutlichen Reduzierung des vor Ort gut angenommenen Kulturprogramms.
Unterstützung erfuhr der Trägerverein während der letzten Sitzung 2008 auch vonseiten des örtlichen Bezirksausschusses Obergiesing, der sich einstimmig hinter die Nachschlagforderung stellte. Kopfschütteln herrschte im Verein wie im BA auch über die Aufforderung des Kulturreferates an den Träger, bei den Kalkulationen für die Haushaltsjahre 2009 bis 2011 Einnahmesteigerungen oder Einsparungen zu forcieren. Weil laut Walter auf der Personalseite Einsparungen nicht möglich sind, schwebt jetzt wohl das Damoklesschwert einer programmlichen Kürzung über dem hoffnungsvoll jungen Kulturtempel. So wollte man eigentlich zum fünfjährigen Jubiläum des Zentrums in diesem Jahr eine große Festveranstaltung bieten. Deren Umfang steht nun offensichtlich auch wieder in den Sternen. Zudem sehen sich Walter und seine Vereinsmitstreiter auch zum »Dienstleistungsunternehmer zur Erzielung von Einnahmen aus Vermietungen und Raumüberlassungen degradiert«, damit ein Kulturprogramm, das diesen Namen verdient, überhaupt noch angeboten werden kann. Mit der Zielsetzung »einer Kultur im Stadtquartier« habe dieses Vorgehen der Stadt wenig zu tun, so die Macher.
Harald Hettich