Die unendliche Geschichte unserer Stadt ist aus bröckeligem Beton: das Sechzger-Stadion. Als ausgewiesener Liebhaber dieses Bauwerks kenne ich mich aus mit Schäden und zwar seelischer Natur. Das ewige Leid, das den normalen Löwenfan seit etwa 1967 plagt, ist watteweich im Vergleich zur ständigen Bedrohung der einstigen Löwenheimat am Candidberg.
Wenn die Löwen bald wieder einmal absteigen, dann macht das nichts, alles schon erlebt, sie rappeln sich wieder auf, die echten Fans bleiben sowieso. Wenn aber, wie immer wieder orakelt wird, das Sechzger abgerissen wird, dann wars das. Ein Abriss ist kein Abstieg. Ein Abriss ist endgültig. Ein Feind der Münchner Seele, der ganzen Stadt und ihrer Geschichte, wer einem solchen Abriss zustimmt oder auch nur heimlich darauf hofft, dass sich für ein Hotel auf dem idyllischen Platzerl am Mittleren Ring endlich Investoren finden.
Ein 60-faches Hiphip an dieser Stelle an die Sportbürgermeisterin Christine Strobl von den Roten (der Partei), quasi eine der letzten Liebhaberinnen Münchens im Stadtrat. Sie jedenfalls will das Sechzger erhalten, wenn auch notgedrungen: die kleinen Bayern steigen, das ist schon fast sicher, in die dritte Liga auf und brauchen weiterhin ein Stadion, das die DFB-Richtlinien erfüllt. Also steckt die Stadt demnächst 800.000 Euro in das Sechzger. Freilich ein Bruchteil dessen, wieviel eine Rundumerneuerung unseres Geliebten an der Grünwalder Straße am Ende kosten würde.
Trotzdem und hinter vorgehaltener Hand: Den Amateur-Bayern muss man schon ein bisserl für ihren Aufstieg danken. Zumindest solange, bis es die kleinen Sechzger auch nach oben schaffen.
Damit ist ein alter Traum so manchen blauen Nostalgikers ausgesprochen: Zurück in die Heimat, koste es, was es wolle. Und wenn mans den Roten danken muss. Das Sechzger bleibt! Punktum.