Das Post-Horn hat also ausgedient. Der Chef des Post-Konzerns Klaus Zumwinkel enthüllte in der vergangenen Woche eine Statue des römischen Gottes Merkur vor dem Bonner Post-Tower: Merkur verkörpert seit Jahrhunderten Handel, Transport und globale Informationsströme. Er ist ein perfektes Sinnbild für die Kernkompetenz unseres weltumspannenden Unternehmens, tönte der Post-Chef vollmundig.
Die Erdkugel am Fuße der Merkur-Skulptur ist Symbol für die weltweite Präsenz und das multinationale Wirken der Deutschen Post World Net. Was Zumwinkel bei seiner Rede allerdings völlig außen vor ließ: der römische Merkur ist nicht nur der Gott des Handels er ist auch der Gott der Diebe und Betrüger, zuständig für Reichtum und Gewinne, auch wenn diese ergaunert sind. Diese Statue also soll das neue Symbol für den global hantierenden Logistikkonzern sein?
Bei der Enthüllung der zehn Meter großen Bronzeplastik von Markus Lüpertz scheute Zumwinkel keine Vergleiche: Merkur sei der Götterbote, der auf der Weltkugel surft, seine Buntheit würde die der Angehörigen aus 42 Nationen spiegeln, die im Post-Tower arbeiten. Eine nicht minder blumige Laudatio hielt Otto Schily, ehemaliger Innenminister und Freund des Künstlers: er setzte die Dynamik des Götterboten, das Quecksilbrige des Elements Mercurium sowie die Sonnennähe des Planeten Merkur mit der Post in Beziehung.
Eins aber schwiegen die Redner hartnäckig aus: Hermes so heißt Merkur in der griechischen Sagenwelt hat bereits einen Tag nach seiner Geburt die Windeln abgelegt, um seinem Halbbruder Apollon eine ganze Rinderherde zu stehlen. Anschließend stieg er wieder in die Windeln, um den unschuldigen Säugling zu mimen.
Ebenso unschuldig übrigens wirkt die Statue vor dem Bonner Post-Tower: als sie endlich enthüllt wurde, war nichts von dem Götterboten, der auf der Weltkugel surft zu erkennen. Der Merkur, der in Bonn steht, ist ein leicht pummeliges und untersetztes Männlein, das eher Harmlosigkeit denn Weltmännischkeit ausstrahlt. Ein Männlein, dem man nicht zutraut, weltweit zu wirken ja nicht einmal im eigenen Land vernünftig zu wirtschaften. Von Anita Krause