Für uns Münchner ist es eh klar doch auch bundesweit sind sich die Musik-Kritiker einig: Die Texte des Münchner Rappers Minute sind deutlich anspruchsvoller als die seiner Berliner Kollegen. Ob sich jedoch der Titel seines Debütalbums Alles wird anders erfüllen wird, sei dahingestellt; zumindest aber zeigt Minute mit dem Werk, dass Rap auch anders geht als mit Kraftausdrücken und Kampfparolen: Der Münchner mags gerne poetisch.
Ein Unbekannter ist Minute übrigens nicht in der Stadt: gerade im vergangenen Jahr hatte er als einer der Frontmänner von Vierzueins und dem gemeinsamen Debüt Abenteuer hoch drei den Münchner Hip-Hop-Markt bereichert. In der Vergangenheit waren sämtliche Bandmitglieder als DJs diverser Rap-Crews zu sehen gewesen mit der Gründung einer eigenen Band konnten sie endlich selbst in den Vordergrund treten. Noch mehr Aufmerksamkeit als je zuvor erheischt Minute jetzt vermutlich als Solist: Alles wird anders sein Motto.
Um sicherzustellen, dass wirklich alles neu wird, hat er bei seinem Werk, das übrigens am gestrigen Freitag bei 58 beats erschienen ist, alles selbst gemacht: Minute hat das Booklet entworfen, die Beats und Instrumente eingespielt, die meisten Vocals geschrieben. Und während andere Hip-Hop-Musikanten oftmals eher mit großer Klappe auf ihren CD-Covers abgebildet sind, hat Minute auf dem Titelfoto seinen Mund zugeklebt.
Außerdem hat er versucht, ohne musikalische, inhaltliche oder sprachliche Hip-Hop-Klischees auszukommen: und so sind manche der Lieder recht untypisch arrangiert, der 8-Minuten-Song Ich lieb den Scheiß beispielsweise, der von diversen Instrumentals unterbrochen wird. Überhaupt ist der Grundton des Longplayers durch derartige musikalische, atmosphärische Passagen eher ruhig Appelle ans Partyvolk sind nicht zu finden. Daher sei Minute auch eher den musik- und textversessenen Hip-Hop-Hörern ans Herz gelegt als den Gangsta-Rap-Liebhabern.
Am Samstag, den 28. April, stellt er Alles wird anders persönlich bei der Plattentaufe im Café King in der Müllerstraße 3 vor ab 23 Uhr.
Von Nadine Nöhmaier