Für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden keine Kartenkontingente für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland reserviert werden. Es gibt keine Zusagen, weder für Frei- noch für Kaufkarten, erklärt Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des Organisationskomitees.
Für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden keine Kartenkontingente für die Fußball-Weltmeisterschaft
2006 in Deutschland reserviert werden. Es gibt keine Zusagen, weder für Frei- noch für Kaufkarten, erklärt Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des Organisationskomitees.
Wünsche bündeln
„Es gibt lediglich Absprachen mit dem Sportausschuss, Wünsche zu bündeln und dann zu prüfen, inwieweit diese Wünsche möglicherweise zu realisieren sind. Dasselbe Angebot machen wir auch unseren Vereinen und Landesverbänden oder Städten. Aber immer mit dem
Zusatz, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine einzige
Karte garantieren können. In der vergangenen Woche gingen
Meldungen durch die Presse, wonach Bundestagsabgeordnete
ein exklusives Vorkaufsrecht auf die begehrten Eintrittskarten hätten. Das Organisationskomitee habe auf
Bitten des Sportausschusses jedem Parlamentarier die Gelegenheit eingeräumt, bis Mitte Januar zwei Kaufkarten für die Vorrundenspiele zu erwerben. Das gehe aus einem Schreiben der Sportausschussvorsitzenden
Peter Rauen (CDU) und Peter Danckert (SPD) an die Abgeordneten hervor, berichtete die Saarbrücker Zeitung.
Hintergrund der Maßnahme sei nach Angaben des Blattes, das
große Interesse an Karten für das WM-Turnier. Für die Final-Runden seien keine Vorreservierungen
möglich.
Interesse an Vorreservierung
In Absprache mit dem Organisationskomitee
WM 2006 habe der Sportausschuss es übernommen,
Wünsche nach Kaufkarten zu bündeln, erklären
Raunen und Danckert, in Übereinstimmung mit den Obleuten
der im Ausschuss vertretenen Fraktionen. Um den Umfang der gewünschten Kaufkarten für ein oder zwei der 48 Vorrundenspiele festzustellen, sind die Abgeordneten gebeten worden mitzuteilen, in wieweit Interesse
an einer Vorreservierung von Kaufkarten besteht.
Offiziell beginnt am 1. Februar 2005 die erste Vorverkaufsphase der Eintrittskarten zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 über das Internet.
Nach EU-Recht ist das Organisationskomitee verpflichtet,
den Karteninteressenten weltweit die gleichen Chancen
einzuräumen. Die meisten Fans müssen bei der Verlosung der zwischen 35 und 600 Euro teuren Tickets mit Enttäuschungen
rechnen, denn nur ein Bruchteil der Wünsche kann erfüllt
werden.
Von den rund drei Millionen Karten gehen nach Angaben
der Nachrichtenagentur dpa 975000 vorab an Sponsoren, Verbände und Reisebüros. Nur die restlichen Tickets werden frei verkauft. Schätzungsweise gibt es dafür 30 Millionen
Interessenten.
Das sagen Bundestagsabgeordnete:
Rainer Stinner (FDP): Es gibt keinen Grund, warum
Bundestagsabgeordnete generell bei der Vergabe von WM-Karten bevorzugt werden sollten. Allerdings bin ich schon der Ansicht, dass der Bundestag bei einem solch wichtigen Ereignis, das ja auch zu nicht geringem Maße von der Politik erst möglich gemacht wird, in ähnlicher Weise vertreten sein soll, wie etwa die Bundesregierung.
Deshalb halte ich es für angemessen, wenn die zuständigen
Kolleginnen und Kollegen vom Sportausschuss die Möglichkeit erhalten, ein Spiel zu besuchen.
Das kann aber nicht für die Abgeordneten gelten, die sich
mit dem Thema WM in ihrer Arbeit überhaupt nicht befassen.”
Axel Berg (SPD): Die Aufregung ist umsonst: Der Ball ging weit am Tor vorbei. Als aktiver Fußballer beim FC Bundestag und Münchner Freizeitkicker hätte ich wie ein jeder andere auch gern WM-Tickets für unser neues Fußballstadion. Bei mir kam nur eine Anfrage der beiden Sportausschuss-Vorsitzenden an. Die Sache muffelt.
Die SPD-Fraktion beteiligt sich nicht und ich schon gar nicht.
Herbert Frankenhauser (CSU): Alle Fußballfans müssen die
gleichen Chancen haben, an WM-Karten zu kommen, um
dieses Ereignis live erleben zu können. Er selbst habe zu keinem Zeitpunkt die Absicht, sich irgendwo oder bei irgendjemanden im Rahmen eines Vorkaufsrechtes für Bundestagsabgeordnete um die Zuteilung von Tickets für die Fußball-WM 2006 zu bewerben.
Jerzy Montag (Grüne): Es gibt keine Sonderrechte für Abgeordnete beim Kauf von Karten für die Fußballweltmeisterschaft 2006. Die FIFA bietet Firmen, Städten, Vereinen und vielen anderen Organisationen
den Service an, unter ihren Mitgliedern, Mitarbeitern
oder Angehörigen anzufragen, ob und in welchem Umfang
Interesse an Eintrittskarten besteht. Dies ist mit keinerlei Zusage oder Kaufvorrecht verbunden.
Das sagen Fußball-Fans:
Karsten Peter, Solingen: Ich finde das überhaupt nicht
gut. Es sollte gleiches Recht für alle gelten. Ich bin schließlich auch Fußballfan und möchte die Möglichkeit haben die Spiele zu sehen. Mich ärgert es auch, dass die Sponsoren so viele Karten bekommen, die sie vielleicht gar nicht brauchen. Dann ist das Stadion halb leer und draußen stehen die Fans und dürfen nicht rein.
Robert Wittek, Neuhausen: Ich finde das schon in Ordnung,
dass die Bundestagsabgeordneten gewisse Privilegien
haben. Schließlich haben sie das auch verdient. Außerdem
gibt es eh viel zu wenige Karten, da ist es schon fast