Lkw-Rennen in einem Naturschutzgebiet? Eine Anwohnerin hat am 13. März ein »äußerst befremdliches Spektakel« beobachtet, wie sie sagt: Leere Lastwagen, in Erdfarben gestrichen, seien zwischen 16.30 und 17 Uhr mit hoher Geschwindigkeit durch die Fröttmaninger Heide gerast:
»durch jeden Krater, über jeden Abhang und über jede erdenkliche Unebenheit. Es wirkte ziellos, gespenstig, unberechenbar, gefährlich.« Die Fahrzeuge hätten alles niedergewalzt. Sie habe beim Spazierengehen mit ihrem Hund schon öfter frische Reifenspuren gesehen.
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Das Gelände, einst Truppenübungsplatz der Bundeswehr, gehört inzwischen dem Heideflächenverein Münchner Norden. »Wie ist das möglich, dass in einem Naturschutzgebiet Lkw fahren?«, fragt sich die Anwohnerin. Zumal der Verein bemüht sei, Fußgänger und Hundebesitzer aus der Fröttmaninger Heide fern zu halten. Im Moment dürften sie das Gelände nur auf Wegen betreten »angeblich weil es dort seltene Pflanzen gibt.«
Beim Heideflächenverein sieht man die Situation weit weniger dramatisch. Vereinschef Rolf Zeitler, der scheidende Bürgermeister der Stadt Unterschleißheim, erklärt den Fall wie folgt: Zeitler nimmt an, dass das professionelle Lastwagenfahrer gewesen seien, die »von uns beauftragt sind.« Damit versuche man, die alten Panzerspuren in der Fröttmaninger Heide zu erhalten und zwar als Lebensraum für die Wechselkröten. Diese in Deutschland vom Aussterben bedrohte Tierart brauche als Lebensraum und als Laichgewässer Tümpel und kleine Teiche, die sich in den Reifenspuren der Panzer bei Regen gebildet hätten, erläuterte Zeitler.
Durch die Panzerfahrten habe sich der Unterboden verdichtet. Nachdem die Militärfahrzeuge schon lange die Fröttmaninger Heide verlassen hätten, würden die noch vorhandenen Panzerspuren immer lockerer und sie trockneten nach und nach aus. Mit Hilfe der Lastwagen würden diese Spuren nun wieder hergestellt, der Boden verdichtet und damit wieder zum Lebensraum für die Wechselkröte, erklärte der Vorsitzende des Heideflächenvereins.
Die Anwohnerin, die sich wegen der schützenswerten Pflanzen kaum mehr in die Heide traut, zieht ihr Fazit: »Der Heideflächenverein wirkt, sollte er über die Lkw-Rennen informiert sein, über alle Maßen unglaubwürdig.« Wally Schmidt