Die Faschingszeit steuert auf ihren Höhepunkt und damit auf ihr Ende zu. Am kommenden Aschermittwoch beginnt die besinnlichere Fastenzeit. In der Christophoruskirche Zorneding markiert der packende Monolog eines verzweifelten Judas den Beginn dieser Zeit.
Am Freitag, 24. Februar, findet ab 20 Uhr in der Kirche die Lesung mit Peter Wurm Ich, ein Jud Verteidigungsrede des Judas Ischariot von Walter Jens statt. Der Eintritt ist frei.
Obwohl (oder gerade weil) wir von dem historischen Judas kaum etwas wissen, gilt Judas gemeinhin als der Urtyp des gottlosen Verräters, bisweilen auch als der typische Jude, der um Geldes Willen seinen besten Freund verrät und zum eigentlichen Heilandsmörder wird. Walter Jens hat mit seinem Text Ich, ein Jud eine andere, neue Sicht gewagt. Er lässt Judas als einen zutiefst zerrissenen Menschen zu Wort kommen, der aufrichtig von der Sendung Jesu überzeugt war, aber im Laufe der gemeinsamen Geschichte in seinen Erwartungen und Empfindungen enttäuscht wird.
Ich war auserwählt worden, den Verworfenen in Gottes heiligem Drama zu spielen, lässt Walter Jens Judas sagen, und dann fragen: War das richtig ist das gelungen? Was waren die Folgen was wären die Alternativen gewesen? In diesem ebenso dramatischen wie leisen Stück werden die überkommenen Klischees nicht einfach umgekehrt, sondern aufgebrochen um damit ein neues Nachdenken über die Passionsgeschichte und unser Verhältnis zu ihr anzuregen.