Das Dante-Gymnasium in Sendling unterstützt seit mehr als 20 Jahren die Entwicklungsprojekte von „Pradip-Partner Eine Welt“ in Kalkutta. Die Initiative leitet Anja Fischer, Lehrerin an der Schule. Die Organisation kümmert sich in der indischen Metropole Kalkutta in verschiedenen Projekten um Straßen- und Waisenkinder, Opfer von Menschenhandel und Kinderprostitution und vieles mehr. Vor Ort kümmerte sich Anja Fischer um Budget-Verhandlungen und die die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen.
„Das Dante-Gymnasium ist in diesem Jahr wieder ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung unserer Projekte”, erzählt Fischer, „2026/2027 können wir ein komplettes Zentrum für 60 Straßen- und Slumkinder nur mit den Spenden unserer Schule finanzieren.”
Das Sasan-Center befindet sich in Kalkutta an einem Ganges-Seitenkanal, an einer der Verbrennungsstätten der Metropole. 24 Stunden am Tag kommen hier die Leichenwagen an und Angehörige warten auf die Verbrennung ihrer Verstorbenen. Im Anschluss wird die Asche ins Wasser gestreut. Das ist ein Ritual des Hinduismus.
Die Kinder des Projektes wohnen in einem illegalen Slum unter der Brücke, direkt am Kanal. Manchmal tauchen sie Münzen aus dem Wasser, die bei der Bestattungszeremonie hineingeworfen wurden. „Die hygienischen Umstände sind eine Katastrophe. Die Kinder leben in kleinen selbstgebauten Hütten oder unter Plastikplanen zwischen Straßenhunden und Ratten. Über ihnen donnern die Autos über die Brücke einer viel befahrenen Straße”, so Fischer. „Wasser gibt es nur zweimal am Tag aus einem gemeinsamen Wasserhahn. Trotzdem ist dies ein Riesenfortschritt, denn sauberes Wasser gibt es erst seit wenigen Jahren. Waschmöglichkeiten sind nicht vorhanden, immerhin aber seit kurzem zwei Toiletten für dutzende Familien.
„Als wir das Projekt im Jahr 2000 starteten, waren Familien der Leichenverbrenner noch einer unglaublichen Diskriminierung ausgesetzt”, berichtet Fischer. „Schulen lehnten die Kinder ab, niemand wollte mit dieser Bevölkerungsschicht etwas zu tun haben. Die Kinder arbeiteten alle entweder als Haushaltshilfen, halfen bei den Verbrennungszeremonien oder tauchten den heiligen Schlamm aus dem Kanal.” Durch die mittlerweile jahrzehntelange Arbeit der Lehrerinnen und Sozialarbeiterinnen hat sich vieles zum Positiven gewendet. Alle Kinder werden in öffentliche Schulen vermittelt und die Mitarbeiterinnen halten regelmäßig Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern. In monatlichen Treffen mit den Müttern wird die Bedeutung von Bildung hervorgehoben, werden Gesundheitsfragen besprochen, wird über Kinderehen diskutiert, Hilfe bei Gewalt im Slum angesprochen und vieles mehr.
Am Nachmittag kommen die Kinder in das Sasan-Center. Dafür ist ein kleiner Tempel angemietet. Dort machen sie ihre Hausaufgaben, werden medizinisch versorgt, können tanzen, spielen und erhalten nahrhafte Lebensmittelrationen für ihre Familien.
Pradip – Partner Eine Welt finanziert dieses Projekt seit mehr als 25 Jahren. Es ist ein großer Erfolg, dass viele der Kinder die mittlere Reife (Madhyamik) oder sogar den Higher-Secondary-Abschluss geschafft haben. Enorm wichtig ist auch, dass die Zahl der Kinderehen stark reduziert wurde.
Ein bedeutendes Anliegen ist außerdem, die Kinder vor Kriminalität und Drogenhandel zu bewahren und sie davon abzuhalten, frühzeitig die Schule abzubrechen. Oft sind die Eltern den ganzen Tag über unterwegs, um im informellen Sektor schlecht bezahlten Jobs nachzugehen. Die Kinder sind dann sich selbst überlassen. „Durch unser Zentrum haben sie nun aber eine Anlaufstelle, die eben mehr ist als eine 'Nachmittagsschule'“, so Fischer.
Bei ihrem diesjährigen Besuch traf Fischer u.a. Riya. Sie geht mittlerweile in die 11. Klasse. Später möchte sie Buchhalterin werden. „Diese Kinder und Jugendlichen leisten jeden Tag Enormes, um ihr Recht auf Bildung durchzuziehen”, sagt Fischer. Einer der Leichenverbrenner, Raj, war früher im Zentrum und schickt nun seine Tochter hierher, weil er überzeugt ist, dass sie dadurch eine gute Zukunft bekommt. „Hier wird sie unterstützt und kann in Zukunft alles werden, was sie möchte“, meint der Bestatter. Das Dante-Gymnasium München finanziert nun ein ganzes Jahr lang diese tollen Möglichkeiten für 60 Kinder.
Außerhalb von Kalkutta, in Kanchrapara, besuchte Fischer die Partnerorganisation „Familia Home“, ein Waisenheim, das eine eigene Landwirtschaft, Bäckerei und eine Fischfarm hat, um möglichst nachhaltig zu wirtschaften. Seit Jahren ist auch eine englisch-sprachige Schule angegliedert, die über die Schulgebühren das Heim mitfinanziert. Dort schrieben Schülerinnen und Schüler einer elften Klasse Fragen auf, die Anja Fischer mitnahm und die u.a. im Arbeitskreis Eine Welt des Dante-Gymnasiums beantworten werden. „So entsteht für das Dante nicht nur eine einseitige Partnerschaft über Spenden, sondern es werden auch inhaltliche Fragen besprochen”; freut sich Fischer.
Spendenmöglichkeit für Pradip:
Ev. Pfarramt Simbach
IBAN DE34740618130003251047
Stichwort: Pradip
Verwendungszweck: Pradip