Veröffentlicht am 29.06.2010 09:46

Bürgerzentrum – ein „Laimer Wolpertinger”

Hinter der Stadtbibliothek soll seit über dreißig Jahren ein Bürgertreff für Laim entstehen. Der Historische Verein Laim hat mit einer Dokumentation wieder Schwung in die Sache gebracht. (v.l.): Klaus-Dieter Schmidt, Maximilian Mühlbauer, Josef Kirchmeier und Norbert Winkler vom Historischen Verein. (Foto: tg)
Hinter der Stadtbibliothek soll seit über dreißig Jahren ein Bürgertreff für Laim entstehen. Der Historische Verein Laim hat mit einer Dokumentation wieder Schwung in die Sache gebracht. (v.l.): Klaus-Dieter Schmidt, Maximilian Mühlbauer, Josef Kirchmeier und Norbert Winkler vom Historischen Verein. (Foto: tg)
Hinter der Stadtbibliothek soll seit über dreißig Jahren ein Bürgertreff für Laim entstehen. Der Historische Verein Laim hat mit einer Dokumentation wieder Schwung in die Sache gebracht. (v.l.): Klaus-Dieter Schmidt, Maximilian Mühlbauer, Josef Kirchmeier und Norbert Winkler vom Historischen Verein. (Foto: tg)
Hinter der Stadtbibliothek soll seit über dreißig Jahren ein Bürgertreff für Laim entstehen. Der Historische Verein Laim hat mit einer Dokumentation wieder Schwung in die Sache gebracht. (v.l.): Klaus-Dieter Schmidt, Maximilian Mühlbauer, Josef Kirchmeier und Norbert Winkler vom Historischen Verein. (Foto: tg)
Hinter der Stadtbibliothek soll seit über dreißig Jahren ein Bürgertreff für Laim entstehen. Der Historische Verein Laim hat mit einer Dokumentation wieder Schwung in die Sache gebracht. (v.l.): Klaus-Dieter Schmidt, Maximilian Mühlbauer, Josef Kirchmeier und Norbert Winkler vom Historischen Verein. (Foto: tg)

„In Laim dauert alles 30 Jahre und manches noch viel länger.“ So betitelte der Historische Verein Laim eine Dokumentation zur „endlosen Geschichte des Laimer Bürgerhauses.“ Es ist ein Satz, den der Vorsitzende des Laimer Bezirkausschusses (BA 25), Josef Mögele (SPD), zitiert, wenn es darum geht, die Wünsche der Laimer Bevölkerung durch die Stadtverwaltung zu erfüllen. Was das erhoffte Bürgerhaus auf dem städtischen „Filetgrundstück” hinter der Stadtbibliothek angeht, dauert das Warten auf den Baubeginn schon sehr viel länger. Er ist noch lange nicht in Sicht. Seit mehr als drei Jahrzehnten kämpfen die Lokalpolitiker dafür, dass der zweite Bauabschnitt für ein Kulturelles Zentrum in Laim in Angriff genommen wird. Das bürgerschaftliche Leben im Stadtteil werde sonst endgültig zerstört, argumentieren sie. Vereine und Bürger bräuchten endlich Platz für ihre Aktivitäten.

Als die Mitglieder des BAs vor zwei Jahren erfuhren, auf dem für das Bürgerhaus reservierten Grundstück an der Hogenbergstraße solle eine Kooperationseinrichtung für Kinder entstehen, kochten die Emotionen im Gremium hoch. Dem BA sei seit 25 Jahren versprochen worden, dort werde ein Kulturzentrum gebaut, erregte sich das Stadtteilparlament. Es sei schäbig, zu versuchen, Junge und Alte gegeneinander auszuspielen.

Langsamer Tod

Josef Kirchmeier, Vorstandsmitglied des Historischen Vereins und langjähriger Laimer Bezirksrat, hat sich die Mühe gemacht, die Geschichte um die Planung eines Laimer Kulturzentrums in den vergangenen 35 Jahren zusammenzustellen. Zwischen November 1975 – damals wurde bei einer Bürgerversammlung erstmals der Antrag gestellt, in Laim ein Kulturzentrum zu errichten – bis zum März 2010 listet Kirchmeier auf 19 Seiten Presseberichte, Sitzungsprotokolle und Briefwechsel auf, die belegen, dass das Bürgerzentrum beim Weg durch die Verwaltung einen langsamen Tod zu sterben droht. Fazit: „Die Bremser sitzen in der Verwaltung.“

Die Dokumentation ist eine Klage darüber, wie Bürgerrechte missachtet werden. Im Jahr 2008 hatte die Bürgerversammlung einstimmig beschlossen, hinter der Laimer Stadtbibliothek ein Gemeinschaftshaus für Kinderbetreuung und Vereinsaktivitäten zu errichten. Mehrfache Nachfragen im Schulreferat blieben ergebnislos. Im Februar 2010 wandte sich der Historische Verein deshalb direkt an Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Er wies das Stadtoberhaupt auf die „Satzung über die Abhaltung von Bürger- und Einwohnerversammlungen“ hin. Danach sind Anträge von Bürgerversammlungen innerhalb von drei Monaten vom Stadtrat oder von den zuständigen Ausschüssen zu behandeln. „Eine unmittelbare Antwort war das Schreiben dem Oberbürgermeister offensichtlich nicht wert“, so Kirchmeier. Der Brief des Vereins sei ans federführende Schulreferat geleitet worden. Das sei allerdings bereits zuvor eine Stellungnahme zum Antrag der Bürgerversammlung schuldig geblieben. Kirchmeider: „So werden Bürgerversammlungen und ihre Beschlüsse ad absurdum geführt.“ Kirchmeier liegt mit seinem Verein daran, dass die Stadtverwaltung an einem Strang zieht und dass sich alle beteiligten Referate „endlich” an einen Tisch setzen.

Vereine in der Diaspora

Sehr weitsichtig war ein Bürger, der schon bei der Bürgerversammlung im November 1978 das Bürger- und Kulturzentrum als „Laimer Wolpertinger“ bezeichnete. Es sei zwar beschlossen worden, von Baumaßnahmen sei indessen nichts zu sehen. Im Oktober 1985 wurde dann aber doch aufgrund des „hohen örtlichen Interesses“ der erste Bauabschnitt unter dem Titel „Mehrzweckgebäude an der Hogenbergstraße“ begonnen. Im August 1987 bezogen die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und städtische Dienststellen das neue Gebäude an der Fürstenrieder Straße. Im Februar 1992 forderte der Bezirksausschuss erneut die „unverzügliche Realisierung des zweiten Bauabschnitts“, denn im Stadtteil fehlten Räume für nachbarschaftliche Treffen sowie für Vereinsaktivitäten.” Mehrere Laimer Vereine müssten deshalb ihr Dasein in der Diaspora fristen.

„Kulturbereich finanziell völlig ungesichert“

Der überarbeitete Vorbescheid für das Laimer Bürgerprojekt sei mittlerweile bei der Lokalbaukommission eingereicht worden, teilt Eva-Maria Volland, Pressesprecherin des Schulreferats, mit. Sie stehe in engem Kontakt mit ihrer Kollegin im Kulturreferat. Im zweiten Bauabschnitt solle eine Kindertagesstätte mit je drei Kindergarten- und drei Kinderkrippen-Gruppen verwirklicht werden. Das ersetze den bestehen Pavillon. Darüber hinaus sei ein großer Veranstaltungssaal mit Gruppenräumen für Vereine geplant. Der Kulturbereich sei allerdings, anders als die Kindertagesstätte – sie liegt auf Platz eins des aktuellen Mehrjahres-Investitionsprogramms – finanziell noch völlig ungesichert. Dennoch hoffe sie, der Stadtrat entscheide im Herbst dieses Jahres über das Gesamtkonzept.

Josef Kirchmeier weiß, dass selbst wenn das Projekt beschlossen werden sollte, für die Planung und den Bau Jahre ins Land gehen werden. „Wahrscheinlich wird es dann heißen: ‚In Laim dauert alles 40 Jahre’“, beendet er seine Dokumentation.

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