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Bundesweit neuartig

Die Kreisklinik Ebersberg investiert in Angiografie-Plattform

Die Ebersberger Kardiologen Priv.-Doz. Martin Schmidt (rechts) und Priv.-Doz. Björn Krämer bei einer Herzkatheterbehandlung. 	Foto: Alexander Zettl

Die Ebersberger Kardiologen Priv.-Doz. Martin Schmidt (rechts) und Priv.-Doz. Björn Krämer bei einer Herzkatheterbehandlung. Foto: Alexander Zettl

Ebersberg · Diesen Monat nimmt die kardiologische Abteilung der Kreisklinik Ebersberg ihr zweites Katheterlabor in Betrieb. Ausgestattet ist es mit einer Angiografie-Plattform auf höchstem technischem Niveau, dem Philips Azurion, welches erstmals im Februar 2017 an drei wissenschaftlichen Standorten präsentiert wurde.

Die Kreisklinik Ebersberg ist damit das erste Allgemeinkrankenhaus in Deutschland, welches die Azurion-Technologie einführt. Der Chefarzt der Kardiologie, Priv. Doz. Dr. Martin Schmidt, erläutert die Vorzüge der neuen High-Tech-Einheit.

Sybille Föll: Dr. Schmidt, wie profitieren Patienten vom neuen System?

Dr. Martin Schmidt: Die neue Herzkathetereinheit stellt eine komplett neue Plattform dar, auf der mit modernster Technik aktuelle Möglichkeiten der IT für uns in der Patientenbehandlung nutzbar gemacht werden. Durch umfangreiche Softwarelösungen stehen den Ärzten Patienten-Informationen schneller und übersichtlicher zur Verfügung. Außerdem ist die neue Anlage strahlungsärmer. Sie liefert Bilder aus den kathetergestützten Untersuchungen über die Blutgefäße in sehr hoher Auflösung bei gleichzeitig etwa 70 Prozent weniger Strahlenbelastung im Vergleich zu herkömmlichen Systemen. Eine deutlich reduzierte Strahlenbelastung war zwar schon beim Vorgängermodell gegeben, aber weil beim Azurion die Leistung der Röntgenröhre um etwa 50 Prozent höher liegt, können wir die effektive Strahlendosis in vielen Fällen noch weiter reduzieren. Die brillante Bildgebung fördert die Untersuchungs- und Therapie-Ergebnisse zusätzlich.

Können Sie uns das genauer erklären?

Dr. Martin Schmidt: In der Elektrophysiologie zum Beispiel – einem speziellen Verfahren zur Untersuchung von Herzrhythmusstörungen – braucht der Arzt mehrere Informationen gleichzeitig: die elektrischen Signale, die das Herz aussendet, aber zugleich Bilder von der Struktur des Herzens. Dank des großen 58-Zoll-Monitors mit knapp eineinhalb Metern Bilddiagonale direkt über dem Behandlungstisch können wir diese Daten übersichtlich in verschiedenen Fenstern gleichzeitig anzeigen lassen. Ein weiteres Beispiel: Soll bei einem verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäß ein Stent gesetzt werden, können wir gleichzeitig mehrere Röntgen-Standbilder aufrufen, einen Vorfilm aus vergangenen Untersuchungen parallel direkt im Untersuchungsraum abspielen und mehr. Das war vorher nur bedingt möglich. Die Informationen konnten in der Regel nur einzeln abgerufen werden. Um Untersuchungsprotokolle einzusehen, musste der Arzt bisher in den Kontrollraum gehen. Jetzt sehen wir alle Infos auf einen Blick, was die Qualität der Eingriffe erhöht – nicht zuletzt durch die Zeitersparnis. Dadurch können wir uns vollständig auf den Eingriff und den Patienten konzentrieren.

Welche Vorteile bietet Azurion außerdem?

Dr. Martin Schmidt: Es ist sehr intuitiv in der Bedienung. Wie schon gesagt, verfügt das System im Untersuchungsraum über den Großmonitor, dessen Anzeigefenster und angeschlossenen Sub-Systeme über eine Funkmaus oder das Tablet – beides steril abgedeckt – ferngesteuert werden können. Das funktioniert auch mit OP-Handschuhen gut. Gewünschte Aktionen lassen sich ähnlich wie beim Smartphone durch Antippen der entsprechenden Kachel auswählen, zum Beispiel Routine-Untersuchungen wie EKG oder Ultraschall. Wir können über das Tablet alle Funktionen der Anlage direkt und sehr zielgerichtet selbst steuern.

Das Tablet ist auch bei operativen Eingriffen hilfreich, zum Beispiel beim Einsatz eines Defibrillators oder Herzschrittmachers. Dank der Schutzhülle ist es steril und kann je nach Fall während des Eingriffs auch auf der Brust des Patienten liegen, so dass der Operateur alle relevanten Informationen immer vor Augen hat. Dies verbessert die Abläufe im Herzkatheterlabor und führt zu einer Zeitersparnis zum Wohle des Patienten.

Wie kam es dazu, dass die Kreisklinik Ebersberg die erste Klinik außerhalb von Universitäten in Deutschland ist, die mit dem Azurion arbeitet?

Dr. Martin Schmidt: Wir haben hier einen günstigen Zeitpunkt erwischt. Die Planung des neuen Katheterlabors hatte eine Vorlaufzeit von etwa zweieinhalb Jahren. In dieser Zeit testete Philips das neue Gerät schon an drei deutschen Standorten im wissenschaftlichen Einsatz. Im Februar 2017 fuhr ich zur Präsentation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und konnte mich von den Vorzügen überzeugen. Durch den Einsatz dieser neuesten Gerätegeneration können wir die Versorgung unserer Patienten weiter optimieren.

Ich freue mich außerdem, dass wir mit der Fertigstellung des neuen Katheterlabors nun auch deutlich mehr Kapazitäten haben. Unser Ziel ist es, die modernen Möglichkeiten der minimal-invasiven Kardiologie für unsere Patienten aus dem Landkreis und darüber hinaus möglichst umfassend wohnortnah anzubieten. Die Kardiologie der Kreisklinik Ebersberg ist heute dafür nicht nur räumlich, sondern auch technisch und personell bestens gerüstet.

Das Interview führte Sybille Föll

Artikel vom 07.07.2017
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