Grafinger Verein bietet Dienstleistungen für Ältere

Grafing · Hilfe auf SeniorenKarte

Renate Eichinger (l.) und Gabi Schwalb vom Verein „SeniorenKarte Grafing“ suchen weitere Helfer für Senioren. Foto: Sybille Föll

Renate Eichinger (l.) und Gabi Schwalb vom Verein „SeniorenKarte Grafing“ suchen weitere Helfer für Senioren. Foto: Sybille Föll

Grafing · Im Alter so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können: Das ist nicht nur der Wunsch vieler Senioren, sondern in Anbetracht des demografischen Wandels auch im Interesse der Politik, denn Pflegeplätze sind teuer und Pflegepersonal ist rar. ­Allein in Grafing leben heute 1.163 Menschen über 75 Jahre, dem gegenüber stehen in der einzigen Pflegeeinrichtung der Stadt, dem Seniorenhaus Grafing, 45 Wohneinheiten für betreutes Wohnen und 40 Pflegeplätze.

Um die Senioren in ­ihrem Alltag zu Hause zu unterstützen, gründeten Renate Eichinger und Gabi Schwalb vor genau einem Jahr, am 3. Februar 2011, den Verein „SeniorenKarte Grafing“. Er vermittelt Helfer an Senioren, die je nach Bedarf Fenster putzen, Besorgungen erledigen, Rasen mähen und mehr. Wer die Dienste in Anspruch nehmen möchte, muss allerdings Mitglied im Verein werden und zahlt monatlich 5 Euro Mitgliedsgebühr. Hinzu kommen für die Dienste 8 Euro pro Stunde, davon erhalten die Helfer 7 Euro. Bezahlt wird nicht bar, sondern per Wertmarke. Die Wertmarken können die Senioren zwei Mal im Monat im Café Hasi kaufen. Eine Marke kostet 2 Euro, kann also für eine Viertelstunde eingesetzt werden. „Nicht alle Dienstleistungen dauern eine ganze Stunde“, erklärt Eichinger, „so kann genauer abgerechnet werden.“ Der verbleibende Euro geht an den Verein, der damit seine Ausgaben deckt. Hierzu gehören allein rund 1.200 Euro Versicherungskosten pro Jahr für die rund 50 Ehrenamtlichen sowie Kopier- und Versandkosten für das monatliche Seniorenblatt, in dem Termine bekannt gegeben werden. Auch Senioren, die sich die 8 Euro nicht leisten können, erhalten Hilfe. Einen Teil der Kosten trägt dann das Sozialamt in Ebersberg. „Wenn was übrig bleibt, gibt es dieses Jahr ein Herbstfest“, sagt Schwalb lächelnd. Von dem Überschuss im vergangenen Jahr finanzierten die ehrenamtlich arbeitenden Damen einen Kalender für 2012 mit Fotos von Veranstaltungen mit den Senioren und verschenkten ihn an alle Mitglieder.

Vorläufer des Vereins war die „Seniorenkarte 55+“ vom Familien- und Bürgerzentrum. „Wir haben vor einem Jahr mit 30 Senioren angefangen“, berichtet Eichinger. Mittlerweile sind es 190 Senioren, die die Dienste der SeniorenKarte in Anspruch nehmen – Tendenz steigend. „Daher suchen wir weitere Helfer“, erklärt Eichinger. Vor allem Haushaltshilfen und Fahrer werden benötigt. Viele Senioren wohnen laut Eichinger am Ortsrand, wo es weder Einkaufsmöglichkeiten noch Ärzte gebe. Den Weg bis in die Stadtmitte würden sie oft nicht mehr schaffen.

Den großen Erfolg des Vereins erklärt sich Schwalb durch die ständige Erreichbarkeit. Denn die beiden Frauen haben kein Büro mit beschränkten Öffnungszeiten, sondern arbeiten von zu Hause aus. Schwalb war früher „Software-Engineer“ und ist nun in Rente. Eichinger arbeitet halbtags in einem Jeans-Fachgeschäft. „Das Telefon klingelt ständig“, erzählen die Vorstandsdamen. Je nachdem, welche Dienstleistung benötigt wird, suchen sie den passenden Helfer aus, der in der Nähe wohnt, die nötige Qualifikation hat und auch verfügbar ist. Mittlerweile wurde der Dienst auch auf Ebersberg ausgeweitet, teilweise sogar auf Moosach und Kirchseeon. „Unser ältestes Mitglied ist 101 Jahre alt“, berichtet Schwalb, „das jüngste 45 Jahre, weil wir auch Schwerkranke versorgen. Der Mann hat Multiple Sklerose“. Im vergangenen Jahr waren die Helfer der SeniorenKarte Grafing 4.600 Stunden im Einsatz. Aufgrund der steigenden Nachfrage werden es 2012 sicher mehr werden. Wer also Interesse hat, den Verein als Helfer zu unterstützen, meldet sich bei Renate Eichinger, Tel. 0 80 92/ 15 67, oder bei Gabi Schwalb, Tel. 0 80 92/85 11 93. Unter diesen Telefonnummern erreichen auch Senioren, die Hilfe benötigen, den Verein.

Von Sybille Föll

Artikel vom 10.02.2012
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