Ehrenamtliche Seelsorger für Harlachinger Krankenhaus

Harlaching · Zeit schenken

Krankenhausseelsorger Reinhard Roth und Gudrun Nowatzki vom ehrenamtlichen Besuchsdienst würden sich über weitere Helfer sehr freuen. 	Foto: Woschée

Krankenhausseelsorger Reinhard Roth und Gudrun Nowatzki vom ehrenamtlichen Besuchsdienst würden sich über weitere Helfer sehr freuen. Foto: Woschée

Harlaching · »Das Wichtigste was man einem Menschen schenken kann, ist Zeit und die Bereitschaft ihm zuzuhören«, erklärt der evangelische Pfarrer Reinhard Roth. Genau die bietet er seit rund 15 Jahren als Krankenhausseelsorger den Menschen im Harlachinger Krankenhaus an, die sich über geistlichen Beistand in schweren Tagen freuen.

Unterstützt wird er dabei von einem kleinen Team an ehrenamtlichen Helfern, die regelmäßig für ein paar Stunden ins Krankenhaus kommen, um dort Patienten zu besuchen, die nur wenig oder gar keinen Besuch bekommen oder aber jemanden brauchen, mit denen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt unterhalten können. Ab September sucht Pfarrer Roth weitere ehrenamtliche Helfer, um noch mehr Patienten in den Genuss dieser Besuche kommen zu lassen.

Alle Interessenten werden in Seminaren auf ihre anspruchsvolle Tätigkeit vorbereitet und nehmen regelmäßig an Supervisions-Sitzungen teil. Gudrun Nowatzki versieht ihren Besuchsdienst jetzt schon seit rund fünf Jahren. »Man muss seinen Geist ganz frei von den alltäglichen Sorgen machen, die einen so begleiten um offen für das zu sein, was der Patient einem zu sagen hat«, erklärt sie ihre Tätigkeit. Die Zeiten, die sie im Krankenhaus mit oftmals schwer kranken Patienten verbringt, sind natürlich auch anstrengend und fordernd, vor allem erlebt sie sie aber als Bereicherung. »Die Freude der Menschen darüber, dass jemand da ist, der ihnen offen und ehrlich zuhört und ihre Frage nachdem Warum und dem Sinn der Krankheit begleitet, ist erfüllend und beglückend«, so Nowatzki. Sie nutzt die neu gestaltete Kapelle im Erdgeschoss des Krankenhauses um vor den Besuchen Kraft zu tanken und ihre Mitte zu finden. »Man muss sich abgewöhnen, auf alle Fragen eine Antwort parat zu haben, manchmal gibt es keine befriedigenden Antworten auf die Frage nach dem Warum«, weiß Pfarrer Roth. Manchmal schweigt man auch einfach nur mit den Patienten, hält ihr Unglück mit ihnen aus und macht es dadurch für sie ein kleines bisschen leichter.

Obwohl es meistens schwer kranke Patienten sind, die den Besuchsdienst in Anspruch nehmen, wird in den Patientenzimmern auch viel gelacht. »Menschen, die ihr Schicksal annehmen und ihm vielleicht sogar mit Humor begegnen sind ein Geschenk und eine Bereicherung«, weiß der Seelsorger aus langjähriger Erfahrung. Solche Momente sind wichtig, denn in seinem Beruf gibt es auch immer wieder dunkle Momente, zum Beispiel wenn Kinder sterben und ihre Eltern an dem Schmerz zu zerbrechen drohen. Aus den positiven Momenten und natürlich aus dem Glauben zieht er in diesen Situationen die nötige Kraft. »Selbstverständlich werden in solchen schweren Fällen keine ehrenamtlichen Helfer eingesetzt, versichert Pfarrer Roth.

Schön ist es, wenn Patienten wieder genesen und mit den neu gewonnenen Erkenntnissen in ihrem Leben wirklich Dinge verändern und sei es mamchnmal nur die Sicht auf das Leben. Mit manchen von ihnen steht der Pfarrer sogar nach Jahren noch in freundschaftlichem Kontakt. »Man lernt bei jedem Patienten etwas für sein eigenes Leben und Sterben«, so Pfarrer Roth. Eine Tatsache, die auch Gudrun Nowatzki nur bestätigen kann. Wer sich mit soviel Krankheit und auch Tod auseinandersetzt, hinterfragt auch sein eigenes Leben und setzt Prioritäten neu. Die engagierte Frau erlebt diesen Umstand als Bereicherung. Es ist ihr ein Anliegen, den Trost, den sie im Glauben findet, an andere weiterzugeben. Ihre Augen leuchten förmlich, wenn sie von ihrem Glauben spricht, ist überzeugend, wenn sie von einem Leben nach Tod erzählt, das für sie so real ist, wie das Leben, das sie hier führt.

Wer Interesse daran hat, sich ebenfalls in der Krankenhausseelsorge ehrenamtlich zu engagieren, der kann sich bei Pfarrer Reinhard Roth unter der Telefonnummer 62 10 22 39 oder gerne auch per E-Mail unter seelsor ge.roth@khmh.de melden. Die ehrenamtliche Tätigkeit in der Klinikseelsorge ist grundsätzlich ökumenisch orientiert und kann daher von Christen aller Konfessionen ausgeübt werden. Ab September ist der Krankenhausseelsorger wieder für seine Schäfchen im Krankenhaus und ehrenamtlichen Helfer zu erreichen.

hw

Artikel vom 17.08.2010
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