Franz Kelch war jahrzehntelang mit dem Leben in Pasing und Obermenzing in besonderer Weise verbunden: Der in der Festspielstadt Bayreuth geborene Bass-Bariton war mit einer Enkelin von August Exter verheiratet. Das Paar hatte zehn Kinder. Am 5. Juni ist Franz Kelch im Alter von 97 Jahren gestorben.
Franz Kelch wurde am 1. November 1915 in Bayreuth geboren. Nach Abitur und Wehrdienst begann er seine Gesangsausbildung 1937 bei Henriette Klink in Nürnberg. Als Kriegsteilnehmer kam er bis 1947 in englische Gefangenschaft und gab erste Liederabende in Kriegsgefangenenlagern. In der Nachkriegszeit - seit 1947 lebte Kelch in München - gelang es ihm, als freischaffender Konzert- und Oratoriensänger Fuß zu fassen. Durch Rundfunksendungen, Schallplatteneinspielungen, Konzerte und Liederabende wurde er bald bekannt. Die umfangreiche, kultivierte Bass-Bariton-Stimme, der hohe Grad an Musikalität und stimmtechnischer Beherrschung, insbesondere seine die Werke tief auslotende Gestaltungsgabe ließen Franz Kelch zu einem der bekanntesten Konzertsänger seiner Generation werden. Er übernahm die Bass-Partien aller großen Bachwerke und zahlreicher Kantaten unter Karl Richter. Günther Ramin holte ihn 1954 als Christus-Sänger für die später preisgekrönte Aufnahme seiner Johannes-Passion in der Thomaskirche in Leipzig und verpflichtete ihn für zwei Tourneen mit den Thomanern durch Westeuropa. Mit Fritz Werner wurden zwischen 1957 und 1960 beide Bach-Passionen und mehrere Kantaten eingespielt.
Im Zuge der Monteverdi-Renaissance in den frühen 50er Jahren wurde Franz Kelch für verschiedene Schallplattenaufnahmen engagiert, als Seneca in der weltweit ersten und mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichneten Aufnahme der L’Incoronazione di Poppea unter Walter Goehr, für die Marienvesper unter Hans Grischkat und die „Canti guerrieri et amorosi“ aus dem VIII. Madrigalbuch unter Marcel Couraud.
Franz Kelch sang die Bass-Partie in allen Hauptwerken der Konzertliteratur, er wirkte bei mehreren Uraufführungen und deutschen Erstaufführungen mit. Er beherrschte ein höchst umfangreiches Repertoire an geistlichen und weltlichen Musikwerken aus allen Jahrhunderten. Er wurde überall in Deutschland und auch im europäischen Ausland engagiert. Von 1953 bis 1979 führte er mit großem Erfolg seine Gesangsklasse am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg.